Albert Capellas: Der stille Star an der Linie bei Borussia Dortmund

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Albert Capellas ist das neue Superhirn bei Borussia Dortmund. Die Spielideen des neuen Co-Trainers sind von der Legende Johan Cruyff inspiriert.

Jordi Cruyff ist sich sicher: "Du wirst einen tollen Job unter Peter Bosz machen. Ich bin für immer dankbar für deine Unterstützung", schrieb der Sohn der verstorbenen niederländischen Fußball-Legende Johan Cruyff vor wenigen Tagen bei Twitter. Seine Worte richteten sich an Albert Capellas, den neuen Co-Trainer von Borussia Dortmund. Er ist der Star im Schatten. Das war er schon immer - vor allem beim FC Barcelona. Nun soll er beim BVB die jungen Talente genauso entwickeln wie in Katalonien.

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Der 49-Jährige bezeichnete sich selbst einmal als "Johan Cruyffs Erbe". Er habe versuchte, "all das Wissen" von ihm "zu stehlen". Diese Worte spiegeln das Selbstverständnis des Fußball-Lehrers wider - und zeigen, welchen Fußball er am liebsten spielen lässt. "Im Fußball existieren Angriff und Defensive nicht. Es ist alles in einem Punkt verbunden", sagte Capellas, dessen Traum es immer war, als Trainer im professionellen Fußball zu arbeiten. Während andere in seinem Alter davon träumen, als Profifußballer durchzustarten, denkt der Spanier nach eigener Aussage nur daran, mit "jungen Spielern zu arbeiten".

Cruyff ist das große Vorbild von Capellas

Wenn er über Fußball spricht, erkennt man in ihm ein Genie, das die Ideen seines großen Vorbilds aus den Niederlanden verinnerlicht hat. "Cruyffs einzigartige Fußballprinzipien haben uns ein großes Wissen über das Spiel hinterlassen", schrieb er einmal auf Twitter. Und dieses Wissen versucht er immer weiterzuentwickeln und weiterzugeben. Genauso wie Bosz. Zusammen könnten sie die BVB-Mannschaft auf eine neue Ebene heben.

Albert Capellas Peter Bosz Borussia Dortmund
Auf einer Linie: Peter Bosz (links) und Albert Capellas (Mitte)

Beim FC Barcelona leitete er von 2004 bis 2010 die berühmte Nachwuchsakademie La Masia. Dort entdeckte und entwickelte er hauptverantwortlich heutige Weltstars wie Andres Iniesta und Lionel Messi. Dort etablierte er ein Spielsystem, das sich bis heute durchzieht. Geordneter Angriff, spielerische Lösungen, kompakte Defensive. Das, was BVB-Sportdirektor Michael Zorc von Bosz und seinem Team bei dessen Vorstellung erwartete. Es gehe um einen "frischen Offensivfußball, attraktiv, attackierend und mit einer ausgeprägten Struktur im eigenen Ballbesitz und sehr starkem Gegenpressing".

Genau diese Idee verfolgt auch Capellas, der nach seiner Arbeit beim FC Barcelona 2010 als Co-Trainer zu Vitesse Arnheim wechselte, wo er 2013 das erste Mal auf Bosz traf. Beide merkten schnell, wie sehr sie für die Spielidee von Cruyff schwärmen - und sie entwickelten sie weiter. "Die Position im Spiel ist ein globales, komplexes, subjektives, nicht-lineares Konzept, das uns die Komplexität des Spiels als eine unteilbare Einheit aufzeigt", erklärt er. Kurzum: Die Spieler sollen sich frei von Positionen machen und sich auf die ihnen zugeteilten Aufgaben konzentrieren.

Capellas arbeitet am liebsten mit jungen Spielern

Das versuchte Capellas sowohl in Arnheim als auch später als Assistent beim dänischen Erstligisten Bröndy IF und im vergangenen Jahr als Co-Trainer von Jordi Cruyff bei Maccabi Tel Aviv umzusetzen. In all den Jahren fungierte Capellas vor allem als Entwickler junger Talente. Mit ihnen scheint er am besten umgehen zu können. Vermutlich auch, weil er sie am ehesten formen kann. Beim BVB hat er viele der vielleicht größten Talente Europas, die wissbegierig sind und die er noch weiterentwickeln kann. Vermutlich wird er in Dortmund auch als eine Art Schnittstelle zwischen Jugend- und Profibereicht fungieren.

Eine Idee von Capellas dürfte den Spielern wohl besonders gefallen. "Die Spieler sollen nicht zu viel Energie ins Laufen verpulvern. Passen und die Aufgaben erfüllen - so kann der Übergang zwischen Offensiv- und Defensivspiel schnell vonstattengehen", sagte er einmal. Und deshalb bevorzugt er vor allem das Training mit dem Ball, was sich in den ersten Tagen in Dortmund auf dem Trainingsplatz bereits widerspiegelte. Der Spanier und Bosz setzen auf Spielformen. Selbst Konditionseinheiten werden mit Bällen durchgeführt. "Die Spieler sollen es genießen, Fußball zu spielen. Sie sollen in jedem Training glücklich sein. Jedes Training ist mit dem Ball", sagte er.

Giroud ein Thema beim BVB?

Viele Anforderungen und Erwartungen, die Zorc bei der Vorstellung von Bosz skizziert hat, scheint das neue Trainerduo perfekt zu bedienen. Nicht nur zufällig gibt es Parallelen zwischen der Mannschaft von Ajax, dem Konzept von La Masia beim FC Barcelona und der aktuellen Mannschaft von Borussia Dortmund. Und das soll auch in Zukunft so sein. "Wir wollen Ballbesitz so oft und solange es geht. Die Spieler müssen intelligent sein. Dafür müssen wir in einer speziellen Art trainieren: technisch, taktisch, physisch, aber auch psychologisch und emotional", sagte Capellas.

Es ist ein interessantes Duo, das die BVB-Mannschaft nun sportlich führt. Sollten die Spieler die Ideen verstehen, könnten die Dortmunder einen großen Sprung nach vorne machen - und auch die ganz großen Klubs in Europa herausfordern.

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