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Bundesliga

Borussia Dortmund: Wenn die Qualität den Unterschied macht

11:00 MEZ 05.11.17
Bayern Dortmund Bundesliga 04112017
Borussia Dortmund fehlt es in der aktuellen Phase an Qualität und Selbstvertrauen. Dennoch war das Spiel gegen den FC Bayern eine Steigerung.

HINTERGRUND

Es ist ja nicht so gewesen, als hätte Borussia Dortmund im Spitzenspiel gegen den FC Bayern keine Torchancen gehabt. Dennoch verloren die Schwarz-Gelben verdient mit 1:3 gegen den deutschen Rekordmeister, der nun in vier Spielen elf Punkte auf den BVB gutmachte. In dieser Partie wurde deutlich: Im Moment gibt es zwischen beiden Mannschaften einfach einen Qualitätsunterschied. Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Das hat auch BVB-Trainer Peter Bosz eingesehen: "Heute waren wir keine Spitzenmannschaft."

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Genau genommen präsentiert sich der BVB seit einiger Zeit nicht mehr als solche. Nach dem schwachen Auftritt gegen Hannover 96 in der Vorwoche versuchte Bosz es mit einer Systemveränderung gegen den FC Bayern. Genau das, was Kritiker immer wieder von dem Niederländer gefordert hatten. Erstmals in seiner Amtszeit lief der BVB mit einer Doppelsechs bestehend aus Julian Weigl und Gonzalo Castro auf. Doch auch das brachte zumindest in der ersten Halbzeit über weite Strecken nicht die erhoffte Stabilität. "Bayern war vor allem in der ersten Halbzeit klar überlegen, wir sind immer hinterhergelaufen und waren zu spät. Wir waren zu weit weg vom Gegenspieler", sagte Bosz.

BVB zu passiv

Sportdirektor Michael Zorc kritisierte seine Spieler ähnlich. "Wir sind mehrheitlich hinterhergelaufen, hatten keinen Zugriff, waren zu weit weg. Die Bayern haben uns hin- und hergespielt", sagte er. Dabei wollte der BVB durch die neue Formation kompakter auftreten, für Sicherheit im eigenen Spiel sorgen. 15 Minuten ging das gut, danach offenbarte der BVB durch individuelle Schwächen wieder große Räume für den Gegner. Der BVB war zu passiv, bewegte sich zu wenig. Doch ein Teil der Wahrheit ist auch: Die Dortmunder hatten durchaus Chancen, selbst Tore zu erzielen.

Pierre-Emerick Aubameyang und Andrey Yarmolenko liefen mehrmals allein auf Bayerns Sven Ulreich zu, vergaben aber beste Chancen. Besser machten es die Bayern, die extrem pressten und die Räume nutzen. So wie Arjen Robben bei seinem Treffer zum 0:1, als zuerst Marcel Schmelzer gegen James Rodriguez zu passiv agierte und dann Ömer Toprak nicht auf Robben rausrückte. Ähnlich viel Raum hatte Robert Lewandowski bei seinem Tor. "Bei den Gegentoren lassen wir den Bayern innerhalb des Sechzehners zu große Räume. Das darf nicht passieren", sagte Bosz. Und Zorc sagte: "Wir haben schlecht verteidigt, waren nicht konsequent und scharf genug in den Zweikämpfen".

Toprak als Unsicherheitsfaktor

Dennoch: Der BVB war mannschaftlich besser als zuletzt. Allerdings fehlt der "Punch", wie Castro sagte. Man könnte auch sagen, dass aktuell die Form fehlt. Oder die Qualität. In der Offensive lassen die hochveranlagten Spieler um Aubameyang in dieser Phase der Saison zu viel liegen. "Das Spiel hat mehrere Wahrheiten. Wir hatten auch unsere Torchancen, haben die aber nicht nutzen können", sagte Zorc. In der Defensive spielt der BVB derzeit weit unter den Möglichkeiten. Die Spieler lassen zu große Abstände, Toprak wirkt oft individuell zu schwach für die Ansprüche der Borussia.


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Insgesamt spielte der BVB in vielen Situationen vor allem zu mutlos und zu passiv. "Ausgenommen Christian Pulisic", sagte Zorc. Der US-Amerikaner war nach unauffälligeren Partien in der Vergangenheit am Samstag Dortmunds bester Mann auf dem Platz. Dieser glaubt, dass aktuell das Selbstvertrauen "ein Teil des Problems ist". Immerhin ist der BVB nach der Länderspielpause außer im DFB-Pokal gegen den 1. FC Magdeburg sieglos. Gegen RB Leipzig, Hannover 96 und den FC Bayern gab es Niederlagen, gegen Eintracht Frankfurt ein enttäuschendes Remis. Nun hoffen die Beteiligten, dass die erneute Länderspielpause wieder Ruhe einkehren lässt.

"Die Pause wird helfen. Wir können abschalten und reflektieren", sagte Castro. "Wir sind überzeugt, dass wir aus dieser Phase rauskommen. Wir müssen auf uns schauen, um eigene Fehler abzustellen. Dann tanken wir Selbstvertrauen." Das hat der BVB derzeit dringend nötig. Die Phase zwischen den beiden Länderspielpausen war eine zum Vergessen für die Borussia. Immerhin: Eigentlich kann es nur besser werden.