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Alarmierende Signale: Deutsche Profis bei Auszeichnungen nur noch außen vor

13:09 MESZ 09.10.18
DFB Kroos Neuer Müller 2018
Die Kandidaten für den Ballon D'Or 2018 stehen. Geht es um internationale Auszeichnungen, spielen deutsche Fußballer aktuell keine Rolle.


HINTERGRUND

Diese Fakten sind alarmierend: Weder bei der Vorauswahl zum Weltfußballer des Jahres noch bei der für die prestigeträchtige Kandidatenliste für den Ballon d'Or waren bzw. sind in diesem Jahr deutsche Profis zu finden. 

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2017 waren noch die Nationalspieler Toni Kroos (Real Madrid) und Manuel Neuer (Bayern München) in der 24-köpfigen Vorauswahl für den "The Best FIFA Men's Player" des Jahres vertreten. Kroos und Bayern-Verteidiger Mats Hummels schafften es im Vorjahr immerhin auf die Shortlist mit 30 Namen für den Ballon d'Or, der Anfang Dezember durch die französische Fachzeitschrift France Football vergeben wird.

Europas Fußballer des Jahres: Kein deutscher Star in den Top Ten

Dass auf einer kürzlich von der italienische Sportzeitung Tuttosport veröffentlichen Shortlist der besten 40 jungen Spieler des europäischen Fußballs ebenfalls kein deutscher Spieler zu finden ist, passt ins Bild. Und auch bei einer UEFA-Prognose, welche 25 Nachwuchsspieler in dieser Saison in Europa für Furore sorgen könnten, sucht man vergeblich nach einem deutschen Talent. Dass nach dem WM-Desaster von Titelverteidiger Deutschland im vergangenen Sommer in Russland kein DFB-Star im All-Star-Team stand, ist selbstredend. Auch bei der Vorauswahl zu Europas Fußballer des Jahres fehlte ein deutscher Star in den Top Ten.

Doch der Trend geht stetig bergab - letztmals zählten 2015 Thomas Müller und Neuer als deutsche Profis zu den Top Ten der FIFA-Vorschlagsliste für "The Best". 2014, im Jahr des vierten deutschen WM-Triumphes, waren es in Neuer, Müller, Kroos, dem damaligen WM-Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und WM-Held Mario Götze ursprünglich sechs deutsche Akteure, die sich Hoffnung machen konnten, der erste deutsche Weltfußballer seit Lothar Matthäus (1991) zu werden.

Forderung von Union: Ausbildungsentschädigung für Talente soll erhöht werden

Die Gründe sind sicherlich vielschichtig, sollten aber sowohl den Deutsche Fußball-Bund (DFB) als auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) aufhorchen lassen. Jüngst hatte Zweitligist Union Berlin sich in seinem aufsehenerregenden Positionspapier beklagt und zugleich einen konstruktiven Vorschlag geäußert. Top-Talente wechseln zu früh den Verein, werden zu früh dem Druck des Profifußball ausgesetzt - das ist die Meinung des Zweitligisten, der die Talentförderung und Entwicklung "kindgerecht" machen möchte. Das soll passieren, indem die Ausbildungsentschädigung, die der auszubildende Verein bekommen soll, drastisch erhöht wird.

Sportvorstand Michael Reschke von Bundesligist VfB Stuttgart hatte bereits nach dem WM-Desaster den Finger in die Wunde gelegt und vor allem Änderungen bei der Ausbildung von jungen Spielern gefordert. "Wir müssen in Deutschland unsere Nachwuchsarbeit wieder fördern. Jeder Verein ist da gefordert. Denn klar ist, dass die individuelle Qualität in der Spitze unserer U-Nationalmannschaften nicht top ist. Die ist bei anderen Nationen größer", sagte der frühere Technische Direktor von Bayern München bei Sport1.

DFB: Streit um die Leistungsentwicklung immer noch ein Thema

Der frühere DFB-Sportdirektor Hans-Dieter Flick, langjähriger Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, hatte schon im Sommer 2015 angemahnt: "Unsere Spieler in den Leistungszentren können alle einen perfekten Aufsatz über die Spielsysteme schreiben, aber wir müssen sehen, dass sie in den Basics top sind. Wir müssen sie ermuntern, sich spielerisch auszutoben. Ich möchte Spieler haben, deren Stärke das Eins-gegen-eins ist und die sich auch trauen, diese Qualität einzusetzen."

Genutzt hat seine Warnung offenbar nichts, wie die Reaktion des neuen Sportlichen DFB-Leiters Joti Chatzialexiou nach der herben Kritik im Anschluss an das WM-Debakel verdeutlichte: "Ich finde es befremdlich, wie die Talentförderung und die Trainerausbildung zurzeit teilweise infrage gestellt werden. Viele Aussagen werden pauschal getroffen, ohne sich mit den Inhalten zu beschäftigen." Die Fakten sprechen allerdings eine andere Sprache.

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