Max Eberl Bayern 2025IMAGO / Jan Huebner

Die Reporter lachen, Max Eberl grinst triumphal: Mit einem bemerkenswerten Satz nimmt der Sportvorstand des FC Bayern die Kritik aus dem Sommer auf die Schippe

"Wir als FC Bayern sind extrem froh", verkündete Sportvorstand Max Eberl und begann langsam zu schmunzeln, "dass wir so einen breiten und guten Kader haben." Die Reporter lachten, Eberl grinste triumphal. Natürlich nahm er Bezug auf all die Kritik aus dem Sommer. Ob der Kader des FC Bayern nicht zu dünn sei, lautete bekanntlich die große Frage nach Ablauf der Transferphase.

  • Eberls Analyse war ein beeindruckender 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen vorausgegangen. Gewissermaßen waren es sogar mehrere Siege in einem. Es war der 15. Sieg im 15. Saisonspiel, womit der FC Bayern seinen Europa-Rekord weiter ausbaute. Es war ein Statement-Sieg gegen den größten nationalen Rivalen der vergangenen zwei Spielzeiten. Es war aber auch ein Sieg des Kaders und somit gewissermaßen ein Sieg von Eberls Transferpolitik. 

    Mit Dayot Upamecano, Aleksandar Pavlovic, Michael Olise, Luis Diaz und Harry Kane saßen fünf nominelle Stammspieler zunächst nur auf der Bank. Insgesamt wechselte Vincent Kompany siebenmal im Vergleich zum 4:1 im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln am Mittwoch. Er sei "ehrlich gesagt schon ein bisschen überrascht" gewesen, gab Kapitän Manuel Neuer anschließend zu.

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  • FC Bayern München: Der homogenste Kader Europas?

    Trotz der Rotation dominierten die Münchner Leverkusen von Beginn an. Sie spielten einfach so, wie sie in dieser Saison immer spielen: ansehnlich und erfolgreich. "Ich war oft auf der anderen Seite", erinnerte Eberl an seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. "Wenn du liest, dass drei, vier, fünf Stammspieler nicht dabei sind, dann kommt ein Moment der Hoffnung auf." Leverkusens Moment der Hoffnung habe der FC Bayern laut Eberl "aber mit der ersten Minute erledigt".

    Bezeichnend war dann, welche Spieler für die Tore sorgten. Das 1:0 leitete der reinrotierte Neuzugang Tom Bischof mit einem überragenden Pass ein. Das 2:0 erzielte der ebenfalls reinrotierte Neuzugang Nicolas Jackson. Das Eigentor-3:0 erzwang Raphael Guerreiro, auch er neu in die Mannschaft. In Minute 59 gönnte sich Kompany den Luxus, auf einen Schlag Kane, Diaz und Olise einzuwechseln.

    Der FC Bayern hat zwar weiterhin einen der kleinsten Kader aller europäischer Topklubs. Wenn zusätzlich zu den langzeitverletzten Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito einige Spieler gleichzeitig ausfallen, kann das immer noch zur Gefahr werden. Aktuell aber haben die Münchner mit 19 fitten Startelf-Kandidaten gleichzeitig den womöglich homogensten Kader Europas. Alle bekommen Spielzeiten. Alle dürfen sich wichtig fühlen. Und aktuell liefern alle ab.

    "Wir leben von unseren Prinzipien und von unserer Energie, egal wer auf dem Platz steht", sagte Joshua Kimmich. "Wir wollen nicht vom Personal abhängig sein, sondern immer auf die gleiche Art und Weise Fußball spielen." Kompanys System funktioniert derzeit tatsächlich losgelöst von Spielern. Und seine Spieler funktionieren losgelöst von Positionen. Sie rotieren nicht nur zwischen Bank und Startelf, sondern auch zwischen unterschiedlichen Rollen.

  • FC Bayern München v Bayer 04 Leverkusen - BundesligaGetty Images Sport

    FC Bayern: Viele Spieler spielten schon unterschiedliche Positionen

    Laimer verteidigte schon links und rechts. Guerreiro genauso und gegen Leverkusen begann er auf der Zehn. Kane spielte als Mittelstürmer, Zehner und eigentlich überall. Leon Goretzka gibt mal den Sechser, dann den Innenverteidiger. Pavlovic rutschte im Spielverlauf schon öfter von der Sechs auf die Zehn. Karl spielte schon zentral und rechts, Gnabry zentral und links. Der gelernte Mittelfeldspieler Bischof begann gegen Leverkusen als Linksverteidiger. 

    Bei derartigen Rochaden besteht stets die Gefahr, dass der Trainer seine eigene Mannschaft letztlich mehr verwirrt als die gegnerische. Unter Kompany aber scheint aktuell alles zu funktionieren, obwohl seine Spieler von ihren Positionierungen bisweilen sogar selbst überrascht sind. Laimer gab offen zu, dass er "schmunzeln" musste, als er gegen Club Brügge erneut links spielte, obwohl der nominelle Linksverteidiger Guerreiro neu in die Mannschaft rückte. Guerreiro übernahm die rechte Seite.

    Bischof, der nach eigener Auskunft auch in seiner Jugend nie als Linksverteidiger gespielt hat, verriet nach dem Sieg gegen Leverkusen Erstaunliches. Wann ihn Kompany denn das erste Mal auf der für ihn ungewohnten Position getestet habe? "Ich glaube in einem Spiel, nicht einmal im Training."

  • FC Bayern München v Bayer 04 Leverkusen - BundesligaGetty Images Sport

    Joshua Kimmichs bemerkenswerte Worte über den aktuellen Kader

    Kimmich spielt schon seit 2015 beim FC Bayern. Wie er das aktuelle Mannschaftsgefüge historisch einordnet, wurde er noch gefragt. "Als ich vor zehn Jahren dazugekommen bin, waren wir individuell unglaublich gut besetzt. Da hatten wir 23 Weltklassespieler", sagte er. Es war die Zeit von Arjen Robben und Franck Ribery, von Thiago und Robert Lewandowski und Thomas Müller. Es war die Zeit, als die Münchner regelmäßig das Halbfinale der Champions League erreichten.

    "Aber wenn ich jetzt sehe, wie wir miteinander funktionieren, wie wir uns füreinander freuen und wie wir die Prinzipien auf den Platz bringen, dann ist das schon sehr besonders. Das war noch nicht so oft da, das war vor zehn Jahren anders. Da hatte man mehr Egoismus in der Mannschaft. Wir haben jetzt sehr viele Spieler, die qualitativ herausragend sind, aber sich trotzdem in den Dienst der Mannschaft stellen." Egal ob auf der Bank oder in der Startelf, egal auch welcher Position.

    Bemerkenswerte Worte nach dem wohl bemerkenswertesten Sieg der bisherigen Saison. Und nun wartet auf den FC Bayern die größte Herausforderung der bisherigen Saison. Am Dienstag treffen die Münchner auswärts auf den amtierenden Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain. Schwieriger ist aktuell nicht möglich.

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