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Borussia Dortmund: Das ist Neuzugang Andrey Yarmolenko

10:00 MESZ 29.08.17
Ukraine (Group C) | Andriy Yarmolenko
Erst aussortiert, dann durchgestartet: Andrey Yarmolenko war ein Musterpofi bei Dynamo Kiew, jetzt wagt er spät den Sprung nach Mitteleuropa.

HINTERGRUND

Aller guten Dinge sind drei. Die alte Weisheit passt perfekt zu dem jüngsten Transfer von Borussia Dortmund: Flügelflitzer Andrey Yarmolenko kommt im dritten Versuch endlich nach Dortmund. Damit haben die Borussen einen Wunschspieler der vergangenen Jahre verpflichtet. Ein direkter Ersatz für den zum FC Barcelona abgewanderten Ousmane Dembele ist er aber nicht. Denn der Ukrainer bekleidet zwar eine ähnliche Position wie der Franzose, verkörpert aber einen anderen Spielertypen.

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Der BVB gab sich alle Mühe, erst gar nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, Yarmolenko sei ein Lückenbüßer. Zeitgleich mit der Präsentation Dembeles in Barcelona gaben die Dortmunder am Montag den Wechsel des 27-jährigen Außenstürmers bekannt- und stahlen Barca und Dembele zumindest in Deutschland die Show.

Bei Dynamo fiel Yarmolenko zunächst durch

Mit Yarmolenko hat der BVB einen abschlussfreudigen und torgefährlichen Rechtsaußen verpflichtet. Vorgänger Dembele war trickreich, schnell und dribbelstark, ein Wiesel auf dem Platz. Der 1,89 Meter große Yarmolenko kommt dagegen bulliger und robuster daher. Dinge, die ihm bei der Eingewöhnung in der Bundesliga durchaus helfen können. Denn durchsetzungsstark ist er allemal.

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Das beweisen allein seine enorm starken Leistungsdaten. 226 Scorerpunkte (davon 137 Tore) sammelte er in seinen neun Jahren bei Dynamo Kiew. Allein in den vergangenen drei Jahren waren es satte 73 Torbeteiligungen - in 77 Einsätzen. Der ukrainische Star wird immer besser - auch bei Borussia Dortmund?

Dass der heute 27-Jährige viel Talent besitzt, war schnell klar. In St. Petersburg geboren und in nordukrainischen Tschernihiv aufgewachsen, wurden früh Scouts von Dynamo Kiew auf ihn aufmerksam. Als 13-Jähriger wechselte er dann erstmals in die Hauptstadt seines Landes - und fiel durch. Er war physisch nicht weit genug. Aber Yarmolenko gab nicht auf und wurde 2005 erneut von Dynamo verpflichtet. "Unsere Scouts haben einen jungen Spieler 130 Kilometer von Kiew entfernt entdeckt, den sie als 'zweiten Shevchenko' bezeichnen", sagte der damalige Cheftrainer Anatolij Demjanenko über Yarmolenko. Seitdem hat der BVB-Neuzugang den Spitznamen "Der Junge von Kilometer 130" weg.

"Der hat das Zeug für die ganz große Karriere", prophezeite Dynamos Vize-Präsident Yozhef Sabo damals. Doch es kam nicht ganz so. Yarmolenko ist zwar ein guter Fußballer mit einem starken linken Fuß. Doch die ganz große Karriere blieb ihm lange verwehrt. Zumindest im Ausland. Während seiner neun Jahre in Kiew reifte er zu dem besten Fußballer seines Landes - zumindest in der aktuellen Zeit.

Wenn er über die rechte Seite kommt und nach innen zieht, erinnert es oftmals an Bayerns Arjen Robben. "Sein linker Fuß ist eine Waffe. In der Offensive bringt er alles mit, was einen richtig guten Spieler ausmacht. Er ist stark im Abschluss, schlägt gute Flanken", sagte Ex-Bundesligastürmer Andrey Voronin der Bild über Yarmolenko.

Ganz so wie Robben ist Dortmunds Neuzugang dann aber doch nicht. Yarmolenko ist in seiner Spielweise variabler. Er klebt nicht so sehr an der Außenlinie, spielt auch gerne mal etwas weiter eingerückt. Zuletzt wurde er in Kiew sogar als klassischer Zehner eingesetzt. "Vor allem seine Flanken aus dem Halbfeld auf den zweiten Pfosten sind unfassbar gut", sagt Tommi Grindemann, der Yarmolenko in den vergangenen Jahren häufig beobachtet hat, gegenüber Goal . Dabei ist er vor allem von den Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Situation begeistert.

Lieber Everton statt Selfie mit Lionel Messi

In den Champions-League-Einsätzen für Dynamo und in der Nationalmannschaft ragte Yarmolenko stets heraus. Er ist einer jener Spieler, die scheinbar wie geschaffen sind für die große Bühne. Dann, wenn die Hymnen erklingen und das Flutlicht auf den Platz strahlt. Dann, wenn die Fans in den Kurven Vollgas geben und Gleiches auch von den Spielern auf dem Feld erwarten. Solche Spieler wollen sie beim BVB sehen.

Yarmolenko passt gut in das 4-3-3-System von Trainer Peter Bosz. Er ist ein Flügelstürmer, der aber auch in der Spitze einsetzbar ist. Er ist kreativ, schnell und vor allem ein fleißiger Arbeiter. In der Offensive presst er früh und läuft seine Gegner an - und auch in der Rückwärtsbewegung macht er seine Sache durchaus gut. Auch wenn wohl gerade hier noch Nachholbedarf besteht, zu viele Freiheiten genoss er in seiner Heimat. Dort war er der Star. Vielleicht auch deshalb wechselt er erst jetzt ins Ausland.

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Dabei waren andere Vereine schon länger auf ihn scharf. Nicht nur Borussia Dortmund versuchte, ihn bereits 2015 und 2016 zu verpflichten. Auf das schnelle Geld oder den großen Karrieresprung war Yarmolenko aber nie aus. 2016 soll er sogar nicht zu einem Treffen mit einem chinesischen Verein erschienen sein. Das reizte ihn nicht. Spieler wie ihn gibt es in dieser Zeit wohl nur noch selten. "Klar kannst du zum FC Barcelona wechseln, ein cooles Selfie mit Lionel Messi machen, es bei Instagram hochladen, eine Millionen Likes kassieren und stolz auf dich sein. Aber ich bin keiner von denen. Ich spiele lieber für Everton", sagte er einmal.

Tat er dann aber doch nicht. Stattdessen verlängerte er im Herbst doch etwas überraschend seinen Vertrag für fünf Jahre. "Ihor Surkis, der Präsident des Kiewer Vereins, wollte Yarmolenko jahrelang nicht gehen lassen, obwohl seit spätestens 2014 konkrete Angebote vorlagen", sagte der in Kiev lebende Journalist Denis Trubetskoy gegenüber Goal . "Für mich ist es bis heute schwer nachvollziehbar, warum er das tat und wie das alles intern abgelaufen ist." Denn der Präsident war es, der bisher alle Wechselmöglichkeiten abblockte. Deshalb bedankte sich Yarmolenko nach seiner Vorstellung bei Borussia Dortmund auch besonders bei Surkis, dass er nun die Möglichkeit bekam, "zu einem großen europäischen Klub wechseln zu dürfen!" Deshalb wolle er nun "in jedem Training hart arbeiten, um dem BVB dabei zu helfen, seine höchsten Ziele zu erreichen – um die geht es mir immer."

Bodenständig und pflegeleicht - aber auch aufbrausend

Er klingt bodenständig. Und pflegeleicht. Der Klub ist größer als jeder Spieler. Da hat er seinem Vorgänger Dembele wohl einiges voraus. Doch einen Schönheitsfehler gibt es auch in der Laufbahn Yarmolenkos: Im Mai 2016 geriet er nämlich mit seinem Nationalmannschaftskollegen Tara Stepanenko aneinander. Der spielte damals für Kiews Konkurrenten Shachtjor Donezk.

"Damals hat Yarmolenko seinen Nationalmannschaftskollegen Stepanenko geschlagen, als dieser ein Schachtjor-Tor vor Dynamo-Fans feierte", erinnert sich Trubetskoy. Und das kurz vor der EM! "Das provozierte einen Konflikt zwischen den Nationalspielern von Dynamo und Shachtjor gleich vor der EM in Frankreich", sagte Trubetskoy. Inzwischen ist das aber vergessen - und Yarmolenko gilt wieder als Musterknabe auf und neben dem Platz. Trotz insgesamt 57 Gelben Karten und mehreren Platzverweisen.

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc schwärmt von seinem Neuzugang. "Andrey ist ein Spieler, den wir schon seit langer Zeit verfolgen und der sowohl auf Vereinsebene als auch in Diensten der ukrainischen Nationalmannschaft für Fußball auf Top-Niveau steht", sagte er. Yarmolenko hat Führungsqualitäten und kann ein Spiel auch alleine entscheiden. Der Ukrainer ist daher kein typischer BVB-Transfer der vergangenen Jahre. Mit Yarmolenko begehen die Borussen einen anderen Weg, haben einen erfahrenen Champions-League-Spieler geholt, der auf Anhieb helfen kann - sollte er sich schnell an die Bundesliga gewöhnen.

Darin dürfte das größte Problem liegen. Zwar sind die Werte des äußerst selten verletzten Yarmolenko enorm gut - sie stammen aber nur aus der ukrainischen Liga. Den Beweis, dass er dies auch in anderen Ligen bestätigen kann, muss "Sheva zwei" erst noch erbringen. Trubetskoy ist sich aber sicher: "Er ist auf jeden Fall ein hochkarätiger Spieler, der seinen Platz in Dortmund finden wird, das stelle ich nicht infrage."