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Normalerweise spricht man nach einer Spielzeit wie der abgelaufenen von einem „Jahr zum Vergessen“ - in Vergessenheit geraten wird die Saison 2009/10 bei Hannover 96 aber wohl nie. Zu schrecklich waren die Ereignisse um den Freitod Robert Enkes, zu dramatisch der sportliche Werdegang und zu einprägend die Bilder nach dem furiosen Finish. Nach dem in letzter Sekunde verhinderten Bundesliga-Abstieg gilt es nun für das Team um Coach Mirko Slomka, die Saison 2010/11 in ruhigerem Fahrwasser zu verbringen.
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TEST & WAHRHEIT
Die Testspiele verliefen allerdings sehr durchwachsen und machten wenig Mut für die kommende Spielzeit. Nach einem relativ verheißungsvollen Start in die Vorbereitungsphase, die mit einem 4:2 gegen Wisla Krakau (2. der polnischen Liga) eingeleitet wurde und mit zwei Schützenfesten gegen unterklassige Teams ihre positive Fortsetzung fand, blamierte man sich beim 1:1-Unentschieden gegen Fünftligist TSV Ottersberg bis auf die Knochen.
Es folgten zwei Niederlagen gegen Roter Stern Belgrad (2:3) und den türkischen Erstligisten Kayserispor S.K. (0:2), gegen Thomas Dolls Genclerbirligi Ankara konnte man immerhin einen 1:0-Sieg einfahren. Im Härtetest gegen den Champions-League-Teilnehmer FC Valencia spielte man nur die ersten 20 Minuten gut mit, geriet nach dem 0:1 aber aus dem Tritt und verlor verdient mit 1:2. Immerhin zeigte man sich beim 30:0-Sieg gegen den Kreisligisten TSV Dollbergen treffsicher, das 1:1 beim Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück war hingegen wieder ernüchternd.
KOMMEN & GEHEN
Die Abgänge bei Hannover waren zahlreich. Jacek Krzynowek und Uwe Gospodarek haben ihre Karrieren beendet, Jan Durica, Arouna Koné und Elson sind nach der halbjährigen Ausleihe wieder zu ihren Heimatvereinen zurückgekehrt. Die Verpflichtung von Letzterem war eigentlich schon so gut wie fix, scheiterte aber, weil Elson durch den Medizincheck fiel. Nicht wenige in Hannover bedauern deshalb, dass der Vertrag von Arnold Bruggink nicht verlängert - denn nun steht man (zumindest vorerst) ohne Spielmacher da. Bedauerlich ist auch der Abgang von Hanno Balitsch, der in den letzten Jahren einer der Führungsspieler bei den „Roten“ war und nun zu Bayer Leverkusen wechselt.
Vergessen darf man natürlich nicht Kult-Stürmer Jiri Stajner, der nach acht Jahren bei 96 zu seinem Heimatverein Slovan Liberec zurückkehrt. Aber damit ist die Liste der Abgänge noch nicht abgehandelt: Jan Rosenthal wechselt zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg, zudem verlassen Vinicius, Sofien Chahed und Salvatore Zizzo den Verein.
Der Transfermarkt: Alle Wechsel
Bei den Zugängen erhofft man sich vor allem von Flügelspieler Carlitos (kam vom FC Basel) und Innenverteidiger Emanuel Pogatetz (FC Middlesbrough), dass sie der Mannschaft im nächsten Jahr weiterhelfen können. Aus der zweiten Liga wurden die beiden Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp und Lars Stindl sowie Torhüter Markus Miller verpflichtet - Letzterer soll den Druck auf Florian Fromlowitz erhöhen.

Als Perspektivverpflichtung darf der 21-jährige Keeper Ron-Robert Zieler gelten, der von der Jugend Manchester Uniteds geholt wurde. Zudem stoßen Willi Evseev und Christopher Avevor aus der eigenen Jugend in den Profikader, wobei vor allem Evseev in den Testspielen durchaus gute Ansätze gezeigt hat. Bis zum Ende der Transferperiode sollen noch ein bis zwei Spieler verpflichtet werden, wobei man nach Verstärkungen im Sturm und auf der Spielmacherposition Ausschau hält.
STÄRKEN & SCHWÄCHEN
Die Schlussphase der vergangenen Saison hat gezeigt: Die Mannschaft ist durchaus in der Lage zu fighten und zu beißen, sie war im entscheiden Moment voll da und hat dabei teilweise sogar gute spielerische Ansätze gezeigt - darauf sollte man aufbauen. In jenen Tagen hat sich gezeigt, dass der Zusammenhalt im Team stimmt - ein Eindruck, der auch in der Vorbereitungsphase bestätigt wurde, die Stimmung unter den Mannschaftskollegen scheint durchaus gut zu sein.
Die Achillesferse der vergangenen Saison war zweifelsfrei die Abwehr, mit 67 Gegentoren kassierte 96 die meisten Gegentreffer aller Bundesligisten. Inwiefern Neuverpflichtung Emanuel Pogatetz der hannoverschen Defensive mehr Sicherheit geben kann, wird sich zeigen. Aber auch im Spiel nach vorne hapert es, zumal Spielmacher Elson nun wohl doch nicht vom VfB Stuttgart kommt. So ist die Zehner-Position nachwievor vakant, und ob bei den begrenzten finanziellen Mitteln bis zum Ablauf der Transferperiode noch ein adäquater Spielmacher gefunden werden kann, ist fraglich.
Zudem hat das Testspiel gegen Valencia bewiesen, dass eine große Schwäche, die sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Saison zog, anscheinend noch nicht abgestellt wurde: Das Team ist einfach nicht in der Lage zu sein, Rückschläge zu verkraften. Nachdem man gegen Valencia 20 Minuten gut mitgespielt und das Match bestimmt hatte, ging nach dem 0:1 jegliche Ordnung verloren. Ein Phänomen, das man viel zu oft bei den 96ern beobachten kann: Die Mannschaft kann noch so gut aufspielen - sobald das Gegentor fällt, scheint das Selbstvertrauen komplett dahin. Das Spiel wird in diesen Fällen viel zu häufig aus der Hand gegeben - was nicht gerade ein Indiz für mentale Stärke ist.
TRAINER & TAKTIK
Nachdem Mirko Slomka bereits von 2001 bis 2004 als Co-Trainer von Ralf Rangnick bei 96 tätig war, übernahm im Januar dieses Jahres den Posten als Chefcoach - zu einem Zeitpunkt, als das Team mit dem Rücken zur Wand stand. Hannover hatte - geschockt vom Freitod Robert Enkes - aus den vorangegangen sieben Spielen lediglich zwei Punkte geholt und stand auf dem Relegationsplatz. Aber Slomka konnte die Wende zunächst nicht einleiten - auch die nächsten sechs Partien gingen verloren. Dann aber gelang es dem Coach die Mannschaft in der schwierigen Situation auf den Abstiegskampf einzustellen, letztendlich sicherte man sich knapp den Klassenerhalt - und Slomka sich so den Job.
Taktisch vertraut Slomka auf das 4-2-3-1, das die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika so hervorragend praktiziert hatte. Mit dem derzeitigen Spielermaterial ist dabei auf den Außen mit Neuzugang Carlitos und Didier Ya Konan zu rechnen, wobei Jan Schlaudraff hinter der Spitze Mike Hanke agiert. Die Doppelsechs wird von Eigengewächs Manuel Schmiedebach und Sergio Pinto gebildet, in der Vierer-Abwehrkette stehen auf den Außen Christian Schulz und Steven Cherundolo, Emanuel Pogatetz und Karim Haggui scheinen in der Innenverteidigung gesetzt.
GOAL.COM-PROGNOSE
Schwierig, dieses 96 einzuschätzen. Die schwache Vorbereitung verheißt nichts Gutes, so ist es durchaus denkbar, dass Hannover auch in diesem Jahr wieder in den Abstiegsstrudel gerät. Es wird nicht zuletzt von den angekündigten Neuverpflichtungen und den ersten Saisonspielen abhängen, inwiefern man eine Spielzeit wie die letzte vermeiden kann. Läuft alles gut, ist sogar ein einstelliger Tabellenplatz im Bereich des Möglichen - realistischer ist allerdings ein Rang im unteren Mittelfeld.

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| 1.BL | Hannover - Kaiserslautern | 2 - 1 |
| 1.BL | Leverkusen - Hannover | 1 - 0 |
| 1.BL | Hannover - Freiburg | 0 - 0 |
| 1.BL | HSV - Hannover | 1 - 0 |
| 1.BL | Hannover - Wolfsburg | 2 - 0 |
| 1.BL | Schalke - Hannover | 3 - 0 |
| EL | Hannover - Atletico Madrid | 1 - 2 |
| 1.BL | Hannover - Gladbach | 2 - 1 |
| Momentan keine Spiele |
| Spieler | Tore | Elfmeter | |
|---|---|---|---|
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|
Mohammed Abdellaoue
Angriff Hannover |
16 | 3 |
|
|
Jan Schlaudraff
Angriff Hannover |
7 | 2 |
|
|
Didier Ya Konan
Angriff Hannover |
7 | 0 |
|
|
Lars Stindl
Mittelfeld Hannover |
6 | 1 |
|
|
Christian Pander
Abwehr Hannover |
4 | 0 |