Celtic-Rekordneuzugang Odsonne Edouard: Jung, dynamisch, vorbestraft

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Getty/Goal
Odsonne Edouard zählt zu Frankreichs größten Talenten. 2017 wird er wegen eines Schusswaffendeliktes verurteilt - und sorgt nun bei Celtic für Furore.

HINTERGRUND


Der frühere englische Premierminister Sir Winston Churchill hat einmal gesagt: "Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen." Die Weisheit eines großen Staatsmannes, mit der sich vermutlich ein Jeder identifizieren kann, der in einem Anflug jugendlichen Leichtsinns Konsequenzen nach sich ziehenden Schabernack getrieben hat, den es im Anschluss zu bereuen galt. 

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Zumeist dürfte es sich dabei um Lausbüberei gehandelt haben, die man vermutlich mittlerweile als unnötig deklariert, zumindest aber noch ein kleines schelmisches Schmunzeln übrig hat, wenn man sich zurückerinnert. Ein schelmisches Schmunzeln wird Odsonne Edouard für eine bestimmte Verfehlung in seiner Sturm-und-Drang-Phase wohl nie aufbringen.

Was war geschehen? Im Februar vergangenen Jahres sah sich der Angreifer, eines der verheißungsvollsten Talente Frankreichs, von Paris Saint-Germain zu dieser Zeit an den FC Toulouse ausgeliehen, mit einer schwerwiegenden Anschuldigung konfrontiert: Edouard soll aus dem fahrenden Auto mit einem Luftgewehr auf einen Passanten, den 58 Jahre alten Francis Guiral, geschossen und diesen am Ohr verletzt haben.

Identifiziert wurde Odsonne anhand des Kennzeichens, das deutlich auf einer Überwachungskamera zu erkennen war. Ohne den Vorfall zu bestätigen, gab Toulouse-Präsident Olivier Sadran zwei Monate später bekannt, dass das Leihgeschäft mit sofortiger Wirkung beendet wurde. Er erklärte damals im Interview mit dem französischen Radiosender RMC: "Was Odsonne tat, ist unzulässiges, skandalöses Verhalten. Zum einen wird er nicht wieder für uns spielen und zweitens schicken wir ihn zurück nach Paris. Es ist unaussprechlich."

Osdonne Edouard Dijon Toulouse 12212016

Neben Edouard befand sich – so jedenfalls die Berichterstattung - ein weiterer Toulouse-Spieler zum Zeitpunkt der Tat im Fahrzeug. Dabei handelte es sich um Mathieu Cafaro, der infolgedessen ebenfalls rausgeschmissen wurde. Das Problem bei der Aufklärung: Zunächst hatte Edouard gestanden, den Schuss abgefeuert zu haben, später beschuldigte er Cafaro, der tatsächlich versicherte, er sei der Schütze gewesen, um das Ganze kurz darauf wieder zu bestreiten, während des Prozesses gegen seinen ehemaligen Teamkollegen im Juli 2017 sogar angab, überhaupt nicht im Auto gewesen zu sein. Das Gericht sprach Edouard letztlich schuldig, verhängte eine viermonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem musste der französische U-Nationalspieler eine Geldstrafe in Höhe von 6700 Euro sowie zusätzliche 2000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Odsonne Edoaurd schließt sich Celtic an 

Während sich Cafaro einen neuen Verein suchen musste und nach drei Monaten mit Stade Reims einen neuen Arbeitgeber fand, kehrte Edouard in seine Heimat zurück, zum Dauerdominator aus der Hauptstadt, der nach wie vor keine große Verwendung für das Eigengewächs hatte, das in Toulouse für einen handfesten Eklat gesorgt hatte.

Zu Beginn der Saison 2017/18 zog es den Mittelstürmer nach Schottland, wo er - zunächst abermals auf Leihbasis - beim Rekordmeister Celtic anheuerte. Auf der Insel sollte seine Karriere mächtig Fahrt aufnehmen. 29-mal lief der in Französisch Guayana geborene Rohdiamant für die Bhoys auf und erzielte wettbewerbsübergreifend elf Tore, vier weitere Treffer bereitete er vor.

Kein Wunder, dass der Traditionsklub aus Glasgow Edouard längerfristig an sich binden wollte. Aufgrund des – aus Celtic-Sicht – glücklichen Umstands, dass PSG aktuell ohnehin auf Transfereinnahmen angewiesen ist, um nicht vom Kontrollmechanismus Financial Fair Play sanktioniert zu werden, ließ der Meister den beidfüßigen Torjäger für rund 10,3 Millionen Euro ziehen. Ein Rekord für die Hoops, machten sie Edouard, der einen Vierjahresvertrag unterschrieb, mit diesem Deal doch zum teuersten Neuzugang der 130-jährigen Vereinsgeschichte.

Zehn-Millionen-Euro-Preisschild als große Bürde?

"Ich habe immer gesagt, dass er auf einem guten Level ist", sagte Trainer Brendan Rodgers im Gespräch mit der Evening Times nach der Verkündung des Transfers, gab aber mit Blick auf das Alter seines Schützlings und der automatisch mit der hohen Ablöse verbundenen Bürde, zu bedenken: "Wenn du neun oder zehn Millionen Euro für einen Spieler zahlst, denken die Leute plötzlich, dass er ein anderer sei. Das stimmt aber nicht. Er ist derselbe Junge, nach dem mich die Leute vor einem Jahr gefragt haben, als er auf dem Platz stand. Genau derselbe. Er bewegt sich toll, findet Räume, bricht durch die gegnerische Abwehrlinie, schießt und kreiert Tore. Es hat sich nichts verändert."

Der offiziellen Celtic-Webseite erklärte der ehemalige Liverpool-Coach: "Odsonne ist einer der besten jungen Spieler, mit denen ich jemals zusammengearbeitet habe, einer der besten Youngster Europas." Dass Edouard mit riesigem Potenzial aufwartet, liegt indes nicht erst seit der vergangenen Spielzeit auf der Hand. Erstmals für Furore sorgte er bei der U17-Europameisterschaft 2015 in Bulgarien, als er mit acht Treffern (drei davon im Finale, beim 4:1 gegen Deutschland) Torschützenkönig wurde und erheblichen Anteil daran hatte, dass sich die Nachwuchs-Equipe am Ende den Titel sicherte, während ein gewisser Kylian Mbappe von Trainer Jean-Claude Giuntini nicht einmal in den EM-Kader berufen wurde.

***GER ONLY*** Kylian Mbappe Odsonne Edouard

Inzwischen zählt Mbappe zu den größten Stars des Weltfußballs, war einer der Protagonisten, die der Grande Nation den zweiten Weltmeister-Stern einbrachten. Ein Werdegang, der sicherlich nicht der handelsüblichen Norm entspricht, sondern nur absoluten Ausnahmekönnern vorbehalten ist, an denen man Gleichaltrige nicht messen sollte. Denn auch Edouard ist gewiss auf bestem Wege, sich einen Namen zu machen.

In der noch in den Kinderschuhen steckenden Saison, die vor wenigen Wochen eingeläutet wurde, netzte der 20-Jährige in sieben Pflichtspielen bereits viermal, zwei enorm wichtige Tore steuerte er etwa in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation gegen Rosenborg Trondheim bei, die Celtic das Weiterkommen sicherten. Gebracht hat der Doppelpack gegen die Norweger indes nicht sonderlich viel. Der schottische Meister musste sich am Dienstagabend mit 1:2 bei AEK Athen geschlagen geben, nachdem das Hinspiel im Celtic Park eine Woche zuvor 1:1 geendet war. Edouard kam verletzungsbedingt in Griechenland nicht zum Einsatz.

Bei seiner Vorstellung im vergangenen Sommer ließ Edouard die Zeit in Toulouse, die wohl schwierigste Episode seines Lebens, noch einmal Revue passieren. "Ich habe in der Saison bei Toulouse viel gelernt“, sagte er und ergänzte: "Zum ersten Mal habe ich außerhalb von Paris gelebt und zum ersten Mal habe ich in der ersten Mannschaft gespielt. Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, aber das liegt jetzt hinter mir. Ich schaue jetzt nach vorne. Das, was zählt, ist die Zukunft.“ Worte der Reue, die danach klingen, als habe jemand die Churchill’sche These verinnerlicht.

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