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UEFA U17 Meisterschaft

Abouchabaka, Karaahmet, Sancho und Co.: Rising Stars der U17-EM

10:00 MESZ 12.05.17
ONLY GERMANY Amine Gouiri U17-EM
Sie stehen auf der Schwelle zum Profi-Fußball, sind eigentlich schon kleine Stars. Goal stellt die größten Juwele der U17-EM in Kroatien vor.

In Kroatien tummeln sich dieser Tage die Scouts der größten Klubs der Welt. Talenteschau ist angesagt. Jungs werden unter die Lupe genommen, die auf der Schwelle zum Profi-Fußball stehen, die Potenzial in Hülle und Fülle haben. Und eigentlich schon kleine Stars sind.

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Die Vorrunde der U17-Europameisterschaft 2017 ist bereits Geschichte, das Viertelfinale läuft. Der deutsche Nachwuchs etwa trifft auf die Niederlande. Die Türkei setzte sich in der ersten Paarung mit 1:0 gegen Ungarn durch, Frankreich fordert die starken Spanier. Und Englands womöglich Goldene Generation ist gegen Irland klarer Favorit.

Goal wirft einen Blick auf die Youngsters, die sich bisher besonders hervorgetan haben. Die am meisten Spaß machten, die größte Perspektive haben, die Superstars der Zukunft sein könnten.


JADON SANCHO (England / Manchester City)


Überragend im Eins-gegen-Eins, enge Ballführung, hohe Geschwindigkeit mit der Kugel am Fuß: Der Flügelspieler von Manchester City mit Wurzeln auf Trinidad und Tobago hat alle Anlagen, erinnert an Raheem Sterling, hat allerdings wohl noch bessere technische Voraussetzungen.

Die norwegischen Verteidiger bekamen das im Auftaktspiel gegen England zu spüren, als Sancho ihnen - insbesondere bei seiner Vorarbeit zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich - Knoten in die Beine spielte. Ein ähnliches Schicksal erlitt vor wenigen Wochen gleich die halbe U18-Mannschaft des FC Arsenal, als Sancho sie alle mit einem Wunder-Solo abhängte und eiskalt einnetzte.

Seit Beginn des Jahres darf der 17-Jährige auch regelmäßig in der U23 der Citizens ran, überzeugt auch dort, traf in sieben Einsätzen dreimal. Pep Guardiola ließ Sancho bereits bei den Profis mittrainieren, der Katalane soll heftig darum bemüht zu sein, dass der Klub alles dafür tut, das angeblich von Chelsea und Arsenal umworbene Juwel zu halten.

In Englands erfolgreicher Gruppenphase mit Siegen über Norwegen, die Ukraine und die Niederlande erzielte Sancho, der 2015 vom FC Watford zu ManCity kam, drei Tore, legte drei weitere auf.


ELIAS ABOUCHABAKA (Deutschland / RB Leipzig)


Von den Anlagen her ein Spielmacher alter Schule, der seine Qualitäten aber perfekt in den modernen Fußball transportiert. Technisch bereits extrem ausgereift, ist er bei Deutschlands U17-Coach Christian Wück auf der Zehn gesetzt. Weil er nicht nur feine Pässe spielen kann, sondern auch selbst Torgefahr ausstrahlt.

So traf er beim 7:0-Kantersieg über Irland zum Abschluss der Gruppenphase, verwandelte beim 3:1 über Serbien traumwandlerisch sicher vom Elfmeterpunkt. 17 Tore für RB Leipzigs U17 in der abgelaufenen Saison der B-Jugend-Bundesliga dienen als weiterer Beleg für seine Abschlussstärke. Auch mental scheint er schon sehr weit zu sein, ist ein eher ruhiger Charakter. Auf dem Platz legt er das Gelassene jedoch ab, beeindruckt mit außergewöhnlicher Handlungsschnelligkeit.

"Er kann höchstes Top-Niveau abrufen und besitzt außergewöhnliche technische Fähigkeiten am Ball", sagt Wück über eines seiner größten Talente. Leipzig ließ sich Abouchabakas Dienste vor rund eineinhalb Jahren sogar 250.000 Euro kosten, warb den damals erst 15-jährigen gebürtigen Berliner von Hertha BSC ab.


ABEL RUIZ (Spanien / FC Barcelona)


Der 17-jährige Mittelstürmer vereint erstaunlich ausgeprägte Physis mit großartiger Ballkontrolle und einem eiskalten Abschluss. Ruiz ist vielleicht der beste Neuner Europas im 2000er-Jahrgang, debütierte im April bereits für die B-Mannschaft des FC Barcelona in der dritten spanischen Liga.

2012 warben die Katalanen Ruiz vom FC Valencia ab, seitdem wird er in La Masia ausgebildet. Eigentlich noch U17-Akteur, hatte der Rechtsfuß in der abgelaufenen Youth-League-Saison sieben Einsätze für Barcas U19, erzielte zwei Treffer. Schon bei der U17-EM im vergangenen Jahr war Ruiz Stammspieler, steuerte vier Tore zu Spaniens Vize-Titel bei.

Dieses Jahr ist er nun Kapitän, übernimmt Verantwortung, ist in der Mannschaft angesehen. Auch, weil er nicht nur im Strafraum auf Chancen lauert, sondern ein mitspielender Angreifer ist, spielerisch viel zu bieten hat. So leitete er im Auftaktmatch gegen die Türkei mit seinem wunderbaren Schnittstellen-Assist die Wende zum 3:2-Sieg ein, traf später auch selbst. Beim 3:1 gegen Italien schnürte er dann einen Doppelpack, im abschließenden Gruppenspiel wurde er geschont und war nur Joker.


YACINE ADLI (Frankreich / Paris Saint-Germain)


"Ich liebe es, Titel zu gewinnen", sagte der 16-Jährige vergangenes Jahr, nachdem er mit Paris Saint-Germain die französische B-Jugendmeisterschaft geholt hatte. Der offensive Mittelfeldspieler, der aufgrund seiner herausragenden Ballbehandlung Spezialist für das Auflösen von Drucksituationen auf engstem Raum ist, zählt zu den größten Hoffnungen im Nachwuchs von PSG.

Laut L'Equipe will Paris Adli alsbald mit einem Profivertrag ausstatten, letzte Saison durfte er bereits viermal für die U19 in der Youth League auflaufen. In Frankreichs U17-Nationalmannschaft ist er derjenige, über den das Angriffsspiel läuft. Adli ist Fixpunkt, hat eine phänomenale Übersicht.

Fünf Assists lieferte er in den drei Vorrundenpartien, darunter die Flanke zum alles entscheidenden 2:1 gegen Schottland. Überdies traf er einmal selbst.


MALIK KARAAHMET (Türkei / Eintracht Frankfurt)


In Wiesbaden geboren, läuft der kompakte Mittelstürmer seit der U15 für die Türkei auf. Schaut man sich sein Instagram-Profil an, liegt die Vermutung nahe, dass er durchaus noch Flausen im Kopf hat, kein gewöhnlicher Jugendlicher ist.

Vor allem wegen seines Talents. In der C-Jugend traf er 34-Mal für den SV Wehen Wiesbaden in der Hessenliga, wechselte danach zu Eintracht Frankfurt. Dort entwickelte sich Karaahmet rasant, erzielte in der vergangenen Saison 16 Tore in 20 Spielen in der B-Jugend-Bundesliga.

Der 17-Jährige ist durchsetzungsstark, kann den Ball gut festmachen, ist schnörkellos im Abschluss. Eindrucksvoll stellte er das in der Gruppenphase unter Beweis, erzielte in der komplizierten Staffel gegen Spanien, Kroatien und Italien jeweils einen Treffer.

Großes Interesse weckte der Rohdiamant schon vor der EM. Leipzig, Hoffenheim und Wolfsburg wollten ihn in ihre Nachwuchsleistungszentren locken, laut seines Vaters, der den Sohnemann mit Didier Drogba vergleicht, lockten auch drei türkische Vereine mit Profi-Verträgen. Doch Karaahmet entschied sich für den Karlsruher SC, unterschrieb dort einen Lizenzspieler-Kontrakt bis 2021, der ab kommender Saison gilt. Allerdings noch bevor klar war, dass der KSC in die 3. Liga absteigt.


PHIL FODEN (England / Manchester City)


Körperlich muss er noch zulegen, aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten hält man bei Manchester City aber enorm große Stücke auf den zentralen Mittelfeldmann. Bevorzugt als Mischung aus Achter und Zehner spielt Foden, der am Ball alles kann, zudem einen Distanzschuss hat, der in seiner Präzision an Toni Kroos erinnert.

Der 16-Jährige kommt normalerweise in der U18 der Citizens zum Einsatz, im Dezember wurde er von Pep Guardiola jedoch überraschend in den Kader für das Champions-League-Spiel gegen Celtic Glasgow berufen. Ein Indiz für Fodens enormes Potenzial, mittrainieren durfte er bei den Profis schon häufiger.

Foden mag es, in Ballbesitz dominant aufzutreten, fordert die Kugel ständig. Und kann auch im Angriffsdrittel etwas mit ihr anfangen, ist torgefährlich. In bisher elf U17-Länderspielen für England gelangen ihm neun Treffer, beim EM-Auftaktsieg gegen Norwegen netzte er zum entscheidenden 3:1 ein.


JANN-FIETE ARP (Deutschland / Hamburger SV)


Kalt wie Hundeschnauze, geschickter erster Kontakt, clevere Laufwege: Arp bringt alles mit, was ein moderner Neuner braucht. Zwei Dreierpacks gelangen dem 17-jährigen Juwel, das seit seinem elften Lebensjahr beim HSV spielt, in der EM-Vorrunde. Erst zerlegte er Bosnien, dann Irland.

Im Hamburger Umfeld fordert man offenbar bereits, Arp bei den Profis einzusetzen. Trainer Markus Gisdol hält jedenfalls viel von dem 1,86 Meter großen Rechtsfuß, der in der vergangenen Saison 26 Tore in 21 Einsätzen in der B-Jugend-Bundesliga erzielte, auch in der U19-Beletage viermal mitwirken durfte (zwei Tore).

"Dass ihn Gleichaltrige nicht aufhalten können, das wundert mich nicht", sagte Gisdol nach Arps Gala-Auftritten in der Gruppenphase. Man wolle ihn unbedingt halten, sein Vertrag läuft noch bis 2018. Doch die Interessenten stehen offenbar Schlange, Berichten zufolge sollen Borussia Dortmund, RB Leipzig, der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim und sogar der FC Chelsea dran sein.

Weitere Tor-Festivals in der K.o.-Phase dürften die Spekulationen um Arps Zukunft jedenfalls nicht abebben lassen.


SERGIO GOMEZ (Spanien / FC Barcelona)


Der 16-Jährige wirkt seinen Gegenspielern häufig einen Schritt voraus, besitzt überragende kognitive Fähigkeiten. Zudem kann er den Ball streicheln wie kaum ein anderer Spieler in seinem Alter, was Gomez bei seinem Führungstreffer beim 3:1 über Italien ganz besonders unter Beweis stellte.

Weil er technisch stark und enorm schnell ist, kommt der offensive Mittelfeldspieler gerne über die Flügel, kann aber auch im Zentrum spielen. Während er Gruppenphase kam er auf beiden Positionen zum Einsatz, überzeugte dabei vollends.

Gomez kam einst als Neunjähriger von Stadtrivale Espanyol zum FC Barcelona, ist eines der hoffnungsvollsten Talente in La Masia. Vergangenes Jahr soll der FC Liverpool großes Interesse gehabt haben, nachdem Gomez bei einem internationalen Jugend-Turnier herausgestochen war.


RHIAN BREWSTER (England / FC Liverpool)


Ende April berief Jürgen Klopp den 17-jährigen Angreifer für das Premier-League-Spiel gegen Crystal Palace erstmals in den Kader des FC Liverpool. Eine große Ehre, für die Brewster aber zumindest klamotten-technisch nicht bereit war: Der entsprechende Ausgehanzug, den die Reds-Profis vor den Spielen tragen, fehlte, wie Klopp jüngst verriet.

Für den Coach aber selbstredend kein Problem. "Er ist physisch stärker geworden und hat wundervolle technische Fähigkeiten", schwärmt Klopp von einem seiner größten Talente. "Er ist 17 und spielt wie ein 21-Jähriger." Tatsächlich ist Brewster, der 2015 von Chelsea zu Liverpool kam, in seiner Entwicklung sehr weit - auch mental.

In der Vorrunde traf er dreimal für die jungen Three Lions, bewies, dass er eiskalt vollstrecken kann. Weitere Qualitäten: blitzschneller Antritt, gute Bewegungen im Strafraum und der Instinkt, goldrichtig zu stehen.


AMINE GOUIRI (Frankreich / Olympique Lyon)


Als intelligenten Stürmer beschreibt ihn Gerard Bonneau, Chefscout von Gouiris Klub Olympique Lyon. "Er ist technisch stark, hat ein gutes Kopfballspiel, nimmt am Kombinationsspiel teil", erklärt Bonneau weiter. Er kennt den 17-Jährigen, der vergangenes Jahr bereits fünfmal für Lyons U19 in der Youth League spielte, genau. Seine Defensivarbeit müsse er noch verbessern, mahnt er.

Bei OL hat man Gouiri dennoch auf dem Zettel, wenn es darum geht, die Zukunft zu planen, hat ihn mit einem Vor-Profivertrag bis 2020 ausgestattet. Wenngleich dem Mega-Talent nahestehende Personen behaupten, dass er bei einem anderen Klub bereits in der Ligue 1 spielen würde.

Bei der U17-EM hat der ballgewandte Mittelstürmer jedenfalls schon einiges dafür getan, sich in den Fokus zu hieven. Sieben Tore in drei Vorrunden-Spielen, Doppelpack beim entscheidenden 2:1 gegen Schottland. Will Frankreich im Viertelfinale gegen Spanien eine echte Chance haben, braucht es einen Gouiri in Top-Form.