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Arsenal-Legende Patrick Vieira: Welt- und Europameister, Invincible, Wenger-Geniestreich

12:00 MEZ 03.02.18
Patrick Vieira Arsene Wenger Arsenal
In der Premier League steht am Wochenende das 10.000 Spiel überhaupt an. Anlässlich dessen erinnert Goal an eine absolute EPL-Legende: Patrick Vieira.

HINTERGRUND

Am Nachmittag des 15. Mai 2004 war es vollbracht: Der FC Arsenal stand am Saisonende nicht nur als englischer Meister fest, nein, die Gunners schafften es sogar, als erste Mannschaft überhaupt eine ganze Premier-League-Saison ohne Niederlage zu absolvieren.

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Es waren Arsene Wengers erfolgreichste Zeiten in seiner über 20-jährigen Ära, als der Klub aus dem Norden Londons in größter Regelmäßigkeit Trophäen einheimste. Es war gleichzeitig aber auch die bis dato letzte Meisterschaft, die unter dem französischen Chefanweiser gefeiert werden durfte. Pünktlich zu dem Wochenende, an dem in der Premier League das 10.000 Spiel überhaupt ansteht, herrscht bei den Fans der Gunners wieder vermehrt Euphorie.

Denn es liegt ein durchaus erfolgreiches Transferfenster hinter den Londonern. Die Verpflichtungen von Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang haben die Qualität des Kaders noch einmal auf eine neue Stufe gehoben, doch vor allem die Vertragsverlängerung von Weltmeister Mesut Özil ließ das Gunners-Herz höher schlagen.

Wenger hat in den letzten Tagen und Wochen gute Arbeit geleistet, keine Frage. Doch es wird sich erst noch herausstellen, was diese Neueinkäufe wert sind. Und ob sie überhaupt jemals die Wichtigkeit seines allerersten getätigten Transfers erlangen werden, darf stark bezweifelt werden. Denn als erste Amtshandlung holte der Franzose niemand geringeren als Mittelfeld-Legende Patrick Vieira!

Der defensive Mittelfeldspieler stand damals beim AC Mailand unter Vertrag, kam in der Spielzeit 1995/96 aber nur auf 350 Einsatzminuten für die Rossoneri. Wenger hatte ihn dennoch auf dem Plan, und das obwohl er selbst noch nicht einmal als Trainer des FC Arsenal feststand. Auf gewisse Weise bizarr erscheint die Tatsache, dass mit Vieira bereits verhandelt wurde, fünf Tage bevor sich die Verantwortlichen von Bruce Rioch, dem damaligen Coach, trennten.

Wenger flehte Vieira an

Vieira gab dennoch seine Zusage, weil er bereits wusste, dass Wenger letztendlich in London übernehmen würde. "Ich bin sehr stolz, am gleichen Tag, an dem Mister Wenger neuer Trainer wird, ein Teil von Arsenal zu werden", erklärte er damals. "Mich mit ihm auf Französisch unterhalten zu können, wird das Leben einfacher für mich machen."

Vor knapp zwei Jahren verriet der immer noch zuständige Coach auf der klubeigenen Homepage einige weitere interessante Hintergrunddetails. "Als ich ihn angerufen habe, war er bereits in Amsterdam, um bei Ajax zu unterschreiben", erzählte er. "Die Unterschrift stand bevor, doch ich kannte seine Berater. Ich habe mit Patrick gesprochen und ihn angefleht: 'Unterschreibe bitte nicht. Komm zu Arsenal!' Wäre ich ein paar Minuten später dran gewesen, wäre es passiert."

Was dann folgte, gleicht einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. In London entwickelte sich Vieira unter seinem Landsmann zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt. Bereits in der zweiten Saison hatte er großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft und des FA Cups. Der Beginn einer einzigartigen Trophäenjagd des damals 21-Jährigen.

Vieira wichtiger Teil der 'Invincibles'

Im Sommer 1998 holte er mit der Equipe Tricolore bei der Heim-Weltmeisterschaft den Titel, zwei Jahre später kam auch noch der Gewinn der Europameisterschaft hinzu. Mit den Gunners konnte er insgesamt zehn Titel feiern. Das große Highlight war dabei natürlich die Spielzeit 2003/04, als Vieira zusammen mit Thierry Henry, Dennis Bergkamp, Robert Pires, Sol Campbell, Jens Lehmann und Co. die englische Beletage nach Belieben dominierte und in allen 38 Ligaspielen ungeschlagen blieb.

Wie wichtig die Rolle des Franzosen damals war, lässt sich ganz einfach belegen. Seine Präsenz gepaart mit unglaublicher Zweikampfstärke, sein hervorragendes Passspiel und seine fantastische Übersicht bescherten ihm 1998/99 und die fünf darauffolgenden Spielzeiten einen Platz im Team des Jahres der Premier League. Zusätzlich wurde er 2001 zum Fußballer des Jahres in Frankreich gekürt. Auch wenn Vieira insbesondere für seine langen, raumgreifenden Schritte, mit denen er schnell das Mittelfeld überbrücken konnte und somit der perfekte Box-to-Box-Player war, in Erinnerung geblieben ist, kann ihm eine gewisse Torgefahr ebenfalls nicht abgesprochen werden.

582 Pflichtspiele absolvierte der mittlerweile 41-Jährige in seiner Karriere, war dabei als defensiver Mittelfeldspieler an über 100 Toren beteiligt, 56-mal war er sogar selbst erfolgreich. Vieira war ein kompletter Spieler, der sowohl offensiv als auch defensiv entscheidende Akzente setzen konnte – und vor allem war er ein Leader.

Den Großteil seines Karriere-Herbstes verbrachte er dann bei Inter Mailand, wo er sich neben einigen italienischen Meisterschaften in der Saison 2009/10 offiziell auch noch zum Champions-League-Sieger kürte – auch wenn er unter Jose Mourinho nicht mehr erste Wahl war und im Winter nach England zurückkehrte. Nichtsdestotrotz stehen mit dem Königsklassen-Triumph und den Siegen bei WM und EM alle drei großen Titel des Fußballs in seiner Vita.

Vieira war immer jemand, der voranging und sein Team mitreißen konnte. Jemand, auf den man sich immer verlassen konnte. Jemand, der auf dem Platz für seine Mitspieler gestorben wäre. Genau diese Attribute versucht er nun in anderer Rolle einzubringen und zu vermitteln. 2013 stieg er ins Trainergeschäft ein und übernahm die U21 von Manchester City. Mittlerweile steht Vieira bei New York City FC an der Seitenlinie und coacht dort unter anderem den ehemaligen Barca-Star David Villa.

Ob er – wie sein einstiger Mentor Arsene Wenger – auch mal eine große Mannschaft als Trainer ungeschlagen durch die Saison führen kann, kann nicht unbedingt erwartet werden. Aber vielleicht ist ja Vieira derjenige, der für die Gunners nach 2004 erstmals wieder den Titel in der Premier League nach London holt. So wie er es eben schon damals als Spieler gemacht hat.