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Sie hinterließen ihm sogar Kot vor dem Trainingszentrum! Ein Serienmeister wird im Streit zwischen Fans und Präsident zerrieben

Es war ein Protest der besonderen Art: Einige Anhänger des FC Torino haben ihrem Unmut über Präsident Urbano Cairo zuletzt Luft gemacht, indem sie vor dem Trainingszentrum des Klubs einen Haufen Mist hinterließen. Dazu hängten sie ein Banner mit dem unmissverständlichen Plakat auf: "Scheiße wie Cairo".

Das war allerdings bei weitem nicht die erste Protestaktion der Fans. Schon seit Jahren ist Cairo für viele Anhänger der Granatroten ein rotes Tuch. In Turin fanden bereits zahlreiche Protestmärsche gegen ihn statt. Zuletzt hatten die Ultras zudem mehrfach die Fankurve verwaist gelassen und Tickets auf der Haupttribüne in der Nähe des VIP-Bereichs erworben. Von dort aus richteten sie sich direkt in Richtung des Klub-Präsidenten, der wie bei vielen italienischen Klubs auch gleichzeitig der Haupteigentümer ist, und forderten ihn mit nicht jugendfreien Worten zum Verkauf des Vereins auf. Vor dem Heimspiel gegen Lazio vor wenigen Wochen war ein Bild des 68-Jährigen vor dem Stadio Olimpico Grande Torino zu sehen, versehen mit der Aufschrift: "Zutritt verboten", und für das Duell mit Parma am Freitagabend ist ein weiterer Fanstreik angekündigt.

  • Nun ist es nicht völlig ungewöhnlich, dass Ultras die Eigentümer ihrer Klubs nicht rasend sympathisch finden. Doch in Turin hat die Abneigung der Fans gegen Cairo eine andere Dimension. Aber was werfen die Fans ihrem Präsidenten eigentlich vor? In erster Linie, sich für den Verein nicht allzu sehr zu interessieren. Er sei ein Unternehmer, dem es vor allem ums Geschäft gehe, lautet die Anklage. Der sportliche Erfolg sei dem Mailänder völlig egal, solange das Minimalziel, der Klassenerhalt, irgendwie erreicht wird.

    Seit Jahren schon werden Jahr für Jahr die besten Spieler verkauft, zuletzt etwa Samuele Ricci (2025/AC Mailand, 23 Millionen Euro Ablöse), Raoul Bellanova (2024/Atalanta, 22 Millionen) oder Alessandro Buongiorno (2024, SSC Neapel, 36,5 Millionen). Der Verein dümpelte in den vergangenen Jahren im Tabellenmittelfeld der Serie A herum. Zehnter, Zehnter, Neunter und Elfter lauteten die Ligaplatzierungen der vergangenen Spielzeiten.

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  • FBL-SERIEA-ITA-SUPERGA-TORINOAFP

    Torino hat eine große Vergangenheit

    In dieser Saison ist Torino nun sogar bis auf Rang 15 abgerutscht und muss um den Ligaverbleib bangen. Aus den vergangenen zehn Spielen holte das Team lediglich sieben Punkte. Trainer Marco Baroni wurde entlassen und durch Roberto D'Aversa ersetzt, der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt nur noch sechs Punkte.

    Immerhin, könnte man als Außenstehender meinen, schließlich ist "il Toro" über die Landesgrenzen hinaus nicht allzu bekannt. Die Hauptstadt des Piemont wird in erster Linie mit dem Stadtrivalen Juventus in Verbindung gebracht.  Doch Torino, das seit 2005 offiziell den Namen Torino FC trägt, hat eine große Geschichte. Der Klub wurde siebenmal italienischer Meister und fünfmal Pokalsieger. "Il Grande Torino", die Mannschaft, nach der heute das Olympiastadion benannt ist, dominierte in den 1940er-Jahren den italienischen Fußball wie keine andere zuvor – ehe das gesamte Team um Mannschaftskapitän Valentino Mazzola am 4. Mai 1949 bei einem Flugzeugabsturz unterhalb der Basilika von Superga ums Leben kam. Bis heute prägt die Erinnerung daran den Klub, Jahr für Jahr pilgern Tausende Fans am Jahrestag des Absturzes zum Unglücksort.

  • Cairo übernahm den Klub vor 20 Jahren und sanierte ihn

    Seitdem gewann der Klub nur noch eine einzige Meisterschaft (1976), wurde mehrfach umbenannt, rutschte zwischenzeitlich auch in die Serie B ab und ging mehrfach pleite. So auch 2005, als man aus der ersten Liga zwangsabsteigen musste, Cairo übernahm und der Klub erneut umgetauft wurde. 

    Anfangs hatten die Fans große Hoffnungen in den Medienunternehmer gesetzt, der jahrelang für Silvio Berlusconis Firma Fininvest tätig gewesen war. Cairo sanierte die Klubfinanzen, führte den Verein zurück in die Serie A und hält die Mannschaft mit Ausnahme eine kurzen Zweitligaphase dort. Ökonomisch läuft es ordentlich, auch in dieser Saison erwirtschaftete der Klub ein Transferplus von rund 20 Millionen Euro. Anders als bei Berlusconis Milan blieb die erhoffte Rückkehr an die Spitze aber aus.

  • Torino FC v Genoa CFC - Serie AGetty Images Sport

    "Il Toro" ist in der Stadt tief vewurzelt

    Doch Torino ist in den Augen der Anhänger eben bis heute ein großer Name und sollte sich nicht mit Mittelmaß oder gar Abstiegskampf zufriedengeben. "Wenn wir so weitermachen, bedeutet das, die sportliche Irrelevanz zu akzeptieren. Und ein Verein wie Torino, mit dieser Geschichte und diesen Fans, hat viel mehr verdient", war unlängst auf der Fan-Seite ToroNews zu lesen.

    "Il Toro" ist in der Stadt tief verwurzelt, wird von seinen Anhängern als der "wahre Turiner Klub gesehen", während der große und viel erfolgreichere Rivale Juventus spöttisch als "Mannschaft aus dem Umland" bezeichnet wird.

    Beide Vereine waren einst tatsächlich auf Augenhöhe, das ist allerdings seit Jahrzehnten Vergangenheit. Schon eine gefühlte Ewigkeit ist auch der letzte Derbysieg der Granatroten her, der datiert nämlich vom 26. April 2015. Die Erfolglos-Serie hält seit nunmehr 23 Spielen an.  

  • Empoli FC v Torino FC - Serie A TIMGetty Images Sport

    Urbano Cairo kontrolliert die wichtigste italienische Sportzeitung

    Die Situation mit einem kleineren, fest in der Stadt verwurzelten Klub neben dem Rekordmeister erinnert fast ein wenig an die Lage in München, wo viele Fans des TSV 1860 seit Jahren unter anderem mittels Liedgut den Abgang von Investor Hasan Ismaik fordern. Auch die Toro-Anhänger haben einen Lieblings-Gesang, mit den Worten "Urbano Cairo, du musst verkaufen, verpiss dich, verpiss dich" (Urbano Cairo devi vendere, vattene, vattene). 

    Zu den wenigen Unterstützern des ungeliebten Präsidenten zählen hingegen die Anhänger des Lokalrivalen Juventus. Die dichteten unlängst den beliebten Toro-Song um und forderten Cairo während des 4:0-Heimsiegs gegen Pisa ironisch auf, für immer zu bleiben.

    Pikanterweise ist in der auflagenstärksten italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport und deren Website von all den Protesten in der Regel nichts zu lesen. Diese zählen nämlich zur mächtigen Mediengruppe RCS Media Group. Und deren Präsident heißt: Urbano Cairo.