Zlatko Dedic - Slovenia (Getty Images)
(frd) Kapstadt. Slowenien sieht die WM 2010 nicht nur als Chance auf Wiedergutmachung nach der 2002er Chaospräsentation an, sondern auch als Beginn einer neuen Ära der sportlichen Hoffnung.

HINTERGRUND

Sloweniens einziger WM-Auftritt 2002 endete in einer Katastrophe: Nachdem das erste Match gegen Spanien 1:3 verloren wurde, gerieten Schlüsselspieler Zlatko Zahovic und Trainer Srecko Katanec in der Kabine aneinander. Der Benfica-Star wurde daraufhin nach Hause geschickt. Seine Teamkollegen verloren auch die beiden aufeinanderfolgendes Matches gegen Südafrika (0:1) und Paraguay (1:3), kehrten als ohne Punkte heim.

DIE QUALIFIKATION

Slowenien beendete die Gruppe als Zweiter, drei Punkte hinter dem der Slowakei, aber vor Tschechien, Nordirland, Polen und San Marino. Danach musste das Team in die Relegation gegen Russland. Nach einer 1:2-Schlappe in Moskau, gewann Slowenien das Rückspiel daheim mit 1:0 durch ein Tor des Bochumers Zlatko Dedic und löste somit nach der Auswärtstorregel das WM-Ticket für Südafrika. Erneut waren die Underdogs für eine Überraschung gut.

STÄRKEN

Die Betonabwehr ist nicht zu übersehen. Inklusive beider Play-Off-Matches, musste Slowenien nur sechs Gegentreffer in zwölf Partien einstecken, nur vier vor der Relegation. Nur die Holländer waren noch besser, doch mussten zwei Spiele weniger absolvieren.

SCHWÄCHEN

Das Spiel nach vorne bereitet nach wie vor Probleme, besonders auf den Flügeln und im Mittelfeld. Mirnes Sisic war lange ohne Verein, Valter Birsa und Andraz Kirm konnten die Lücke nicht schließen.

DER TRAINER

Bei seiner Präsentation 2007 war Matjaz Kek alles andere als eine populäre Wahl. Seine ersten zweieinhalb Jahre als Coach sollten diese Ängste bestätigen. Viele Fans waren unzufrieden mit der Leistung, aber nach der gelungenen Qualifikation stieg seine Beliebtheit rapide an. Er ist ein Systematiker und ausgesprochen moderner Coach mit klaren Vorstellungen davon, was er von seinen Spielern erwartet.

DIE STARS

Milivoje Novakovic, der Ex-Kapitän des 1. FC Köln, traf 14mal für sein Land. Ihm fehlen lediglich zwei weitere Tore (Stand: Mai 2010), um der zweitbeste Goalgetter in der Geschichte des Landes zu werden (hinter Zahovic, 35 Tore). Der Schlacks musste sich erst in den schwächeren Ligen in Österreich und Bulgarien beweisen, bevor man ihm in seinem Heimatland würdigte. Ein Spätzünder, der jedoch die slowenische Offensive qualitativ bereichert.

Robert Koren führt die Stränge im slowenischen Mittelfeld zusammen. Kek ernannte den West-Brom-Akteur überraschenderweise zum Kapitän zum Beginn der Qualifikationsrunde und Koren wuchs in dieser Verantwortung. Er ist ein Spieler mit Köpfchen, der niemals aufgibt.

Samir Handanovic wird bereits als bester Torwart erkannt, den Slowenien jemals hervorgebracht hat. Sein Talent war schon früh zu erkennen. Bereits als Teenager wurde er vom Serie-A-Club Udinese aufgegabelt. Seine natürliche Athletik und seine großen Paraden mit erst 25 könnten ihn am Ende seiner Karriere zum slowenischen Rekordnationalspieler machen.



DIE HOFFNUNG


Einer der Routiniers im Kader von Matjaz Kek ist Samir Handanovic, der seit 2004 Nationalspieler ist hütet. Nach schwieriger Anfangsphase (dreimal wurde der 1,94m Mann verliehen) gilt der Schlussmann jedoch als Bombenrückhalt – und das nicht nur in Udine.

GOLDENER MOMENT

Am 5. November 1991 erklärte Slowenien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien und führte seitdem ein ruhiges Dasein in der europäischen Gemeinschaft. Heute leben knapp zwei Millionen Menschen in der Republik, die es 2010 erneut geschafft hat, sich für die Fußballweltmeisterschaft zu qualifizieren. Doch damit wiederholt der Underdog nur ein Kunststück, das bereits 2002 zum Turnier in Japan und Südkorea gelang.

BITTERSTE STUNDE

Bereits beim WM-Auftakt 2002 gegen Spanien präsentierte sich Slowenien als Team der Zwietracht. Dabei war gar nicht mal so sehr die sportliche Vorstellung gemeint. 1:3 gegen die starken Europäer zu verlieren, ist gar nicht mal so blamabel, was jedoch nach dem Match geschah, schrieb Geschichte. Nachdem Trainer Katanec Stardiva Zlatko Zahovic ausgewechselt hatte, gerieten beide Hitzköpfe in der Kabine aneinander. Bereits zuvor während der Qualifikation gab es mehrere Zwischenfälle um beide Protagonisten.

ABSEITS

Slowenien erklärte als erstes Land Unabhängigkeit von Jugoslawien und ist auch als erstes (und bisher einziges) Ex-Jugoslawien-Land in der EU.

GOAL.COM-PROGNOSE

Slowenien wird als das schwächste europäische Team des Turniers angesehen, aber auch gegen das große Russland in der Relegation traute niemand den Weiß-Grünen einen solchen Coup zu. Keks Ziel ist der Einzug in die nächste Runde. Ein Blick auf die Gruppe C vemittelt den Eindruck, dass Slowenien die gleichen Chancen aufs Achtelfinale als Zweitplatzierter nach England hat, wie die USA und Algerien.

Eure Meinung: Was kann Slowenien in Südafrika reissen?


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