WM-Achtelfinale gegen Brasilien? Für DFB-Trainer Joachim Löw wäre eine Neuauflage des 7:1 "okay"

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Alexander Hassenstein/Getty Images
Bereit für den "Ritt durchs Turnier": Südkorea soll als erster Gegner das wiedergewonnene Selbstvertrauen der DFB-Elf zu spüren bekommen.

Rechnen verboten, träumen erlaubt: Joachim Löws Glücksritter wollen sich bei ihrem "Ritt durchs Turnier" weder von Südkorea noch von Spekulationen über "Was wäre, wenn?" aufhalten lassen. Ein möglicher Losentscheid oder der nicht unwahrscheinliche Achtelfinal-Knaller gegen rachedurstige Brasilianer? Für Löw vor dem Gruppenfinale am Mittwoch ( 16.00 Uhr im LIVE-TICKER ) in Kasan kein Thema.

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"So weit ist es noch nicht", sagte der Bundestrainer, "in der anderen Gruppe gibt es verschiedene Konstellationen, und wir müssen zunächst gegen Südkorea gewinnen." Dann aber, betonte er mit dem wiedergewonnenen Selbstvertrauen des Titelverteidigers, "dann nehmen wir es wie es kommt." Auch die Revanche für das Jahrhundertspiel im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien (7:1) wäre in diesem Fall für ihn "okay".

Marco Reus will gegen Südkorea "höher als 1:0 gewinnen"

Doch es ist gut möglich, dass Löw und seine Stars vorher an der Wolga die Taschenrechner bemühen müssen. Die Konstellation in Gruppe F lässt noch alle denkbaren Szenarien zu. Von Platz eins bis zum blamablen Aus, vom Weiterkommen per Los bis zum frühzeitigen Heimflug wegen der Fair-Play-Wertung. Sicher ist: Bei einem Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz wäre die deutsche Mannschaft in der K.o.-Runde - und könnte weiter "durchs Turnier reiten", wie Timo Werner sagte.

Und genau darauf setzt Löw, der sich auch von der Verlegung des Abschlusstrainings wegen Starkregens und Hagels nicht aus der Ruhe bringen ließ. "Ich bin nicht derjenige, der unterschiedliche Szenarien durchspielt", sagte er. Zwar werde er über den Stand beim Parallel-Spiel Mexiko gegen Schweden stets informiert, "aber wir sollten mit unserem eigenen Spiel Klarheit schaffen. Wir werden alles daransetzen, dass wir es aus eigener Kraft schaffen", betonte er.

Joachim Low - Alemanha - 16/06/2018

Marco Reus beteuerte, keinen Gedanken an die "skurrile" Ausgangslage zu verschwenden. "Wir wollen unsere Pflicht erfüllen und höher als 1:0 gewinnen", sagte er. Schlüssel soll der durch den Last-Minute-Sieg gegen Schweden gewachsene "Geist von Sotschi" sein. "Wir haben noch Luft nach oben, aber mit der Sicherheit und dem Vertrauen ineinander werden wir das schaffen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Zu sicher soll sich freilich niemand fühlen. Die deutlich verbesserte Grundstimmung in der Mannschaft könne "eine Gefahr" sein, sagte Mario Gomez: "Südkorea hat gezeigt, dass sie sehr gefährlich sind, wahnsinnig gut kontern und schnell umschalten. Wir müssen uns noch mal verbessern in punkto Absicherung." Sonst droht gegen Stürmerstar Heun Min Son und Co. ein böses Erwachen.

Khedira oder Gündogan: Wer ersetzte Sebastian Rudy?

Den Ex-Leverkusener und "die anderen guten Konterspieler" (Löw) auszuschalten, wird die schwerste Aufgabe für die Abwehr. Dort fehlt Löw der gesperrte Jerome Boateng. Mats Hummels kehrt zurück, neben ihm dürfte sein Klubkollege Niklas Süle spielen. Davor gibt es angesichts des Ausfalls von Sebastian Rudy (Nasenbeinbruch) die Alternativen Sami Khedira und Ilkay Gündogan.

In der Offensive sind Reus, Werner und wohl auch Thomas Müller (Löw: "Ein absolut wichtiger Spieler") gesetzt, Julian Draxler allerdings wackelt. Löw erwägt, stattdessen Mesut Özil zurück in die Startelf zu holen. "Mesut hat eine sehr gute Reaktion gezeigt im Training, wie auch Sami, daher sind sie natürlich eine Option", sagte Löw. Überhaupt sei "bei allen Spielern der absolute Wille zu erkennen, gewinnen zu wollen".

 

Dafür wären "weniger Ballverluste hilfreich", mahnte Löw. Zumal dauerhaftes Hinterherjagen bei erwarteten Temperaturen von über 30 Grad viel Kraft kosten dürfte. Der Bundestrainer erwartet allerdings, dass seine Mannschaft "in Sachen Tempo und Hitze nicht mehr Probleme hat als Südkorea".

In der WM-Vorrunde 1994 (2:3) und im Halbfinale 2002 (0:1) glückten jeweils knappe Siege gegen die Asiaten, außerdem hat das DFB-Team seit 2006 bei jedem Turnier sein letztes Gruppenspiel gewonnen.

Julian Brandt: Keine Gedanken an das WM-Finale

Kasan ist wie Sotschi ein gutes Pflaster: Löws junge Confed-Cup-Mannschaft hatte dort im Vorjahr ein 1:1 im zweiten Gruppenspiel gegen Chile erkämpft - ein Schlüsselerlebnis auf dem Weg zum Turniersieg.

An das WM-Finale dürfe man aber noch nicht zu viel denken, sagte Julian Brandt: "Wenn du dich nur um Moskau und den 15. Juli kümmerst, ist die Wahrscheinlichkeit gigantisch groß, dass du dort nicht spielen wirst."

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