City-Neuzugang Bernardo Silva – der legitime Nachfolger seines Namensvetters

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Der Guardiola-Klub hat mit der Verpflichtung Silvas für den ersten großen Transfer des Sommers gesorgt. Doch wer ist der 50-Millionen-Mann eigentlich?

HINTERGRUND

21. Februar 2017, Etihad Stadium, Champions-League-Achtelfinale zwischen Manchester City und AS Monaco: In der eigenen Hälfte setzt sich die Nummer zehn der Monegassen an der Seitenauslinie energisch gegen Citys David Silva durch und startet sein Dribbling. An der Mittellinie wird der kleine Dribbelkünstler schon von Fernandinho erwartet, Leroy Sane jagt ihm hinterher.

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Doch auch das stellt erstmal kein Problem für den wieselflinken Monegassen dar. Als dann jedoch noch Yaya Toure aus der Mitte zur Hilfe eilt, geht das ganze Stadion von einem Ballgewinn der Skyblues aus. Doch es kommt alles ganz anders. Bernardo Silva dreht sich einmal um die eigene Achse, verpasst dem Ivorer in höchster Bedrängnis einen frechen Beinschuss und spielt einen perfekten Pass in den Lauf von Stürmer Radamel Falcao.

Eine Szene, die bei allen Zuschauern Eindruck hinterlassen hat. Und wohl auch bei Citys Coach Pep Guardiola, der sich vor wenigen Tagen die Dienste des 22-jährigen Portugiesen für schlappe 50 Millionen Euro Ablöse sicherte. Doch wer ist dieser Silva eigentlich, mit dem der katalanische Star-Trainer den großen Umbruch einleitete und für den die Citizens diesen großen Batzen Geld auf den Tisch gelegt haben?

Wenn über den überraschenden Erfolg vom AS Monaco in der vergangenen Spielzeit geredet wird, spricht die ganze Welt nur über das neue "Wunderkind" Kylian Mbappe, der mit seinen 18 Jahren äußerst überzeugende Auftritte in der Champions League und der Ligue 1 hinlegte. Doch der Erfolg des Teams wurde von vielen Säulen getragen.

So gehörten auch andere Talente wie Thomas Lemar, Fabinho, Benjamin Mendy oder Routinier Falcao zu den prägenden Figuren im Spiel der Monegassen. Und eben jener bodenständige Bernardo Silva, der im Schatten Mbappes der heimliche Star der Mannschaft war.

HD Bernardo Silva Monaco

Ausgebildet wurde der kleine Portugiese in der Akademie von Benfica, welche für ihre herausragende Jugendarbeit bekannt ist. Bereits mit acht Jahren schloss sich Silva dem 36-fachen Meister seines Heimatlandes an. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften und war schon in jungem Alter ein Ausnahmetalent. Aufgrund seiner Spielweise wurde ihm, wie sollte es auch anders sein, der Spitzname 'Messizinho' verpasst. Viel zu viele sind schon an einem Vergleich mit dem fünfmaligen Weltfußballer gescheitert, doch dass Silva und der Barcelona-Star ähnliche Spielertypen sind, ist heute nicht mehr von der Hand zu weisen.

Benfica traute Bernardo Silvas Können nicht

Als es aber an den Profibereich ging, schien die Karriere des Juwels ins Stocken zu geraten. Einsätze in der ersten Liga Portugals waren eine Seltenheit, also entschied er sich für eine Leihe nach Monaco. "Als sie mich bei Benfica im Training als Außenverteidiger aufstellten, wusste ich, dass ich bei diesem Klub keine Zukunft mehr habe", sagte er damals. In Monaco hingegen war man von seinen Qualitäten überzeugt und verpflichtete ihn im Januar 2015 für über 15 Millionen Euro fest. Dieses Szenario wird in Lissabon längst schmerzlich bereut.

Im Fürstentum entwickelte sich der dribbelstarke und bewegliche Spielmacher mit dem überragenden linken Fuß prächtig. Nach sieben Toren in der Vorsaison schaffte er in dieser Spielzeit mit acht Treffern und elf Assists den absoluten Durchbruch. Silva steht für die magischen Momente eines Spiels. Durch seine Genialität und Kreativität ist er zu jeder Zeit in der Lage, entscheidenden Einfluss zu nehmen.

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Noch-Mannschaftskamerad Jemerson sagte einst über ihn: "Im Training und auch im Spiel macht er unglaubliche Sachen. Wenn du eigentlich denkst, dass er den Ball verlieren wird, hat er ihn irgendwie immer noch zwischen seinen Füßen und du weißt nicht einmal, wie er das gemacht hat."

Auch Benjamin Mendy, der ihm in diesem Sommer möglicherweise noch zu City folgt, gerät bei seinem (Ex-)Mitspieler regelrecht ins Schwärmen: "Bernardo Silva? Ich nenne ihn nur noch Kaugummi, weil der Ball an seinen Füßen klebt. Ich würde Geld bezahlen, um ihm zusehen zu dürfen."

Und diese Magie soll der 22-Jährige nun ins Etihad Stadium bringen. Dort plant Trainer Pep Guardiola nach einer durchwachsenen Saison den großen Umbruch. Für viele Experten ist es kein Zufall, dass genau dieser Bernardo Silva der erste Transfer des Katalanen war. Wenige Spieler sind so prädestiniert für sein Spielsystem, das von Ballbesitz-Dominanz und großer Ball-Zirkulation geprägt ist. Viele Gegner stehen gegen Manchester City sehr defensiv und lauern auf Konter. Deshalb spricht Guardiola oft von "wenig Raum für die Offensive und großen Bereichen, die es zu verteidigen gilt".

Dabei ist das Spiel der Skyblues bereits stark von einem Silva abhängig. David Silva nämlich. Der Spanier ist in den meisten Spielen der Dreh- und Angelpunkt und kreiert selbst auf engstem Raum Chancen für seine Mitspieler. Folgerichtig machte sich ein Ausfall des Welt- und Europameisters auch sofort bemerkbar. Dem soll nun mit der Verpflichtung von Namensvetter Bernardo entgegengewirkt werden. Viele sehen in ihm bereits den legitimen Nachfolger des Spaniers, da sich beide in ihrem Spiel verblüffend ähnlich sind. Die 'Silvas' können so gut wie jede Position hinter der Spitze bekleiden und sind dank ihrer überragenden Technik auch unter Druck in der Lage, den Ball zu behaupten und für die entscheidende Aktion zu sorgen.

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Und der Neuzugang aus Monaco kann es kaum erwarten, seine neue Aufgabe anzugehen: "Ich bin jetzt bei einem der besten Teams der Welt. Ich bin sehr glücklich, ein Teil von Manchester City zu sein, und ich freue mich darauf, mein Bestes zu tun, um dem Team zu helfen, die Ziele zu erreichen."

Auch für seinen neuen Trainer hat der Portugiese viel Lob übrig: "Wenn nicht der beste Trainer der Welt, ist er einer der besten. Wenn du die Möglichkeit hast, von Pep Guardiola trainiert zu werden, sagst du nicht nein", so Silva weiter. "Es ist toll, mit ihm zu arbeiten und diese Gelegenheit zu bekommen."

Ausnahmetalent einer neuen Generation

Doch nicht nur in England erhofft man sich durch den Wechsel Silvas den nächsten Entwicklungsschritt. Auch in seinem Heimatland sind die Hoffnungen in den kleinen Spielmacher riesig. Von seinem Können durfte sich Fußball-Deutschland bereits vor zwei Jahren bei der U21-EM überzeugen, als Silva der überragende Mann jener Mannschaft war, welche die favorisierte deutsche Auswahl im Halbfinale mit 5:0 aus dem Stadion schoss.

GFX Deco Quote Bernardo Silva

Eigentlich hätte er zum heutigen Zeitpunkt auch schon einen Titel als Europameister in seiner Vita stehen, doch eine Verletzung verhinderte im Vorjahr die Teilnahme an der Endrunde in Frankreich. Dennoch soll Silva in Zukunft der Fixpunkt einer neuen goldenen Generation auf der iberischen Halbinsel sein.

Der ehemalige Weltklasse-Fußballer Deco sprach vor einiger Zeit aus, was wohl viele Portugiesen insgeheim hoffen: "Ich denke, dass Portugal nun eine gute Generation mit vielen talentierten Spielern vor sich hat. Aber am meisten beeindruckt mich Bernardo Silva. Er kann einer der größten Spieler der Welt werden. Er hat sehr viel Qualität", so der einstige Barca-Akteur. "Er riskiert viel, deshalb mag ich ihn so sehr. Er kann über viele Jahre hinweg die Nummer zehn unseres Nationalteams sein."

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Man kann Manchester City also durchaus zu diesem Transfer-Coup beglückwünschen. Neben einer klugen Investition in die Zukunft ist es vor allem ein Zeichen an die Konkurrenz. Silva stand logischerweise nicht nur im Fokus von Guardiola. Vor allem Stadtrivale United galt lange als heißer Kandidat für einen Wechsel, doch den Zuschlag bekam für viele unerwartet City.

Kurz darauf gab man in den Eastlands gleich noch die Verpflichtung vom 40-Millionen-Keeper Ederson bekannt. Im aktuellen Kader stehen mit Leroy Sane, Raheem Sterling und Gabriel Jesus bereits weitere Top-Talente. Die Silva-Ablöse von 50 Millionen Euro, welche im ersten Augenblick von einigen Leuten als übertrieben angesehen wurde, könnte sich in Zukunft noch als wahres Schnäppchen erweisen, wenn aus England ähnliche Lobeshymnen zu lesen sind, wie sie uns in der abgelaufenen Spielzeit aus Frankreich erreichten.

Und vielleicht gibt es im Training schon bald wieder Beinschüsse gegen Toure. Einziger Unterschied: Statt der Nummer zehn wird Silva dann erstmal die 20 auf dem Leibchen tragen.

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