Das Aluminium verhindert Frankreich-Triple
Am Ende fanden beide Mannschaften ihren Frieden mit dem Resultat, das sie beide in die nächste Runde bringt. Die Gastgeber blieben diesmal ohne ihr spätes Tor.

Gastgeber Frankreich hat in seinem dritten EM-Spiel in Gruppe A den dritten Sieg in Folge verpasst. Das Duell mit der Schweiz im Stade Pierre-Mauroy in Lille endete 0:0. Beide Mannschaften sind für das Achtelfinale qualifiziert.

Vor 50.000 Zuschauern hatte Frankreich genügend Torchancen, um einen deutlichen Sieg einzufahren. Mehrfach rettete für die Schweiz das Aluminium. Während Frankreich mit sieben Punkten Gruppensieger ist und am 26. Juni (15 Uhr) sein Achtelfinale in Lyon bestreitet, geht es für die Schweiz (fünf Punkte) am 25. Juni (15 Uhr) in St. Etienne weiter.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Deschamps tauscht im Vergleich zum 2:0-Sieg über Albanien das komplette zentrale Mittelfeld aus: Cabaye, Pogba und Sissoko rücken für Kante, Matuidi und Payet in die Startelf. Zudem beginnen Griezmann und Gignac für Martial und Giroud.

Bei der Schweiz gibt es gegenüber dem 1:1 gegen Rumänien nur eine Änderung: In der Sturmspitze beginnt Embolo für Seferovic.

8.: Erstes dickes Ding für die Schweiz! Nach einer Hereingabe von rechts köpft Schär den Ball auf den langen Pfosten, wo Djourou den Ball im Fallen nicht ins Tor gestochert bekommt. Die Franzosen können einen Meter vor der Linie klären.

12.: Pogba bekommt 20 Meter vor dem Tor den Ball und schlenzt ihn direkt in Richtung rechtes oberes Toreck. Sommer ist da, ihm rutscht der Ball aber durch die Hände und dann auf die Latte.

13.: Und wieder Pogba! Der wird halblinks im Strafraum freigespielt und zieht mit links direkt ab. Sommer streckt sich zum langen Pfosten, um den Ball noch zur Ecke zu lenken.

17.: Pogba zum Dritten! Und wie! 30 Meter vor dem Tor bekommt er den Ball zugespielt, geht noch fünf Meter und jagt die Kugel dann aus vollem Lauf mit links an die Latte! Das hätte das 1:0 verdient gehabt.

57.: Griezmann nimmt im Zentrum Fahrt auf und spielt am Sechzehner den Doppelpass mit Gignac. Girezmann zieht in den Strafraum, schließt ab und zwingt Sommer zu einer starken Reaktion.

75.: Rumms! Sissoko tankt sich zum wiederholten Mal über rechts durch und spielt dann den perfekten Ball auf den langen Pfosten. Payet kommt angerauscht und nagelt die Kugel volley an die Latte.

Fazit: Letztlich etwas glücklicher, aber tapfer erkämpfter Punkt für die Schweiz. Frankreich vergab zu viele Großchancen und hätte schon früh den Sack zumachen müssen.

Der Star des Spiels: Paul Pogba. Trieb Frankreich vor allem in der ersten Hälfte im Alleingang an - und sorgte für eine gefährliche Aktion nach der nächsten. Omnipräsent, führte die meisten Zweikämpfe aller Spieler. Flachte aber nach der Pause etwas ab.

Der Flop des Spiels: Xherdan Shaqiri. Fiel hauptsächlich durch Lamentieren und verlorene Zweikämpfe auf (nur 26,7 Prozent gewonnene Duelle). War über die Flügel keine Bereicherung. Wurde entsprechend ausgewechselt.

Der Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien). Sehr souveräne Leitung. Ließ sich nicht von der Stimmung beirren, blieb in seiner Auslegung konsequent. Richtig, Rami für sein gefährliches Spiel mit Gelb zu verwarnen (26.). Auch sonst mit gutem Auge.

Das fiel auf:

- Frankreich begann im 4-3-3, das sich offensiv aber eher zu einem 4-1-2-2-1 entwickelte. Cabaye spielte den defensiven Mittelfeldpart auf der Sechs, davor postierten sich halblinks und halbrechts Pogba und Sissoko auf der Achter-Position. In der Spitze bewegte sich Gignac an vorderster Front, die Außen Coman und Griezmann ließen sich immer wieder in die zentralen Halbräume fallen.

- Die Schweiz setzte dem das bewährte 4-2-3-1 entgegen, wobei die Nati gerade beim Spielaufbau große Probleme in Sachen Verantwortlichkeiten hatte. Hauptproblem war, dass Behrami stets versuchte, die Xhaka-Rolle als Aufbauspieler einzunehmen. Immer wieder ließen sich beide Sechser gleichzeitig zwischen die Innenverteidiger fallen, sodass im Mittelfeld ein riesiges Loch klaffte und Anspielstationen fehlten.

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- Frankreichs Umschalten nach Ballgewinn war in der ersten Hälfte eine echte Waffe. Pogba und Sissoko trugen den Ball mit Tempo durch das Zentrum nach vorne und verlagerten dann auf die schnellen Flügel. So entzerrte Frankreich die Schweizer Viererkette und hatte dann beim Rückpass in die Mitte mehr Anspielstationen durch die nachrückenden Zentrumsspieler. Das führte zu mehreren gefährlichen Abschlüssen aus dem Rückraum. Nach der Pause stellte Pogba seine Aktionen etwas ein - das machte sich im Kollektiv direkt bemerkbar.

- Die Abstimmung der Schweizer bei Standards passte anfangs überhaupt nicht. Mehrfach griff Sommer daneben oder wurde von einem Mitspieler bedrängt. Auch bei den Zuordnungen der Gegenspieler stimmte die Kommunikation nicht immer. Das galt auch für das zentrale Mittelfeld. Oft nahmen sich gleich drei Schweizer Pogba an, sodass der bei Ballbehauptung mehrere freie Mitspieler vorfand und leicht nach vorne kombinieren konnte.

- Auch das Defensiv-Umschalten der Franzosen war richtig gut. Bei Schweizer Kontern schafften die Gastgeber direkt wieder Überzahl hinter dem Ball, weil Abwehr und Mittelfeld im Sprint nach hinten marschierten.

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