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Kommentar zum Höwedes-Transfer: Ein Albtraum für Fußballromantiker

08:00 MESZ 31.08.17
ONLY GERMANY Benedikt Höwedes 27082017
Was ist schon Vereinstreue? Der Transfer von Benedikt Höwedes zu Juventus Turin zeigt, dass im Fußball auf nichts mehr Verlass ist. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Nun ist es offiziell: Benedikt Höwedes sagt "Glück auf" und verlässt seinen Herzensklub in Richtung Italien, wo er künftig für Juventus Turin auflaufen wird. Der Albtraum vieler Fußballromantiker und vor allem Schalke -Fans ist damit Realität, denn beim Höwedes-Transfer geht es um mehr als nur einen normalen Spielerwechsel - viel mehr zeigt dieser Transfer, dass Dinge wie Identifikation und Vereinstreue im Profifußball nur noch in Märchenbüchern existieren.

"Wir leben dich" oder "echte Liebe" lauten die Claims der neumodischen Marketing-Kampagnen der Bundesligaklubs, die vermitteln wollen, dass es im Fußball um mehr geht als nur den 90-minütigen sportlichen Wettkampf auf dem Rasen. Viel mehr geht es auch um Gemeinschaft, Leidenschaft, Zusammenhalt, Identifikation und Liebe, die im Interesse des Vereins von den Spielern vorgelebt und von den Fans umgesetzt werden soll.

Einer, der mehr als ein Jahrzehnt vorgemacht hat, dass man sich auch als Weltmeister noch wie ein pubertierender Fan leidenschaftlich mit "seinem" Verein identifizieren kann, ist Benedikt Höwedes. Als absolute Ausnahme des Fußballgeschäfts lehnte er mehrfach hochdotierte Offerten von namhaften Klubs aus dem Ausland ab, um seinen Traum von einer kompletten Karriere in Königsblau zu verwirklichen.

Sind Titel wichtiger als Emotionen und Freundschaften?

So zumindest dachte man es bis vor wenigen Wochen. Denn nachdem der neue S04-Coach Domenico Tedesco sich dazu entschied, Höwedes als Kapitän zu entmachten, reagierte der Innenverteidiger trotzig und die zahllosen Treueschwüre und Liebesbekundungen der letzten Jahre spielten plötzlich nur noch eine untergeordnete Rolle – jetzt, wo kurzfristig mit einem Platz auf der Ersatzbank zu rechnen ist und gleichzeitig ein namhafter Klub wie Juventus anklopft.

Dass mit Identifikationsfigur Höwedes nun die vielleicht letzte treue Seele des Vereins geht, wird beim chronisch überemotionalen FC Schalke mit Sicherheit Spuren hinterlassen. Denn woran kann man im Ruhrpott noch glauben, wenn sogar der Fan-Liebling und Vorzeige-Schalker den Klub verlässt? "Lebt" eigentlich noch irgendjemand in dieser Fußballwelt seinen Klub oder geht es wirklich für jeden einzig darum, persönlich gut dazustehen und Titel zu gewinnen – denn was sind schon ein paar Trophäen im Vergleich zu echten Emotionen und Freundschaften?

Im heutigen Fußballgeschäft zählen die klassischen Werte scheinbar kaum noch. Der Transfer von Benedikt Höwedes ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass es so etwas wie Vereinstreue im modernen Fußball einfach nicht mehr gibt. Die Zeiten, in denen Spieler auch in schlechten Zeiten zu ihrem Klub stehen, sind endgültig vorbei. Für Romantik ist kein Platz mehr.