"Jamie Gittens ist zurück", hatte Liam Rosenior erst am vergangenen Freitag angekündigt. Nur einen Tag später, mit einer Trainingseinheit und dem Pokalspiel gegen Port Vale (7:0) dazwischen, musste der Trainer des FC Chelsea jedoch konstatieren: "Leider hat sich Jamie gestern im Training offenbar wieder eine Oberschenkelverletzung zugezogen. Wir müssen ihn untersuchen lassen, um sicherzugehen. Das ist wirklich schade für ihn. Ich glaube, es ist schon das dritte Mal, dass ihm das passiert."
Getty ImagesTorlos in Liga und Champions League - und ständig verletzt: Ein Millionengewinn des BVB erlebt ein absolutes Seuchenjahr
Gittens fehlt Chelsea seit Monaten
Wie lange der ehemalige Dortmunder Flügelspieler nach der neuerlichen Blessur ausfallen wird, konnte Rosenior noch nicht mitteilen. Gittens Zustand werde täglich neu bewertet. Klar ist bereits jetzt: Das Seuchenjahr des 21-Jährigen, der erst im Sommer für 56 Millionen Euro vom BVB zu den Blues wechselte, nimmt kein Ende.
16 Pflichtspiele verpasste Gittens bislang verletzt für Chelsea, darunter die vergangenen 13 am Stück. Sein letzter Einsatz datiert vom 31. Januar. Dann zwickte es im Oberschenkel.
"Bis jetzt habe ich noch nicht sehr lange mit ihm gearbeitet, aber ich kenne seinen Karriereverlauf und weiß, was für ein herausragender Spieler er ist. Er wird uns sehr fehlen", hatte Rosenior, der im Januar von Maresca übernahm, damals gesagt. Kaum war Gittens nun zurück im Mannschaftskreis, folgte der erneute Rückschlag.
Getty Images SportGittens auch vor den Verletzungen bei Chelsea kaum ein Faktor
Doch es ist beileibe nicht so, als wäre zuvor für den schnellen Außen alles ideal gelaufen. Ganz im Gegenteil: Unter Roseniors Vorgänger Enzo Maresca war Gittens keine Stammkraft. Kam er zum Einsatz, waren seine Darbietungen meist sehr überschaubar, wenngleich sein Können zwischendurch aufblitzte.
Man hatte sich aber mehr von Gittens versprochen und er gewiss auch von sich selbst in seinem ersten Jahr nach seiner Rückkehr in die Heimat. Gittens' Bilanz ist reichlich mau: 27 Partien absolvierte er bislang, stand aber nur zwölfmal in der Startelf. 40 Minuten beträgt seine durchschnittliche Spielzeit. Nur zweimal absolvierte er die vollen 90 Minuten, letztmals im November.
Schlimmer noch für einen Offensivspieler: Gittens schoss erst einen Treffer, fünf Tore bereitete er vor. In Premier League und Champions League ist er nach 23 Einsätzen noch torlos.
Gittens bei Chelsea zweimal Man of the Match - aber ohne Rhythmus
Was Gittens neben der rein statistischen Ausbeute besonders fehlt, ist der Rhythmus. Den bekam er in all den Monaten nie, auch wenn es zwischenzeitlich im Herbst so aussah, als gelänge ihm eine halbwegs stabile Phase. Als er gegen Wolverhampton im Pokal sein bislang einziges Tor schoss sowie beim 5:1 in der Königsklasse gegen Ajax Amsterdam wurde Gittens als Man of the Match ausgezeichnet.
Damit setzen sich für ihn die schwierigen Monate nach seinem Durchbruch in Dortmund fort. Zur Erinnerung: Während Gittens beim BVB unter Nuri Sahin noch zu den besten Spielern zählte und in der Hinrunde der Vorsaison starke neun Tore sowie fünf Vorlagen zustande brachte, stagnierte er anschließend unter Niko Kovac rapide.
GettyGittens wird beim BVB Opfer von Kovacs Umstellungen
Beim Run auf CL-Platz vier spielte Gittens keine Rolle mehr. In seinen finalen Monaten bei der Borussia wurde er auch aufgrund Kovacs Umstellung auf Dreierkette und das zeitgleiche Abschaffen von Eins-gegen-eins-Akteuren zum Einwechselspieler degradiert. Jetzt schloss sich daran bei Chelsea die nächste bittere Episode an.
Gittens wird letztlich gut beraten sein, die laufende Saison abzuhaken und wie der gesamte Verein im Sommer einen Neustart zu wagen. Liest man bei Roseniors Aussagen über ihn zwischen den Zeilen, könnten die Chancen gut stehen, dass Gittens unter dem Engländer bessere Perspektiven besitzt als noch bei Maresca.
Aber nur, falls ihm die Muskulatur nicht den nächsten Streich spielt.



