Kölner Konferenz: Soldo und Podolski im Gespräch (Getty)
(frd) Köln. Der Vorjahres-Deal um Lukas Podolski hat seine Spuren beim 1. FC Köln hinterlassen: Zoran Tosic konnte nicht gehalten werden, bis auf Alexandru Ionita präsentierte Manager Michael Meier keine großen Investitionen. Am Rhein will man sich von einer verwöhnten Multi-Kulti-Truppe zu den jungen Wilden der Liga verwandeln. Schöne Aussichten für die neue Bundesliga-Saison oder heikles Risiko? Der Goal.com-Teamcheck.

TEST & WAHRHEIT

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger legte Zvonimir Soldo den Schwerpunkt auf Gegner mit internationalem Format, um seine Talente früh nach einigen Warmschießereien gegen gegen Amateurteams auf den Ernstfall vorzubereiten. Mehrere Spiele die Woche schlugen auf die Kondition, sowohl gegen den RSC Anderlecht (0:1), den RC Lens (1:2), einer C-Garnitur des FC Bayern München (1:3 nach Elfmeterschießen) und den Hamburger SV (0:3) gab es eine Niederlage. Als am 04. August die „Geißböcke“ nach einem 0:0 gegen Germania Windeck zum fünften Mal in Serie torlos blieben kam, läuteten im Boulevard bereits die Alarmglocken.

1. FC Köln: Alle Infos

Die Freundschaftsspiele im Trainingslager in Tröpolach gegen Lens und Al Hilal (0:0) endeten mit Tätlichkeiten und Platzverweisen, doch bei der Generalprobe gegen Sampdoria Genua wusste der 1. FC Köln ebenso zu überzeugen, wie beim 5:2 gegen Fenerbahçe Istanbul. Obwohl der Champions-League-Play-Off-Gegner Werder Bremens in seiner A-Elf mit Pazzini, Cassano & Co auflief, konnten die jungen „Geißböcke“ dagegenhalten und nach Treffern von Freis und Novakovic die Vorsaison mit einem Erfolgserlebnis abschließen.

KOMMEN & GEHEN

Der Aufstieg und der Podolski-Transfer haben dem FC Substanz gekostet, 2010/2011 muss deshalb der Gürtel enger geschnallt werden, um für schwarze Zahlen zu sorgen. Dementsprechend lange dauerte der Poker um Mittelfeldriesen Martin Lanig, der für 700.000 € aus Stuttgart an den Rhein wechselte. Linksverteidiger-Alternative Konstantinos Giannoulis kam für 300.000 € aus Griechenland, Brecko-Konkurrent Andrezinho ablösefrei aus Portugal. Bereits im Laufe der Rückrunde wurde mit Alexandru Ionita der größte Einkauf getätigt: Der junge Knipser kam für 2,5 Millionen € von Rapid Bukarest und wir in seiner Heimat als der „neue Dzeko“ gehandelt. Die Schlagzeilen fernab des Platzes hat er jedenfalls schon einmal geerbt.

Der Transfermarkt: Alle Wechsel

Generell vertraut Soldo der Jugend: Mit Mark Uth (Angreifer), Timo Horn (Torwart), Stephan Salger (Verteidiger), Christian Clemens (Mittelfeld), Reinhold Yabo (Verteidiger/Mittelfeld) und Bienvenue Basala-Mazana stiegen einige Toptalente aus der eigenen Jugend in den A-Kader auf und dürfen mit Einsätzen rechnen. Außerdem wurde Fulhams Jungnationalspieler Christopher Buchtmann sowie Mato Jajalo verpflichtet. Der kroatische U-21 Kapitän kam von Serie-A-Absteiger AC Siena per Leihe an den Rhein. Der 1. FC Köln besitzt eine Kaufoption für den Mittelfeldmann, der unter Soldo gesetzt ist.



Top-Transfer: Mato Jajalo ist unter Soldo gesetzt

Um Spielpraxis zu bekommen wurde Thomas Kessler an den FC St. Pauli verliehen. Kroate Miro Varvodic wurde für kleines Geld endgültig verpflichtet und geht als Nummer 2 in die Saison. Marvin Matip kam zwar aus Karlsruhe zurück, darf sich jedoch ebenso einen neuen Verein suchen wie Manasseh Ishiaku, der bei Celtic Glasgow zum Probetraining eingeladen wurde. Für Entlastung im Gehaltsgefüge sorgten die Abgänge von Pierre Womé und Maniche. Moskau stach mit gut 9 Millionen € Ablöse den Bundesligisten klar aus im Rennen um ManUnited-Dribbler Zoran Tosic, der in der Rückrunde mit seiner Leistung den Klassenerhalt sicherte. Michael Gardwaski sammelt bei Stuttgart II Erfahrung in Liga 3, Sebastian Zielinsky will sich in Ingolstadt durchsetzen.

STÄRKEN & SCHWÄCHEN

Über Beton brauchen sich die Domstädter keine Sorgen zu machen: Mit Pedro Geromel und Youssef Mohamad verfügt man über eine Spitzen-Innenverteidigung, auch wenn der begehrte Brasilianer wegen Verletzungspech keine optimale Vorbereitung genießen konnte. Mit Kevin McKenna steht jedoch für den Fall der Fälle ein zufälliger Backup bereit. Zvonimir Soldo hat sein System auf die starke Mittelfeldzentrale in ein 4-3-1-2 umgestellt: Mit Petit, Jajalo, Adam Matuschyk, Martin Lanig und Kevin Pezzoni verfügt man über fünf Kandidaten mit Bundesliga-Niveau. Taner Yalcin hat nach starker Vorbereitung Chancen auf einen Platz im offensiven Mittelfeld. Seinen Durchbruch erwartet und erhofft man sich nun endlich.

1. FC Köln: Die Erfolge

Obwohl der FC Top-Manndecker hat, drückt der Schuh auf den Außenverteidigerpositionen gewaltig. Hier kommt nicht nur zu wenig Schwung nach vorne, sondern entstehen auch Gegentore. Fabrice Ehret schien wegen seiner Anlagen eigentlich prädestiniert als Offensiverteidiger auf links, doch enttäuschte in der Vorbereitung maßlos. Stephan Salger träumt nun von einer Chance. Miso Brecko bekam mit Andrezinho zwar Konkurrenz, doch hat nach seiner WM-Euphorie zunächst die Nase vorn. Vergangenes Jahr war vor allem die Anbindung zwischen Mittelfeld und Sturm das große Problem. Es gab Spiele, da hatten Milivoje Novakovic und Lukas Podolski kaum Bälle bekommen. Dies muss sich dringend ändern. Mit Adil Chihi und Christopher Schorch werden zwei Youngster nach langen Verletzungen erst einmal die Zeit damit verbringen, in die Spur und ihren Platz im neuen System zu finden.

TRAINER & TAKTIK


Kaum jemand hat Newcomer Zvonimir Soldo zugetraut, die Saison beim FC zu beenden, vor allem nachdem er zu Saisonbeginn die rote Laterne inne hatte. Doch der Kroate hat sich im Kölner Haifischbecken behauptet und genießt zusammen mit Assistent Henke großes Vertrauen bei der Vereinsführung.
Nach dem Daum-Erbe hat Soldo nun erstmals die Möglichkeiten seine Philosophie umzusetzen. Das neue 4-3-1-2 reflektiert die Stärken des Kaders: Nach der Vorbereitung deutet sich an, dass Jajalo, Lanig und Petit hinter „Zehner“ Taner Yalcin den Mittelfeldblock bilden und Lukas Podolski neben Novakovic im Sturm antritt. Neuzugang Ionita und Trainingsweltmeister Freis bleibt zunächst nur ein Platz auf der Bank. Mondragon, Geromel und Mohamad gelten hinten als gesetzt. Spannend wird die Frage nach den Außenverteidigern: Brecko und Salger scheinen in die Saison zu starten. Ob sie sie dort auch beenden?

GOAL.COM-PROGNOSE

Der 1. FC Köln geht ein hohes Risiko ein, in dem er vor allem auf Talente vertraut. Nach dem letzten Jahr hat man jedoch gelernt: Einstellung ist wichtiger als Aufstellung und der neue Konkurrenzkampf auf nahezu allen Positionen wird dem Team schon Beine machen. Der Spielplan ist ausgeglichener als im Vorjahr, so dass den Domstädter für ein langweiliges und unbrisantes Jahr im Tabellenmittelfeld nichts im Wege steht. Einen zehnten Platz zum Saisonende dürfte man als Erfolg verbuchen.



Auf geht's: Köln freut sich auf die kommende Saison



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Top-Torjäger
Spieler Tore Elfmeter
Lukas Podolski Lukas Podolski
Angriff
1. FC Köln
18 3
Milivoje Novakovic Milivoje Novakovic
Angriff
1. FC Köln
7 0
Mato Jajalo Mato Jajalo
Mittelfeld
1. FC Köln
5 0
Christian Clemens Christian Clemens
Mittelfeld
1. FC Köln
5 0
Adil Chihi Adil Chihi
Angriff
1. FC Köln
2 0