Niko Kovac hatte sich längst wieder beruhigt. Auf der Pressekonferenz plauderte der Trainer von Borussia Dortmund lächelnd mit einem Reporter, den er noch aus seinen Tagen als Spieler des Hamburger SV kannte. Doch bei seinem Statement zu diesem vogelwilden 3:2 (0:2) gegen den Aufsteiger wurde Kovac dann etwas kritischer.
GettyBesser als die Meisterjahre unter Jürgen Klopp? Trotz einer fürchterlichen Halbzeit kann der BVB Historisches schaffen
"Deutliche" Kovac-Ansage in der Halbzeit bringt die Wende
Eine Leistung wie in der zweiten Halbzeit "hätte ich mir von der ersten Minute an gewünscht", sagte der Trainer mit Nachdruck. Dank der deutlichen Steigerung sei Dortmund zwar "verdient als Sieger vom Platz gegangen" und das Fazit "Ende gut, alles gut" angemessen, doch die zwei Gesichter des BVB gaben Kovac dann doch Rätsel auf.
Seine Halbzeitansprache sei "deutlich" gewesen, sagte er im Sky-Interview: "Von Sternzeichen bin ich Waage und eigentlich sehr ausgeglichen. Nur wenn die Waage kippt, dann kippt sie."
Dies war auch dringend nötig, denn im ersten Durchgang hatte der BVB schwach gespielt und lag nach Treffern von Philip Otele (19.) und Albert Sambi Lokonga (38.) zurück. Doch dann drehte Dortmund mächtig auf. Ramy Bensebaini mit zwei verwandelten Elfmetern (73., 84.) und Serhou Guirassy (78.) sorgten noch für ein versöhnliches Ende.
AFPBVB aktuell fast so gut wie 2011 und 2012
"Das hat den Menschen eine Menge Spaß gemacht. Wir mussten eine Reaktion zeigen und haben sie gezeigt", lobte Sportdirektor Sebastian Kehl: "Was wir in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, war richtig, richtig stark. Wir haben Hamburg an die Wand gespielt."
Dortmund hat nach nun 27 Spielen starke 61 Punkte gesammelt, in den Meisterjahren 2011 und 2012 unter Jürgen Klopp waren es jeweils 62. Und doch ist der Titel für den Tabellenzweiten meilenweit entfernt, weil Bayern München eben bei 70 Punkten steht. "Wir haben einen Punkteschnitt von 2,3 pro Spiel, wir machen in der Liga einen richtig guten Job", sagte Kehl.
BVB: "Wir versuchen das Maximale rauszuholen"
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der BVB sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League bereits ausgeschieden ist. In der Bundesliga ist zumindest die Vizemeisterschaft so gut wie sicher, aber die ganz großen Ziele sind nicht mehr zu erreichen.
Als Alibi für schwächere Leistungen oder weniger Einsatzbereitschaft will Kehl das nicht gelten lassen. "Wir werden weiter Gas geben", versprach er: "Wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen und das Maximale rauszuholen."
Wenn das gelingt, würde der BVB diese Saison mit 82 Punkten abschließen - und wäre damit besser als in seinen Meisterjahren.



