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Debatte: Sollte Schalke 04 Leon Goretzka ein Rekordangebot unterbreiten?

10:00 MESZ 19.09.17
GFX Leon Goretzka Schalke
Vor dem Spiel zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern wird heiß über die Zukunft von Leon Goretzka diskutiert. Sollte ihm S04 ein Rekordangebot machen?

DEBATTE

Bleibt er oder geht er? Seit Monaten wird beim FC Schalke 04 über die Zukunft von Leon Goretzka spekuliert. Wie der kicker berichtet, ist Sportvorstand Christian Heidel bereit, dem Nationalspieler eine Vertragsverlängerung mit zehn Millionen Euro Jahresgehalt schmackhaft zu machen.

S04 will Goretzka zum Rekordverdiener machen

Doch wäre es tatsächlich die richtige Entscheidung, den 22-Jährigen zum höchstbezahlten Spieler der Klubgeschichte zu machen und zusätzlich das komplette Gehaltsgefüge von Königsblau auf den Kopf zu stellen?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Auch in der Goal-Redaktion. Zwei Redakteure, zwei Meinungen.

"Schalke muss Goretzka halten – koste es, was es wolle"

Von Robin Haack

Klar, zehn Millionen Euro pro Jahr sind viel – sehr viel sogar. Aber ist es wirklich zu viel Geld für den derzeit besten Spieler im Kader der Schalker? Nein! Gerade in den letzten Wochen wurde in Gelsenkirchen mal wieder deutlich, dass es Dinge gibt, die man nicht kaufen kann. Auch nicht für zehn Millionen Euro.

Gemeint sind Identifikation und Loyalität, die gerade beim Kumpel- und Malocherklub aus dem Ruhrgebiet besonders groß geschrieben werden. Das bekam auch Christian Heidel zu spüren, der aufgrund der Abgänge von Kurvenhelden wie Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und zuletzt sogar Benedikt Höwedes mächtig Kritik der Anhänger einstecken musste.

Mit der Befürchtung im Hinterkopf, mit Goretzka möglicherweise die letzte echte Identifikationsfigur des Vereins zu verlieren, will und muss der Sportvorstand ein Zeichen setzen, Nägel mit Köpfen machen und endlich einen großen Namen auf Schalke halten. Es wäre nicht weniger als eine Win-win-win-Situation, denn neben glücklichen Fans würden sowohl Heidel als auch Goretzka für die Entscheidung gefeiert werden und zumindest Goretzka endgültig zum absoluten Helden aufsteigen.

Goretzka ist diese Summe einfach wert

Neben dem emotionalen Aspekt, der bei Königsblau traditionell noch etwas wichtiger ist als anderswo, gibt es allerdings auch rationale Gründe, Goretzka zum Rekordverdiener zu machen. Schließlich ist er sportlich nicht zu ersetzen. Weder kurz- noch mittel- oder langfristig.

Zehn Millionen hin oder her: Der 22-Jährige ist Nationalspieler und schon jetzt der absolute Boss im Schalker Spiel. Verglichen mit den anderen Top-Stars der Bundesliga, zu denen Goretzka ohne Frage zählt, ist der Mittelfeldstratege diese Summe einfach wert. Wenn nicht auf Schalke, kann er diesen Batzen Geld auch locker anderswo verdienen.

Zusätzlich ist davon auszugehen, dass er mit Anfang zwanzig in den kommenden Jahren nicht schlechter wird. Ganz im Gegenteil: Nicht wenige trauen Goretzka zu, dass er den deutschen Fußball mittelfristig auch in der Nationalmannschaft prägen kann und dort zu einer echten Führungsfigur reifen wird.

Nimmt man also an, dass er langfristig in Gelsenkirchen verlängert, würde Goretzka die vielleicht besten Jahre seiner Fußballerkarriere beim FC Schalke 04 verbringen. Allein wegen dieser Aussicht ist meine Meinung klar: Heidel muss Goretzka halten – koste es, was es wolle. 

"Zehn Millionen sind zu viel"

Von Maximilian Schmeckel 

Es geht gar nicht nur um die Summe von zehn Millionen Euro, die Goretzka bei Schalke künftig verdienen soll. Dieser Betrag wandert Jahr für Jahr auf die Konten der Fußball-Top-Stars rund um den Globus. Und der 22-Jährige hat definitiv das Potenzial, einer dieser Top-Stars zu werden. Vielmehr geht es um die Lücke, die dann zwischen ihm und den anderen klaffen würde. 

Vier Millionen Euro verdienen die aktuellen Top-Verdiener Franco Di Santo und Yevhen Konoplyanka, wie der kicker berichtet. Dass nun Goretzka weit mehr als doppelt so viel verdienen soll, kann in einem Sport wie dem Fußball nicht sein! Denn anders als beim Basketball, wo es diese X-Faktor-Spieler wie LeBron James gibt, die nicht nur jedes Spiel entscheiden können, sondern de facto fast jedes Spiel entscheiden, ist Goretzka nur eine Säule von mehreren in einem mannschaftstaktisch gänzlich anderen Sport. 

Ohne Frage: Goretzka ist das Gesicht des FC Schalke 04, er ist in der Lage, die Zukunft zu prägen. Doppelt so gut wie alle anderen - wie es wegen der Andersartigkeit des Sports ein James vielleicht sein mag - ist er aber nicht. Anders als bei Bayern, wo das Gehalt streng hierarchisch geordnet ist und die größte finanzielle Lücke zwischen zwei aufeinanderfolgenden Spielern drei Millionen Euro beträgt, würde Schalke mit einer solchen Summe ein Stück weit gegen die eigenen Ideale verstoßen. 

"Gesund" sieht anders aus

Beim Arbeiterklub soll einer plötzlich mehr als doppelt so viel verdienen wie der zweit- und drittbeste Verdiener? Das Gehaltsgefüge würde völlig aus den Fugen geraten - und das bei einem Verein, dessen Sportdirektor Christian Heidel sich wünscht, dass der Fußball in finanzieller Hinsicht "gesund" bleibt. Gesund sieht anders aus!

Es ist nunmal so, dass S04 aktuell nicht in einer Liga mit den ganz Großen spielt, dass man darauf bauen muss, den Gehaltsrahmen sukzessive zu weiten und ihn eben nicht mit einem Vorschlaghammer zertrümmert. Was werden sich die Fährmanns, Konoplyankas oder Bentalebs denken, die vielleicht individuell nicht so stark wie Goretzka sein mögen, aber deshalb nicht weniger wichtig für den sportlichen Erfolg sind?

Natürlich wäre es bitter, wenn man nach Manuel Neuer, Julian Draxler und Leroy Sane auch den vierten Akteur mit Potenzial zur Weltklasse verliert. Ihn aber um jeden Preis halten zu wollen, ist der falsche Weg. Denn wenn man ehrlich ist: Lange wird ihn auch dieses Mega-Gehalt nicht an Königsblau ketten können.