Ausschluss auf Bewährung und Geldstrafe für Russland

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Nach den blutigen Krawallen in der Innenstadt von Marseille und dem Tribünen-Sturm russischer Fans im Spiel gegen England wurde der russische Verband nun bestraft.

Russland spielt bei der EURO in Frankreich nur noch auf Bewährung - der Turnierausschluss droht: Nach den Fan-Ausschreitungen am vergangenen Samstag nach dem Abpfiff des Spiels gegen England (1:1) im Stade Velodrome von Marseille hat die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) eine empfindliche Sanktion verhängt. Sobald die russischen Hooligans im Stadion wieder die Fäuste fliegen lassen, fliegt Russland raus.

Die Sanktion, die der russische Verband RFS bereits akzeptiert hat, gilt bis zum Ende des Turniers (10. Juli), teilte die UEFA am Dienstag mit. Zudem wurde eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro verhängt. Russland spielt am Mittwoch (15.00 Uhr im LIVE-TICKER) in Lille gegen die Slowakei, das letzte Gruppenspiel in Toulouse gegen Wales wird am Montag (21.00 Uhr) angepfiffen. "Wir stimmen der UEFA-Entscheidung zu. Was bleibt uns anderes übrig?", sagte der russische Sportminister und Fußball-Verbandschef der Nachrichten-Agentur Tass.

Am Samstag hatten unmittelbar nach dem Abpfiff russische Hooligans einen englischen Block gestürmt und die gegnerischen Fans angegriffen. Mehrere Menschen, darunter auch Kinder, flüchteten in den Innenraum. Die UEFA-Disziplinarkommission, in der auch der DFB-Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz sitzt, eröffnete deshalb ein Verfahren - in dem es ausschließlich um die Vorfälle im Stadion ging. In der Anklage standen auch der Gebrauch von Feuerwerkskörpern und rassistisches Verhalten ("Affenlaute").

Bereits vor dem Spiel hatte es am Hafen von Marseille sowie in der Innenstadt schwere Ausschreitungen gegeben, bei denen mindestens 35 Personen verletzt worden waren. Ein Engländer befindet sich weiterhin in kritischem Zustand. Bislang wurden neun Täter zu Haftstrafen verurteilt, ein russischer Staatsbürger wurde bislang noch nicht angeklagt.

Auch England wurde mit Ausschluss gedroht

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Wegen der blutigen Krawalle, die nicht im Stadion stattfanden, hatte das UEFA-Exekutivkomitee, in dem der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sitzt, ebenfalls mit einem EM-Ausschluss gedroht - allerdings auch den Engländern. Die Regierungen beider Länder sprachen deshalb mahnende Worte an ihre Fans, sich an die Gesetze Frankreichs zu halten.

Russland muss so an zwei Fronten zittern: Prügeln sich die offenbar bestens organisierten und offenbar kampferprobte Hooligans außerhalb des Stadions, wird das UEFA-Exekutivkomitee handeln. Bleibt es in den Städten ruhig, aber im Stadion knallt es, wird Bewährung der Strafe der Disziplinarkommission aufgehoben.

Höchst problematisch ist der Spielplan: Einen Tag, nachdem Russland in Lille gespielt hat, tritt England in Lens gegen Wales (15.00/ARD) an. Die beiden Orte trennt nur gut eine halbe Stunde mit dem Auto. Bis zu 50.000 Fans aus Großbritannien werden in Lens erwartet.

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