Borussia Dortmund: Von Rückschlag zu Rückschlag

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Borussia Dortmund muss gegen Tottenham den nächsten Rückschlag verdauen, Peter Bosz gerät weiter unter Druck. Problem ist auch die Mentalität.


HINTERGRUND

Marcel Schmelzer kann einem dieser Tage schon etwas leidtun. Seit Tagen wiederholt der Kapitän von Borussia Dortmund gebetsmühlenartig in viele Mikrofone, dass die Mannschaft derzeit in einer schwierigen Phase stecken würde und man gemeinsam daran arbeiten müsse, dort wieder herauszukommen. Genauso wie sich die Worte Schmelzers in den vergangenen Wochen wiederholten, kamen auch die gleichen Fehler auf dem Platz wieder vor. So auch am Dienstagabend im Champions-League-Spiel gegen Tottenham Hotspur, das der BVB mit 1:2 verlor.

BVB-Krise verschäft sich

Sicherheit? Fehlanzeige! Selbstvertrauen? Nicht vorhanden! Mental gefestigt? Mitnichten! Borussia Dortmund gibt in diesen Tagen auf dem Feld oft ein schlechtes Bild ab. Vor allem dann, wenn es wieder einmal einen Nackenschlag zu verdauen gibt. War die erste Halbzeit gegen die Spurs durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, gab die zweite Hälfte erneut keinen Grund zur Annahme, dass sich die Mannschaft von Peter Bosz auf dem Weg aus der Krise befindet.

BVB kann Schalter gegen Spurs nicht umlegen

"In der jetzigen Phase ist es schwierig, das zu verarbeiten", sagte Schmelzer nach dem Spiel etwas verschnupft. Auch das noch! "Wir müssen unser Verhalten nach Rückschlägen verbessern." Doch wie? Schließlich beweist der BVB seit Wochen in dieser Sache nicht gerade Stärke. Das ist auch dem Kapitän bewusst. "Es ist eine mentale Sache. Wenn wir uns Woche für Woche die Dinger selbst reinmachen, ist es nicht leicht, den Schalter umzulegen. Das müssen wir besser machen", sagte Schmelzer.

Ins gleiche Horn bläst auch Raphael Guerreiro, der am Dienstag vor Schmelzer auf der linken Mittelfeldseite spielte. "Wir müssen unsere Sicherheit zurückgewinnen. Wir konnten nach dem Ausgleich nicht reagieren. Wenn wir Fehler machen, ist es für uns aktuell schwer, die Sache zu drehen", sagte der Portugiese. Schmelzer und er waren die einzigen beiden Spieler, die sich nach dem erneuten Rückschlag vor die Mikrofone der schreibenden Presse wagten. Den anderen hatte es scheinbar die Sprache verschlagen.

Video: Aubameyang am Rande der Tätlichkeit

Inzwischen ist die Krise nämlich in Dortmund allgegenwärtig. Sogar Bosz weiß: "Wenn man bei einem großen Verein wie Borussia Dortmund ist, muss man Spiele gewinnen. Wenn man nicht gewinnt, steigt der Druck." Umso wichtiger ist für ihn das Spiel am Samstag gegen den FC Schalke. "Von einem Endspiel gegen Schalke würde ich nicht sprechen, aber es ist sicherlich ein sehr wichtiges Spiel." Geht es nach der Partie schon um seinen Job? Eine Niederlage würde dazu beitragen, dass die Luft für ihn allmählich immer dünner wird - zumal am Sonntag die Mitgliederversammlung der Borussia folgt. Eine Gelegenheit, bei der spätestens einige Fans ihrem Unmut über die aktuelle Situation Luft machen würden.

Bosz stellt BVB-System etwas um

Dass es für den Niederländer um den Job geht, ist ihm anzumerken gewesen. Und gegen die Spurs versuchte er, sein viel kritisiertes System ein wenig zu ändern. Statt in dem für ihn typischen 4-3-3 lief der BVB in einem 4-1-4-1 auf. Vor allem Julian Weigl schien dies zu Gute zu kommen. Im defensiven Mittelfeld war er nämlich wieder die alleinige Schaltzentrale, was sich zumindest in der ersten Halbzeit auszahlte. Zudem presste der BVB nicht ganz so aggressiv und offensiv wie zuletzt. Bosz war bedacht, seinen Spielern eine gewisse Grundordnung zu verinnerlichen. So gingen die Dortmunder nach 31 Minuten auch nicht unverdient durch Pierre-Emerick Aubameyang in Führung, der endlich wieder traf. Als Roman Bürki danach sogar einige Glanztaten zeigte, war im Stadion eine Art Hoffnungsschimmer zu spüren, dass es vielleicht wieder besser wird.

Die zweite Halbzeit belehrte Fans und Spieler aber eines besseren. Die Spurs, die über weite Strecken wirkten, als würden sie nicht einmal an die Leistungsgrenze gehen, profitierten von zwei kapitalen Abwehrfehlern der Borussia. Zunächst schickte der ansonsten gute Andrey Yarmolenko Jeremy Toljan in ein Himmelfahrtskommando, das dieser gegen zwei Gegenspieler deutlich verlor und woraus die Spurs den klaren Vorteil zogen. Hinzu kam dann, dass der schwache Marc Bartra und Dan-Axel Zagadou in der Mitte nicht konsequent gegen Harry Kane verteidigten. 1:1 (49.). Wieder ein Nackenschlag.

Borussia Dortmund Tottenham Hotspur Champions League 21112017
Trifft endlich wieder: Pierre-Emerick Aubameyang (zweiter von rechts)

Von da an schien die Dortmunder etwas zu lähmen. Von außen sah es so aus, als würde ganz einfach die Fitness fehlen. Das wollten die Verantwortlichen aber nicht so stehen lassen. "Es fehlt nicht an Kondition. Das Gegentor hat sich auf das Selbstvertrauen ausgewirkt. Die ersten 30 Minuten waren sehr gut. Aber dann sieht man nach dem 1:1 auch, wie dünn das Vertrauen ist", sagte Bosz und auch Schmelzer verwies auf das mentale Problem in dieser Phase der Saison sowie die individuellen Fehler, die immer wieder bessere Ergebnisse verhindern. Auch dem 2:1 für Tottenham ging wieder ein solcher Lapsus voraus. Mario Götze und Bartra können Dele Alli zu zweit nicht stoppen, der in der Mitte Son sieht. Der Südkoreaner erzielte in seinem zehnten Spiel gege den BVB sein achtes Tor.

Derby als letzte Chance für Bosz?

Will man das Positive nach dem letzten Champions-League-Heimauftritt dieser Saison beim BVB sehen, muss man die erste Halbzeit nehmen. Über weite Strecken passte die Einstellung und die Spieler haben sich gegenseitig unterstützt. Weniger Hoffnung für das Derby gegen Schalke am Samstag macht allerdings die zweite Halbzeit. Das weiß auch Schmelzer, der sich an einem Strohhalm hochzieht: "Im Derby zählt, wer den Sieg mehr will."

Ob der BVB das am Samstag ist? Nach den Spielen gegen Stuttgart und die Spurs dürfen zumindest kleine Zweifel an der Mentalität für dieses so wichtige Spiel angemeldet werden. "Es ist nicht die glücklichste Zeit für das Derby", sagte Guerreiro. Die Schalker kommen mit mächtig Selbstvertrauen nach Dortmund. Eine Eigenschaft, die in solchen Spielen viel Wert ist. Die Dortmunder Fans mahnten die Spieler deshalb nach der Partie. "Am Samstag zählt es: Alles für den Derbysieg", stand auf einem Plakat geschrieben.

"Wir haben gesehen, was die Fans von uns verlangen. Wir werden alles daransetzen, dies umzusetzen", sagte Guerreiro. Sollte der BVB aber auch dieses Spiel verlieren, dürfte die Stimmung rund um den Verein schnell kippen. In einem Derby kann man zwar viel retten - aber eben auch viel verlieren. Bosz wird hoffen, dass er dies nicht am eigenen Leib erfahren muss.

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