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Bundesliga

Borussia Dortmund: Es brodelt gewaltig

21:30 MEZ 09.12.17
Borussia Dortmund 09122017
Marcel Schmelzer nimmt nach der Niederlage gegen Werder Bremen die Spieler von Borussia Dortmund in die Pflicht - und schützt Trainer Peter Bosz.

HINTERGRUND

Es gibt einen guten Indikator dafür, wenn es bei Borussia Dortmund sportlich bescheiden läuft. Denn dann ist die Südtribüne, das Epizentrum der Stimmung im ehemaligen Westfalenstadion, ungewöhnlich ruhig. So geschehen am Samstagnachmittag während des peinlichen Auftritts bei der 1:2-Niederlage gegen Werder Bremen . Über 90 Minuten waren es selten mehr als 100 bis 200 Leute, die sangen und klatschten für ihren Verein. Über 24.500 Zuschauer auf der größten Stehplatztribüne der Welt ließen das Geschehen auf dem Feld über sich ergehen.

Bericht: Bosz vor Entlassung

Richtig laut wurde es erst, als sich die Spieler nach Abpfiff den eigenen Fans näherten. Weiter als an den Rand des 16-Meter-Raums kamen sie aber nicht. Blanke Wut schlug ihnen entgegen. Die Fans deuteten der Mannschaft den Weg in die Kabine - wie schon in der Vorwoche beim Auswärtsspiel in Leverkusen. Keiner der Fans wollte nach der Nicht-Leistung über weite Strecken des Spiels auch nur einen der Spieler sehen, geschweige denn beklatschen. Zu enttäuschend verliefen die vergangenen Wochen. Zu Ende die Schonfrist, die zuletzt noch gegolten hatte. Selbst nach dem 4:4 im Derby gegen den FC Schalke wurde die Mannschaft noch aufgebaut. Der schwache Auftritt gegen Bremen brachte das Fass zum Überlaufen.

BVB-Kapitän Schmelzer: "Es kotzt mich"

"Ich kann die Fans verstehen", sagte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer nach der Partie sichtlich angefressen. "Wenn wir wenigstens gekämpft und Leidenschaft gezeigt hätten. Aber so?", fügte er an. So war in dem Fall gegen Bremen: Eine ausgesprochen lustlose erste Halbzeit, die teilweise an Arbeitsverweigerung grenzte. Nicht einen Torschuss gaben die Borussen im Heimspiel ab. Stattdessen liefen die Dortmunder nur hinterher oder ließen gleich gehörigen Abstand zum Gegenspieler - wie beim 0:1 durch Maximilian Eggestein. Schon Max Kruse wurde bei seiner Flanke auf die rechte Seite nicht bedrängt, geschweige denn Eggestein bei seinem Abschluss. Er spielte Raphael Guerreiro mit einer einfachen Bewegung aus und ließ auch Shinji Kagawa wie einen Nachwuchsspieler stehen.

Schmelzer war nach dem Spiel ratlos. "Was machen wir da in der ersten Halbzeit?", fragte er in der Mixed Zone. Und dann platzte es aus ihm heraus: "Es kotzt mich an, wie wir zu Hause auftreten. Der Auftritt war eine absolute Frechheit. Wir brauchen nicht mehr zu reden. Es ist an der Zeit, sich den Arsch aufzureißen. Ich habe keine Lust mehr, jede Woche den gleichen Mist zu erzählen. Das war kacke", schimpfte der Kapitän der Dortmunder und nahm seine Mitspieler vor dem nächsten Spiel am Dienstag beim FSV Mainz 05 in die Pflicht.

Nur eins der vergangenen 13 Spiele gewann der BVB. Seit dem 30. September ist Dortmund in der Bundesliga sieglos, verlor drei der jüngsten vier Heimspiele. Dabei blieben die Borussen zuvor zweieinhalb Jahre ohne Heimniederlage. Die Situation zehrt merklich an den Nerven der Beteiligten. Auch an denen von Schmelzer, der mit einigen Fans befreundet ist und deshalb umso mehr von dem Frust der Anhänger mitbekommt. Er kam richtig in Fahrt, redete sich den Frust der vergangenen Wochen von der Seele - und kritisierte seine Mitspieler in der Öffentlichkeit.

"Einige müssen die Köpfe aus den Hintern ziehen. Wir müssen auf dem Platz da sein. Angst bringt nichts. Das haben wir doch heute bei Werder gesehen", sagte er und ergänzte: "Aber wenn wir uns so wenig bewegen, ist es nicht möglich, dass wir besser spielen. Das geht mir tierisch auf den Sack." Rumms! Eine klare Ansage an die Mitspieler. Die letzte Möglichkeit, die nun ausgeschöpft wird? Immerhin dürfte eine solch deutliche Kritik nicht bei jedem in der Kabine gut ankommen. Gemeinhin sind solche Aussagen in der Öffentlichkeit das letzte Mittel, um noch etwas zu ändern.

"Ärmste Sau": Schmelzer nimmt Bosz in Schutz

Ob das allerdings unter Trainer Peter Bosz gelingt? Der Niederländer wirkt seit Wochen einigermaßen ratlos, spricht von wichtigen Spielen und Siegen, die Selbstvertrauen geben müssen. Allerdings bleiben Siege seit Monaten aus. Und die gewünschten und erhofften Verbesserungen sind auch nur in Ansätzen zu sehen. So zum Beispiel in den ersten zehn bis 15 Minuten der zweiten Halbzeit, in die auch der Ausgleichstreffer durch Pierre-Emerick Aubameyang fällt. Doch danach kam vom BVB erneut nichts und die Mannschaft war defensiv wieder anfällig.

Am Trainer liegt es aber nicht, sagte Schmelzer. "Der ist die ärmste Sau", sagte der 29-Jährige. "Wir Spieler bekommen es nicht hin. Wir sind verantwortlich für die Lage. Der Trainer findet die richtigen Worte - aber wir müssen es endlich mal wieder hinbekommen, das nicht nur über ein paar Minuten umzusetzen. Ich haben einen Riesenhals."

Bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen das auch so sehen. Am Samstagabend waren diese für ein Statement nicht zu haben. Die SportBild berichtet, dass der Niederländer am Sonntag beurlaubt wird, der Mannschaftsrat weilte am Samstagabend längere Zeit auf der Geschäftsstelle - wahrscheinlich, um das Aus des Trainers mit den Bossen zu besprechen.

Bosz selbst geht derweil aktuell davon aus, am Dienstag in Mainz noch auf der Bank zu sitzen. Dann wird sich zeigen, ob die Spieler den letzten Weckruf ihres Kapitäns verstanden haben.