Europa League: Javier Saviola, Everton v Benfica (Getty Images)
(eln) Lissabon. Nach dreijähriger Abstinenz kehrt der amtierende portugiesische Meister Benfica Lissabon in die Champions League zurück und sollte von seinen Kontrahenten ernst genommen werden. Der Rekordmeister präsentiert sich nach schwächeren Jahren wiedererstarkt, wenngleich der Weg zurück zu altem Ruhm noch weit ist. Portugal-Experte Paul Madden liefert die Fakten zu Benfica.

STÄRKEN & SCHWÄCHEN

Sowohl defensiv als auch offensiv besitzt Benfica große Qualität. In 51 Pflichtspielen der vergangenen Saison blieb das Team lediglich dreimal ohne eigenen Torerfolg. In elf Partien gelangen sogar mindestens vier Treffer, mit dem Höhepunkt des 8:1-Kantersieges über Vitoria
Setubal im August 2009. Diese Partie bestätigte zugleich, wie schwer Benfica auszurechnen ist: Gleich sechs verschiedene Akteure trugen sich in die Torschützenliste ein. Die Spielausrichtung
ist somit nicht nur eindimensional angelegt, sondern setzt auf Vielseitigkeit. Das Team ist sehr
heimstark, wie bereits prominente Gegner wie Manchester United oder der FC Liverpool zu spüren bekamen.

Die größte Schwäche liegt beinahe schon traditionell darin, dass es nur selten gelingt, „zu null” zu spielen – gerade in der K.o.-Phase des Europacups, in der auswärts erzielte Tore doppelt zählen, ein fataler Umstand. Allerdings ist unter Coach Jorge Jesus bereits eine vermehrte Stabilität auszumachen. So souverän Benfica auf eigenem Platz auch auftritt, so sehr scheint es bei Auswärtspartien im europäischen Wettbewerb an Selbstvertrauen in die eigene Stärke zu mangeln. Enttäuschende Resultate waren die Folge. So folgte in der Europa League-Saison 2009/10 auf einen 2:1-Heimsieg gegen Liverpool ein 1:4 in England. Dennoch war das Erreichen des Viertelfinals bereits ein Achtungserfolg. Weh tut Benfica der Verlust zweier Stammkräfte der Vorsaison: Die Mittelfeldspieler Angel di Maria (zu Real Madrid) und Ramires (zum FC Chelsea) waren treibende Kräfte im Mittelfeld, die Coach Jorge Jesus nun adäquat ersetzen muss.

STARS & SCHLÜSSELSPIELER

Zu den Säulen des Teams gehört das eingespielte brasilianische Innenverteidiger-Duo Luisao und David Luiz, das hervorragend harmoniert. Trotz eines kolportierten Interesses anderer Klubs, gelang es den „Adlern” (der Spitzname leitet sich von Benficas Wappen ab, auf dem ein Adler zu sehen ist), die Beiden im Klub zu halten. Gleiches gitl für den linken Außenverteidiger Fabio Coentrao, der sich während der WM 2010 in Südafrika in den Vordergrund spielte und der auf dem Zettel von Bayern München stand. Doch auch er blieb in Lissabon. In der Offensive sticht der Paraguayer Oscar Cardozo heraus, der sich vergangene Saison in außergewöhnlicher Form zeigte: Wettbewerbsübergreifend traf er in 47 Spielen 38 Mal ins Netz – was für eine Bilanz! Nach den den Transfers von di Maria und Ramires ruht noch mehr Verantwortung auf den Schultern von Spielgestalter Pablo Aimar, der nur bedingt torgefährlich, dafür aber ein glänzender Vorbereiter ist.



TRAINER & TAKTIK

Seit Jorge Jesus die Amtsgeschäfte im Vorjahr von Quique Sanchez Flores übernahm, hat der Coach den Spagat geschafft, die zuvor brüchige Defensive zu stärken, ohne dabei den Angriff seiner Durchschlagskraft zu berauben. Das etwas defensivere 4-1-3-2-System löste Flores’ 4-4-2 ab. Dabei kommt dem spanischen Mittelfeldspieler Javi Garcia eine besondere Bedeutung zu: Als Sechser vor der Abwehr ist er die Seele des Spiels, die der Offensive den Rücken freihält und gegnerische Angriffe unterbindet. Jorge Jesus hat bereits taktische Alternativen ausprobiert, beispielsweise mit einem zweiten zentral-defensiven Mittelfeldspieler und einer einzigen Sturmspitze, kehrte jedoch anschließend wieder zum bisherigen System zurück.

ERFOLGE


Der Meisterschaftsgewinn 2010 war bereits Benficas Ligatitel Nummer 32, der die Rekordmeisterschaft weiter festigt. Doch Benficas Ruhm rührt in erster Linie aus der Vergangenheit. Schießlich war der diesjährige Titel erst die zweite Meisterschaft (neben dem Triumph von 2005) während der letzten 16 Jahre. In den vergangenen Jahren war es der FC Porto, der die nationale Machtstellung zunehmend an sich riss. Auf europäischer Ebene gelang letztmals mit dem Finaleinzug ins Europacupfinale der Landesmeister 1990 ein großer Erfolg, als sich allerdings der AC Mailand als zu stark erwies. Glanzzeit des Klubs waren die frühen 1960er Jahre, als Benfica mit der Legende Eusebio gleich zwei Mal hintereinander den europäischen Landesmeistercup nach Lissabon holte (1961 und 1962). Seit Gründung der Champions League 1992 kann Benfica als bestes Ergebnis allerdings „ nur” noch einen Viertelfinaleinzug aus der Saison 2005/06 vorweisen, als man dem späteren Titelträger FC Barcelona unterlag.

STADION


Das ursprüngliche Estadio da Luz (Stadion des Lichts) wurde 1954 errichtet und 2004 durch das für die Europameisterschaft in Portugal neu errichtete Stadion abgelöst, das direkt nebenan erbaut wurde. Das Finale der EM 2004 wurde hier ausgetragen, brachte Portugal bei der Finalniederlage gegen Griechenland jedoch kein Glück. Der Neubau trägt denselben Namen, fasst jedoch etwa 12.000 weniger Plätze als sein Vorgänger. Mit einer Kapazität von circa 65.600 bietet es für die Champions League jedoch immer noch ein ausreichendes Fassungsvermögen. Von den Benfica-Fans wird das Estadio da Luz gerne als „Kathedrale” bezeichnet, die insbesondere zu Abendspielen in der Königsklasse eine fantastische Atmosphäre bietet. Keine Frage: Dieses Stadion ist ein echtes Schmuckkästchen, das von der UEFA die begehrte Fünf-Sterne-Auszeichnung erhielt.

HELD DER FANS

Manschaftskapitän Nuno Gomes war über Jahre der Favorit der Fans; der Angreifer steht vor seiner inzwischen zwölften Saison im Benfica-Trikot. Unterbrochen von einem zweijährigen Abstecher in die Serie A zum AC Florenz, spielt er seit 1997 für den Klub. Doch mit inzwischen 34 Jahren steht Gomes im Spätherbst seiner Fußballerkarriere und ist nicht mehr gesetzt. Der Argentinier Aimar zählt ebenfalls zu den Publikumslieblingen, gehört der offensive Mittelfeldspieler doch zu den Aktivposten im Lissaboner Offensivspiel. Ihn zeichnet blendendes Spielverständnis zu den beiden etatmäßigen Angreifern aus, den dribbelstarken und wendigen Landsmann Javier Saviola und Tormaschine Cardozo.

GOAL.COM-PROGNOSE

Die Gruppe B stellt für Benfica keine leichte Aufgabe dar. Vorjahres-Halbfinalist Olympique Lyon und der FC Schalke 04 sind vermutlich die härtesten Hürden im Kampf um das Achtelfinale, wenngleich Außenseiter Hapoel Tel Aviv nicht unterschätzt werden darf. Schließlich setzte sich Hapoel in den Qualifikationsrunden für die Champions League-Gruppenphase nicht grundlos durch. Unser Tipp: Benfica kämpft mit Schalke um den zweiten Platz, wird sich aber letztlich mit Rang drei und somit der Herabstufung in die Europa League begnügen müssen.


Match-Zentrale
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POR1 Gil Vicente - Benfica 12.08.11 01:00 CEST
  
Top-Torjäger
Spieler Tore Elfmeter
Oscar Cardozo Oscar Cardozo
Angriff
Benfica
26 5
Nolito Nolito
Mittelfeld
Benfica
13 0
Bruno César Bruno César
Mittelfeld
Benfica
12 0
Rodrigo  Moreno Machado(Rodrigo) Rodrigo Moreno Machado(Rodrigo)
Angriff
Benfica
10 0
Javier Saviola Javier Saviola
Angriff
Benfica
5 0