Gremio-Star Arthur: Der, der spielt wie Andres Iniesta

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Getty / Goal
Er hat noch keine 50 Profispiele bestritten, steht aber schon vor einem Wechsel nach Barcelona. Gremio-Star Arthur verfügt über besondere Qualitäten.

Er lächelte breit in die gezückten Handys und Kameras. Das Trikot des FC Barcelona übergestreift und Robert Fernandez, den Sportchef der Katalanen im Arm, posierte Arthur Melo, den alle nur Arthur nennen, für ein Bild. Was anmutete wie der obligatorische Fototermin nach einer Vertragsunterschrift, war vor wenigen Tagen aber etwas ganz anderes: Ein Schnappschuss nach einer Verhandlungsrunde. So weit, so ungewöhnlich.

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Einen Tag später ruderte der Mittelfeldstar von Gremio Porto Alegre zurück und betonte, es sei noch keine Entscheidung über einen Transfer nach Spanien gefallen, es habe lediglich ein erstes Kennenlernen zwischen seiner Familie und Barcelonas Verantwortlichen gegeben. Aha!

Durchbruch in der Copa Libertadores

Aber wer ist dieser Mann, der sich binnen kürzester Zeit in den Dunstkreis der brasilianischen Nationalmannschaft gespielt und der mit seiner Foto-Aktion nun erstmals außerhalb des Rasens für Schlagzeilen gesorgt hat?

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Geboren und aufgewachsen in der 1,3-Millionen-Einwohner-Metropole Goiania in Zentralbrasilien, zog Arthur im Alter von 14 Jahren nach Porto Alegre. Dort bekam er einen Platz in der berühmten Talentschmiede der Tricolor, die einst bereits Stars wie Ronaldinho, Emerson, Douglas Costa oder Ze Roberto hervorbrachte.

Seinen Durchbruch feierte er 2017. Vor allem sein Debüt in der Copa Libertadores gegen Guarani war atemberaubend. Arthur gestaltete das Spiel seiner Mannschaft, als habe er nie etwas anderes getan. Seine enge Ballführung und seine präzisen Pässe stachen heraus, prompt lieferte er auch den Assist zum 1:1 durch Pedro Rocha. Mit dieser Leistung hatte er sich auf Anhieb in Gremios Stammformation festgespielt.

Im bevorzugten 4-2-3-1 von Trainer Renato Gaucho bekleidet Arthur in der Regel eine der beiden Sechserpositionen. Er verrichtet seinen Dienst dort unaufgeregt und ohne große Schnörkel. Tore am Fließband wird er ebenso wenig produzieren wie überflüssige Tricks. Arthurs große Stärke liegt vielmehr darin, den richtigen Pass zur richtigen Zeit zu erkennen und diesen dann auch perfekt zu spielen.

Renato Gaucho ist Arthurs großer Förderer

Arthur lässt seine Mitspieler gut aussehen. Er liefert selten den Assist, dafür ist es oft der vorletzte Pass, den er anbringt. Eine Fähigkeit, die seit Jahren auch Barca-Star Andres Iniesta in Vollkommenheit beherrscht. Beide ähneln einander in Größe und Statur außerdem frappierend, sodass Vergleiche zwischen dem aufstrebenden Rechtsfuß und Barcelonas Kapitän auf der Hand liegen.

Arthur ist außerdem sehr gut darin, seine Gegenspieler abzuschütteln. Das gelingt ihm meist durch einen beherzten Antritt und Läufe in den freien Raum. Das bringt ihn in die Position, Torjäger Lucas Barrios und Luan, ebenfalls derzeit in aller Munde, einzusetzen.

GFX Stats Arthur German

Einen großen Anteil an seiner Entwicklung schreibt der 21-Jährige seinem Trainer zu. Renato Gaucho ist bei Gremio ein Idol, als Spieler gewann er 1983 die Copa Libertadores. Der Coach hat das Talent seines lernwilligen Schützlings längst erkannt und drängt ihn zunehmend dazu, noch mehr Einfluss auf das Angriffsspiel zu nehmen und selbst vorne die gefährlichen Räume zu besetzen.

Arthur erläuterte: "Ich bin ein Spieler, der es mag, den Ball am Fuß zu haben und das Spiel zu organisieren. Im defensiven Mittelfeld habe ich den Ball häufiger, aber Renato hat es lieber, wenn ich näher am gegnerischen Tor bin, selbst in den Strafraum gehe und Steilpässe spiele. Ich soll die Flügelspieler und die Stürmer unterstützen und ich glaube, das ist der wesentliche Unterschied. Ich soll die Jungs da vorne füttern."

Arthur über Barca-Interesse. "Wir haben nur geredet"

Das tut er trotz einer zwischenzeitlichen Formdelle nach dem kometenhaften Aufstieg mit Bravour. Nationaltrainer Tite berief ihn jüngst erstmals in den Selecao-Kader, Gremio gewann vor wenigen Tagen die Libertadores, Südamerikas Champions League, und die großen Vereine stehen beim 21-Jährigen Schlange: Manchester City, Chelsea, Manchester United – sie alle sollen Interesse angemeldet haben. Doch die heißeste Spur führt passenderweise nach Barcelona. Dorthin, wo sie in absehbarer Zeit einen Nachfolger für den mittlerweile 33 Jahre alten Andres Iniesta suchen.

Nach besagtem Treffen mit Barca-Boss Fernandez beschwichtigte Arthur: "Ich habe tatsächlich mit Barcelona gesprochen. Es gab ein Meeting. Aber ich möchte klarstellen, dass es keine Einigung oder Übereinkunft gab. Das ist ein Verein, den ich sehr mag. Es war zunächst der erste Kontakt, sie wollen mich und meine Familie treffen und kennenlernen. Nichts ist entschieden, wir haben nur geredet."

Und sicher auch mit Blick auf die wenig begeisterten Gremio-Anhänger schob er nach: "Ich bin ein Gremio-Spieler. Mein Berater hat keinen Vertrag ausgehandelt. Etwas derartiges ist nicht passiert. Jeder mögliche Deal muss auch gut für meinen Verein sein, der mein Zuhause ist und wo alles begann. Ich kam mit 14 Jahren hierher und ich bin von ganzem Herzen Gremio-Fan. Mein Blut ist blau."

Trotz des blauen Blutes ist es unwahrscheinlich, dass der Weg für Arthur in Porto Alegre weitergeht. Der Gewinn der Copa Libertadores ist ein perfekter Zeitpunkt für den Abschied in ein neues Abenteuer und sein großes Potenzial wird ihn zwangsläufig nach Europa führen. Hier sitzen schließlich auch die Vereine, die sich seine Dienste leisten können.

Vertrag bei Gremio läuft noch bis 2019

Arthur steht bei Gremio noch bis 2019 unter Vertrag, die festgeschriebene Ablöse soll bei 50 Millionen Euro liegen. Eine erste Offerte in Höhe von 35 Millionen Euro aus Barcelona habe der brasilianische Traditionsverein schonmal abgelehnt, heißt es in brasilianischen Medien. Vizepräsident Odorico Roman sagte, man wolle Arthur "noch eine Weile behalten. Wir denken, er könnte noch ein oder zwei Jahre bleiben und einen gewichtigen Beitrag zum Erreichen unserer Ziele leisten."

Der Poker um eines der größten Talente Brasiliens hat also begonnen. Und womöglich steht am Ende erneut ein Fototermin im Dress der Blaugrana. Dann aber ein offizieller.

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