News Spiele
Exklusiv

Borussia Mönchengladbach: Jugendwahn als Schlüssel zum Erfolg

16:30 MESZ 27.06.17
GFX Gladbacher Jugendwahn 27062017
Der Bundesligist setzt seit Jahren auf eine erfolgreiche Jugendarbeit. Dadurch hofft man auf ähnliche Erfolge wie in den glorreichen 70er Jahren.

HINTERGRUND

In den 70er-Jahren war Borussia Mönchengladbach berühmt für seine herausragenden Jungspunde, die sich mit temporeichem Fußball von Meisterschaft zu Meisterschaft schossen. Damals trainierte ein gewisser Hennes Weisweiler diese zielstrebige Mannschaft rund um Jupp Heynckes, Berti Vogts und Günter Netzer.

Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Doch die Zeiten änderten sich, Gladbach wurde zur Fahrstuhlmannschaft, Erfolge waren weit weg. Zeiten, die zum Umdenken bewegten, in den letzten Jahren setzte die Borussia wieder verstärkt auf Nachwuchskräfte.

Traktoren und ein weinender Bruder: Die Geschichte des Juventus-Juwels Moise Kean

Marco Reus, Mahmoud Dahoud, Granit Xhaka, Christoph Kramer und Marc-Andre ter Stegen sind nur ein paar Namen, die bei Gladbach zuletzt den Durchbruch schafften. Sie waren Investitionen in die Zukunft. Eine Zukunft, von der sich Sportdirektor Max Eberl viel erhoffte – um an die glorreichen Tage der Vergangenheit anzuknüpfen.

Meisterschaften wie damals in den Siebzigern erscheinen zwar nicht am Horizont, doch Gladbach hat sich vom Abstiegskandidaten zum regelmäßigen Anwärter auf den internationalen Wettbewerb entwickelt. Mit aufstrebenden Nachwuchsspielern, die hungrig auf Erfolg sind. Ein klares Konzept steckt hinter diesem Aufschwung.

Jugend als Philosophie

"Eigengewächse sind unsere Philosophie. Mit Talenten arbeiten ist einfach gesagt, aber man muss Talente mit einem gewissen Niveau haben“, betonte der Vater des Erfolgs, Eberl. Seit 2005 arbeitet er für die Borussia und übernahm 2008 den Posten des Sportdirektors.

Er hat eine geradlinige Struktur eingeführt, die besonders in den letzten beiden Transferjahren Anklang fand. 2016 verpflichtete die Borussia mit Laszlo Benes (MSK Zilina), Julio Villalba (Cerro Porteno) und Mamadou Doucoure (PSG) drei hochveranlagte Youngster mit Perspektive. Mittelfeldspieler Benes feierte sogar bereits sein Profi-Debüt für die Fohlen und kam insgesamt zu zehn Einsätzen.

Für Villalba und Doucoure war bisher ein Debüt noch nicht möglich. Vor allem Innenverteidiger Doucoure kämpft nach einem Muskelbündelriss um einen Platz im Kader. Doch bei Gladbach möchte man keinen Druck auferlegen, denn man weiß, dass junge Spieler Zeit brauchen, um sich an das Tempo und die Intensität der Bundesliga zu gewöhnen.

Auch in diesem Sommer war Eberl bereits wieder äußerst aktiv und verpflichtete mit Denis Zakaria, Mickael Cuisance und Reece Oxford die nächsten Hochbegabten. Zakaria kam für stolze zwölf Millionen Euro von Young Boys Bern - viel Geld für einen 20-Jährigen. Doch von seinen Qualitäten konnte sich Gladbach bereits selbst überzeugen, als man in der vergangenen Saison gegen die Schweizer in der Champions-League-Qualifikation ran musste.

West-Ham-Talent Oxford wechselt zwar nur auf Leihbasis zur Borussia, doch man erhofft sich einen ähnlichen Vorteil wie bei der vergleichbaren Situation mit Andreas Christensen vom FC Chelsea. Auch Vincenzo Grifo ist trotz seiner 24 Jahren ein noch relativ junger Spieler, der in Gladbach den nächsten Schritt machen will.

"Wir haben auch aus der Vergangenheit gelernt, mit wirtschaftlich überschaubarem Risiko durchs Leben zu gehen. Dafür ist diese Demut aus den Erfahrungen einfach zu groß. Wir haben gelernt, keine verrückten Dinge zu machen“, betonte Eberl im Interview mit 11Freunde.

Genau auf diese verrückten Dinge gingen die Gladbacher beizeiten zu häufig ein. Spieler wie Federico Insua, der 2006 für 4,5 Millionen Euro Ablöse von den Boca Juniors geholt wurde, brachten unter dem Strich zu wenig Leistung für ihr Geld. Auch 12-Millionen-Mann Luuk de Jong war ein vielversprechender Spieler. Der Angreifer kam von Twente Enschede und brachte es im Trikot der Fohlen auf lediglich acht Tore in 45 Einsätzen.

Gladbach wieder im Rennen um Top-Talente

Doch man sollte sich von seiner bescheidenen Quote nicht täuschen lassen. De Jong war damals erst 21 Jahre alt, traf in der Saison 2011/12 25-mal in der Beletage Hollands und galt als eines der vielversprechendsten Stürmer-Talente Europas. Mit seiner Verpflichtung setzte Gladbach ein Ausrufezeichen und wurde auch für andere Talente attraktiver.

Auch Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof weiß um die Bedeutsamkeit der Jugendarbeit. Seit seinem Amtsantritt hält er an seiner Idee fest: "Uns war allen klar, dass wir die Jugend stärker einbinden wollen und dass wir jede Verpflichtung genau abwägen.“

Gladbach-Neuzugang Denis Zakaria: Der Pogba des kleinen Mannes

Doch nicht nur von anderen Vereinen möchte man sich die Talente sichern. Für Eberl beginnt eine erfolgreiche Jugendarbeit im eigenen Nachwuchs: "Eigengewächse zu halten, ist geradezu eine Pflicht, wenn es um die DNA eines Klubs geht.“

Jene DNA verkörperte besonders Mo Dahoud in den letzten beiden Jahren. Der Techniker stieg kontinuierlich in den Profi-Kader auf und spielte sich in der Stammformation fest. Er wurde zum Lenker im Mittelfeld – und geriet ins Visier der Top-Klubs. Wie damals bei Marco Reus nutzte Borussia Dortmund eine vertraglich vereinbarte Ausstiegsklausel und sicherte sich das Juwel.

Es sind jene Transfers, die Gladbach zum einen Kopfzerbrechen bereiten, doch auf der anderen Seite für die Leitidee stehen. Die jungen Fohlen zu entwickeln, dann für eine respektable Summe abzugeben und die Einnahmen wieder in frisches Blut zu investieren.

Mit dem eingeschlagenen Kurs fährt man bisher gut. Dank dieser hungrigen Talente sind regelmäßige Champions-League-Teilnahmen der verdiente Lohn. Die Fohlenelf macht ihrem Namen wieder aller Ehre – wie damals in den 70er Jahren. Als die Borussia für temporeichen Fußball mit wertvollen Talenten stand.