Cristiano Ronaldo Marcelo Sergio Ramos Real Madrid FC Bayern 2017IMAGO / Agencia EFE

"Wegen Real Madrid wurde der VAR eingeführt": Ein Skandalspiel in der Champions League ließ den FC Bayern schäumen

Wenn der FC Bayern München nach einem Auswärtsspiel in der Champions League nicht sofort zurückfliegt, gibt es meist vor Ort ein gemeinsames spätes Abendessen – inklusive der Bankettrede eines FCB-Verantwortlichen. Zwei dieser Reden sind besonders im Gedächtnis geblieben: Nach dem 0:3 bei Olympique Lyon bezeichnete der damalige Präsident Franz Beckenbauer 2001 das Team als "Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft" und befand: "Das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart." 

  • Ähnlich deutlich wurde Karl-Heinz Rummenigge 2017 bei der zweiten legendären Bankettrede, wieder nach einer bitteren Niederlage: "Wir sind beschissen worden", sagte er nach dem 2:4 nach Verlängerung bei Real Madrid. 

    Der damalige Bayern-Vorstandsvorsitzende spürte nach einem epischen Duell "so etwas wie wahnsinnige Wut", wie er gestand – und auf wen er wütend war, war nicht schwer zu erraten: "Scheint ein ungarisches Mikrofon zu sein", sagte Rummenigge, als die Technik ihn zu Beginn seiner Rede im Stich ließ: Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn war der Mann, der aus Sicht des Münchner Bosses das Aus im Viertelfinale der Königsklasse zu verantworten hatte. 

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  • ARJEN ROBBEN BAYERN MÜNCHEN CASEMIRO REAL MADRID Getty Images

    Real vs. Bayern: Strittige Szenen auf beiden Seiten

    Wie groß das Spiel war, erkennt man auch daran, dass die damals Beteiligten auch heute – neun Jahre später und vor dem am Dienstag anstehenden erneuten Viertelfinal-Duell in der Königsklasse zwischen Real und Bayern – noch gerne darüber sprechen. Denn Gesprächsstoff, sprich: strittige Szenen, lieferten die 120 Minuten in Madrid 2017 im Überfluss. Real ging mit einem 2:1-Vorsprung aus München in das zweite Duell im eigenen Santiago Bernabeu und befand sich damit in einer eigentlich komfortablen Ausgangsposition. 

    In Madrid legte Bayern nach der Pause durch einen Elfmeter nach einem Foul an Arjen Robben, das man nicht als glasklar bezeichnen konnte, das 1:0 vor. In einer ähnlichen Situation, bei einem Kontakt zwischen Jerome Boateng und Casemiro, blieb später auf der anderen Seite die Pfeife stumm. Real glich durch Cristiano Ronaldo zum 1:1 aus, nur eine Minute später sorgte aber ein Eigentor von Sergio Ramos dafür, dass das Hinspiel-Ergebnis wieder ausgeglichen war. Allerdings stand Bayerns Robert Lewandowski bei diesem Treffer im Abseits, sodass das 2:1 für die Münchner nicht hätte zählen dürfen. 

  • VIKTOR KASSAI ARTURO VIDAL Getty Images

    Arturo Vidal regt sich auf: "Bin betrogen worden"

    In der Schlussphase der regulären Spielzeit standen Bayerns Arturo Vidal und Real-Abräumer Casemiro im Mittelpunkt, die sich einige Fouls leisteten. Während Casemiro mit nur einer Gelben Karte auch nach einigen Vergehen weitermachen durfte, musste Vidal – der schon nach fünf Minuten für ein übles Foul an Isco Rot hätte sehen können – in der 84. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Der Chilene traf bei seiner Grätsche dabei erst Ball und dann auch den Gegner. "Jedes Mal, wenn ich gegen Real Madrid gespielt habe, bin ich betrogen worden", wetterte er noch in diesem Jahr bei Enfocados Te Apuesto – und meinte mit Sicherheit diese Szene. Danach ließ er eine steile und kuriose These folgen: "Wegen Real Madrid wurde dann der VAR eingeführt. Es hatte vorher einfach zu viel Betrügereien gegeben."

    Der Video Assistant Referee hätte den Münchnern an diesem April-Abend in Madrid auf jeden Fall weitergeholfen, denn mit der aktuellen Technik wären zwei der danach folgenden drei Real-Tore einkassiert worden. In der Verlängerung traf Cristiano Ronaldo zum 2:2 und 3:2 – und stand bei beiden Treffern im Abseits. 

    Besonders eklatant war das beim 3:2, als Linksverteidiger Marcelo und CR7 alleine auf Manuel Neuer zuliefen und der Brasilianer für den Superstar querlegte. "Es war Abseits. Los, beschwert Euch doch jetzt!", lachte Marcelo 2024 im Podcast PodPah. "Ich wusste, dass es Abseits war. Ich habe gedacht: Mein Gott! Dann habe ich zum Linienrichter geschaut, der ist zurückgelaufen – und ich habe tief durchgeatmet", ergänzte er. 

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    Selektive Erinnerung beim FC Bayern

    Tief durchatmen konnten die FCB-Verantwortlichen im Anschluss nicht mehr. "Es darf nicht sein, dass solche Fehler ein Spiel entscheiden", regte sich Bayerns damaliger Trainer Carlo Ancelotti auf und hatte mit diesem Satz durchaus Recht. Aus Bayern-Sicht war das Foul zur gelb-roten Karte für Vidal mindestens diskutabel, die beiden Abseits-Tore hätten nicht zählen dürfen. 

    In Unterzahl gerieten die Münchner dann auf die Verliererstraße, aber das Schiedsrichter Kassai einseitig schlecht gepfiffen hat, ist eher ein Fall von selektiver Erinnerung bei den Münchnern und ihren Fans. Und für das streikende Mikrofon bei der Bankettrede war er mit Sicherheit nicht verantwortlich.

  • Real Madrid vs. Bayern München 4:2 n.V.

    Real Madrid: Navas – Carvajal, Nacho, Ramos, Marcelo – Modric, Casemiro, Kroos (114. Kovacic) – Isco (71. Vazquez) – Benzema (64. Asensio), Cristiano Ronaldo.
    Bayern München: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Alaba – Alonso (75. Müller), Vidal – Robben, Thiago, Ribery (71. Costa) – Lewandowski (88. Kimmich).
    Tore: 0:1 Lewandowski (53., Foulelfmeter), 1:1 Cristiano Ronaldo (76.), 1:2 Ramos (77., Eigentor), 2:2, 3:2 Cristiano Ronaldo (105., 109.), 4:2 Asensio (112.).
    Gelb-Rot: Vidal (84., Bayern)

Häufig gestellte Fragen

Der FC Bayern München wurde am 27. Februar 1900 im Schwabinger Café Gisela gegründet. Gründungsmitglieder waren elf junge Männer, angeführt vom späteren ersten Präsidenten Franz John. Die Gründung bedeutete die Abspaltung vom MTV München.

An der FC Bayern München AG, die sich insbesondere um die Fußballabteilung kümmert, hält der eigetragene Verein (eV) des FC Bayern München, also die rund 400.000 Mitglieder, mit 75 Prozent den Hauptanteil. Die restlichen 25 Prozent halten die Adidas AG, die Allianz SE und die Audi AG zu gleichen Anteilen (je 8,33 Prozent).

Das Stadion des FC Bayern München befindet sich im Norden der bayerischen Landeshauptstadt (Schwabing-Freimann) und trägt den Namen Allianz Arena.

Das Stadion des FC Bayern München, die Allianz Arena, bietet bei nationalen Spielen 75.024 Plätze, bei internationalen Ansetzungen 70.000.

Der FC Bayern München hat in seiner langen Historie eine Vielzahl von nationalen und internationalen Titeln gewonnen. Darunter zählen:

  • 33-mal deutscher Meister (22/23, 21/22, 20/21, 19/20, 18/19, 17/18, 16/17, 15/16, 14/15, 13/14, 12/13, 09/10, 07/08, 05/06, 04/05, 02/03, 00/01, 99/00, 98/99, 96/97, 93/94, 89/90, 88/89, 86/87, 85/86, 84/85, 80/81, 79/80, 73/74, 72/73, 71/72, 68/69, 31/32)
  • 20-mal DFB-Pokal Sieger (19/20, 18/19, 15/16, 13/14, 12/13 , 09/10, 07/08, 05/06, 04/05, 02/03, 99/00, 97/98, 85/86, 83/84, 81/82, 70/71, 68/69, 66/67, 65/66, 56/57)
  • 3-mal Champions League Sieger (19/20, 12/13, 00/01)
  • 3-mal Europapokal der Landesmeister Sieger (75/76, 74/75, 73/74)
  • 2-mal FIFA Klub-WM Sieger (20/21, 13/14)
  • 2-mal Weltpokal Sieger (2001 , 1976)
  • 2-mal UEFA Supercup Sieger (20/21, 13/14)
  • 1-mal UEFA Cup Sieger (95/96)
  • 1-mal Europapokal der Pokalsieger Sieger (66/67)
  • 10-mal deutscher Superpokalsieger (22/23, 21/22, 20/21, 18/19, 17/18, 16/17, 12/13, 10/11, 90/91, 87/88)
  • 6-mal deutscher Ligapokalsieger (07/08, 04/05, 00/01, 99/00, 98/99, 97/98)
  • 1-mal süddeutscher Pokalsieger (56/57)

Der FC Bayern München hat 33-mal die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Aktuell hält Thomas Müller den Rekord für die meisten Einsätze für den FC Bayern München. Müller absolvierte bislang 746 Pflichtspiele für den FCB.

Die meisten Tore für den FC Bayern München hat Gerd Müller geschossen. Die mittlerweile verstorbene Vereinslegende traf 570-mal im Dress des deutschen Rekordmeisters. Dafür brauchte er 613 Spiele.

Für den FC Bayern München spielten eine Vielzahl an legendären Fußballern. Folgende Spieler trugen allesamt das Trikot des FCB:

Oliver Kahn, Sepp Maier, Manuel Neuer, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Klaus Augenthaler, Philipp Lahm, David Alaba, Bixente Lizarazu, Lúcio, Georg "Katsche" Schwarzenbeck, Stefan Effenberg, Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Lothar Matthäus, Franz "Bulle" Roth, Joshua Kimmich, Xabi Alonso, Franck Ribéry, Arjen Robben, Jamal Musiala, Mehmet Scholl, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Giovane Élber, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Claudio Pizarro.

Beim FC Bayern München standen in der Geschichte viele berühmte und erfolgreiche Trainer an der Seitenlinie. Dazu gehören:

Zlatko "Tschik" Cajkovski, Udo Lattek, Dettmar Cramer, Jupp Heynckes, Erich Ribbeck, Franz Beckenbauer, Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Hansi Flick und Thomas Tuchel.

Der Spitzname des FC Bayern München nimmt Bezug auf die Vereinsfarben. So werden die Spieler des deutschen Rekordmeisters meist nur "die Roten" genannt.

Darüber hinaus ist auch der Begriff "FC Hollywood" gebräuchlich, welchen der ehemalige Trainer Giovanni Trapattoni prägte. Der Spitzname bezieht sich auf eine turbulente Zeit des Vereins während der 90er-Jahre, als es zwischen einigen hochrangigen Spielern und Funktionären des Klubs zu Auseinandersetzungen kam - ähnlich wie in einer täglichen Seifenoper.