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Marcel Schmelzers Ohrfeige für Thomas Tuchel: Das macht man nicht!

09:15 MESZ 29.05.17
Thomas Tuchel Marcel Schmelzer Borussia Dortmund
Ohne große Not kritisiert Marcel Schmelzer seinen Trainer. Eine Aktion, die absolut überflüssig ist und sich einfach nicht gehört. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Als die BVB-Party am Samstagabend im Berliner Olympiastadion gerade Fahrt aufnahm, gab Kapitän Marcel Schmelzer ein Interview. Der Kapitän der Borussia stellte sich in der Mixed-Zone nach der Pokalübergabe den wartenden Journalisten. So weit nichts Ungewöhnliches.

Wegen Nuri Sahin: Schmelzer stellt sich gegen Trainer Tuchel

Was Schmelzer in dem Moment, in dem die Kabinenfeier bereits im Gange war, dann sagte, war indes dann nicht mehr ganz so normal. Offen positionierte er sich gegen seinen Trainer Thomas Tuchel. Im Moment des perfekten Abschlusses einer schwierigen Saison äußerte er sein Unverständnis für eine Personalentscheidung seines Chefs. Eigentlich ist das ein No-Go.

Schmelzer betont: "Wir stehen komplett hinter Nuri"

Anstoßpunkt des Konflikts war die Nicht-Berücksichtigung Nuri Sahins für den 18er-Kader der Dortmunder. Sicherlich eine Entscheidung Tuchels, die überraschend kam. Schließlich fehlte mit dem verletzten Julian Weigl der etatmäßige Sechser und Sahin ist auf dieser Position beheimatet.

Schmelzer kommentierte: "Mich hat es sehr geschockt. Ich verstehe es einfach nicht. Wenn ein Spieler wie Julian Weigl ausfällt, dann ist der Einzige, der das mindestens genauso gut kann, Nuri Sahin. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er nicht gespielt hat und nicht mal im Kader war." Und der Linksverteidiger ergänzte noch: "Wir alle wissen, was er für Qualitäten hat. Die Erklärung, warum er nicht gespielt hat, muss der Trainer geben. Wir stehen komplett hinter Nuri. Er ist ein toller Mensch, ein toller Fußballer."

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Die Anmerkung, die Mannschaft stehe in dieser Sache "komplett" hinter Sahin kann nur als Spitze gegen den Trainer verstanden werden. Ebenso die Aussage, der türkische Nationalspieler sei "der Einzige", der diese Position so gut ausfüllen könne. Man darf Tuchel durchaus zutrauen, dass er weiß, wen er wo am besten einsetzen kann und wer im Moment das Zeug hat, wen zu ersetzen.

Ja, Sahin gehört zu den beliebtesten Spielern innerhalb der Mannschaft. Aber reicht das aus für eine (automatische) Nominierung für den exzellent besetzten Kader der Schwarz-Gelben? Tuchel hat nach sportlichen Aspekten entschieden, alles andere ist absurd. Und wer das Duell mit Werder Bremen am letzten Spieltag der Bundesliga verfolgt hat, dem dürfte nicht verborgen geblieben sein, wie weit Sahin nach seiner Verletzungspause von der Bestform entfernt ist. Ein ums andere Mal wurde er von den Bremern überrannt. Mehrfach fingen sich die Dortmunder beim 4:3-Spekaktel grün-weiße Konter, weil es in der Zentrale an Stabilität fehlte.

Vermutlich rechnet auch Schmelzer mit Tuchels Abschied

Ein auf schnelle Gegenangriffe ausgelegtes Spiel durfte auch von Eintracht Frankfurt im Finale erwartet werden. Niemand kann also totales Unverständnis dafür zeigen, dass Tuchel beim Kampf um seinen ersten großen Titel als Trainer auf andere Spieler bauen wollte. Am wenigsten sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld!

Die Aussagen Schmelzers deuten außerdem auf zwei weitere Dinge hin: Auch er rechnet wohl mit einem Abschied Tuchels in dieser Woche. Sonst hätte er, der als cleverer und durchaus reflektierender Profi gilt, sich nicht so positioniert. Und zwischen Mannschaft und Trainer scheint es tatsächlich nicht absolut rund zu laufen.

Für Tuchel ist es eine merkwürdige Situation: Sportlich hat er alles richtig gemacht, dennoch gibt es wieder Diskussionen um andere Dinge. Das ist schade und es stand seinem Kapitän nicht zu, den Fokus so zu verschieben.