News Spiele
Exklusiv

Borussia Dortmund: Das Tuchel-Aus ist die beste Lösung für alle Beteiligten

15:00 MESZ 30.05.17
Thomas Tuchel, Borussia Dortmund, 19052017
Borussia Dortmund trennt sich nach zwei sportlich erfolgreichen Jahren von Thomas Tuchel. Denn im Sport zählen mehr als nur Siege. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Eine Überraschung ist es längst nicht mehr, dass Borussia Dortmund sich von Thomas Tuchel trennt. Nachdem Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer der Schwarz-Gelben, vor wenigen Wochen Unstimmigkeiten zwischen sich und seinem Cheftrainer öffentlich gemacht hatte und im Laufe der Zeit auch bekannt geworden war, dass einige Spieler nicht glücklich über den Umgang des Trainers mit ihnen waren, ist diese Lösung unausweichlich.

Dortmund bestätigt die Trennung von Thomas Tuchel

Zwei Jahre lang stand Tuchel beim BVB an der Seitenlinie. Sportlich war ihm in dieser Zeit nur wenig vorzuwerfen. Klar, über die eine oder andere Aufstellung oder den einen oder anderen Systemwechsel kann man sicherlich streiten. Aber letztendlich hat er die Ziele mit seiner Mannschaft erreicht. Der BVB hat sich in beiden Jahren direkt für die Champions League qualifiziert, kam sowohl in der Europa League als auch in der Champions League ins Viertelfinale und stand zwei Mal im Endspiel des DFB-Pokals. Jetzt verabschiedet er sich sogar mit dem Titel in Berlin.

Echte Liebe war es nie

Doch Fußball ist ein Mannschaftssport und zu dem gehört mehr als der sportliche Erfolg. Es geht auch um Zusammenarbeit, Gemeinschaft und Vertrauen. Genau dies gab es zwischen den Spielern und Verantwortlichen von Borussia Dortmund und ihrem Coach nicht mehr. So sympathisch er sich nach dem Anschlag auf die BVB-Mannschaft im April in der Öffentlichkeit gab, so schroff und abweisend soll er sich intern verhalten haben - nicht nur in den vergangenen Wochen. Echte Liebe war es nie zwischen Tuchel und dem BVB. Es glich eher dem Verhältnis einer Zweckehe.

Bei seiner Vorstellung vor gut zwei Jahren wirkte Tuchel realistisch, analytisch, zielstrebig und vor allem sympathisch. Zweifel an ihm? Die waren vorerst ausgeräumt! Mit klaren Worten und in einer kompetent wie eloquenten Art und Weise erklärte er seine Vorstellung, wie er mit dem BVB Fußballspielen wollte. Und er setzte diese in den zwei Jahren um. Der Vollgasfußball von Jürgen Klopp war vergessen, Tuchels Ballbesitzfußball etabliert. Bei den Fans kam das nicht immer gut an. Langweilig seien manche Spiele gewesen, hieß es gerne. Aber eines waren sie meistens: erfolgreich.

Eine Sache bekam Tuchel allerdings nicht unter Kontrolle: In der Defensive hatte seine Mannschaft nach wie vor einige Probleme. Auch deshalb machte Tuchel das eine oder andere Mal seinen Unmut öffentlich, als er dem Kader zum Beispiel nach Niederlagen gegen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 in dieser Saison die Qualität absprach. Auch griff er damit die Vereinsführung öffentlich an, die maßgeblich an der Zusammenstellung dieses Kaders beteiligt war - in Zusammenarbeit mit Tuchel wohlgemerkt!

Zerstörtes Vertrauen

Bei den Spielern und den Verantwortlichen kam das nicht gut an - kein Wunder! Die Spieler sprachen längst nur von einer professionellen Zusammenarbeit, ein klares Bekenntnis zum Trainer hat es bisher von keinem BVB-Profi gegeben. Unter Klopp hatte es immer geheißen, man arbeite "vertrauensvoll" zusammen. "So viele Systemwechsel mitten im Spiel, zwei taktische Wechsel schon zur Halbzeit, das kann eigentlich nicht sein", klagte ein namentlich nicht genannter Profi in der Süddeutschen Zeitung.

Intern leistete sich Tuchel unter dem Strich zu viele Alleingänge und legte sich mit zu vielen Leuten an. Das Zerwürfnis mit Chefscout Sven Mislintat ist so ein Beispiel. Derjenige, der das ganze Jahr über an möglichen Transfers bastelt, Spieler monatelang beobachtet - quasi die wichtigste Person in Sachen Neuzugänge ist, wurde von Tuchel mit Missachtung gestraft.

Es waren also zu viele Dinge, die in der Zusammenarbeit zwischen Tuchel und dem Verein falsch gelaufen sind. Dass es nicht einfach werden würde für Tuchel, nach sieben fantastischen Jahren unter Klopp, war allen Beteiligten klar. Doch man hätte sicherlich über den einen oder anderen Fehler hinwegsehen können. Die fehlende Kritikfähigkeit, seine Launenhaftigkeit, sein divenhaftes Verhalten gegenüber Angestellten und die fehlende Identifikation mit dem BVB manövrierten Tuchel am Ende ins Abseits. Die Summe dieser Fehler war so groß, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich war.

Jürgen Klopp sagte bei seinem Abschied damals:  "Es ist nicht wichtig, was die Leute von einem denken, wenn man kommt, sondern was sie denken, wenn man geht". Ihn lieben sie noch heute in Dortmund. Über Tuchel werden das wohl nur die Wenigsten sagen.