Starke Kroaten stürzen Spanien vom Gruppen-Thron
Die Furia Roja geht zunächst in Führung, die Kroaten fighten sich aber eindrucksvoll zurück. Ein Ex-Bundesligastar wird zum Helden. Die Analyse.

Am 3. Spieltag der EM-Gruppe D besiegt Kroatien Titelverteidiger Spanien mit 2:1 (1:1). Alvaro Morata, Ivan Kalinic und Ivan Perisic erzielten die Tore, das Ergebnis reicht beiden zum Erreichen des Achtelfinals.

Vor 42.000 Zuschauern im Stade de Bordeaux brachte Alvaro Morata (7.) die spanische Nationalmannschaft früh in Führung. Ivan Kalinic (45.) glich vor der Pause aus, es war das erste Gegentor für Spanien bei einer Euro seit 2012 (1:1 im ersten Gruppenspiel gegen Italien).

Sergio Ramos vergab einen Foulelfmeter gegen Danijel Subasic (71.). Ivan Perisic (87.) erzielte kurz vor Schluss den Siegtreffer für seine Farben.

Damit trifft Spanien im Achtelfinale wohl auf Italien, Kroatien bekommt es nach jetzigem Stand mit der Slowakei zu tun. Es droht ein Duell Spanien/Italien mit dem DFB-Team im Viertelfinale.

Cesc Fabregas sammelte nicht nur seinen 32. Assist im Trikot der Nationalmannschaft, er komplettierte gleichzeitig auch die 6.000 Einsatzminuten Minuten für Spanien.

Vor der Partie war über einen Angriff auf Schiedsrichter Björn Kuipers spekuliert worden. In der 30. Minuten sollte ein Platzsturm erfolgen, es blieb allerdings alles ruhig.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: 

Ante Cacic verspielte zuletzt einen Sieg gegen Tschechien (2:2) und ändert sein Team auf satten fünf Positionen. Jedvaj, Vrsaljko, Rog, Pjaca, Kalinic sind neu in der Mannschaft. Dafür gehen Strinic, Modric, Brozovic, Mandzukic und Vida raus.

Vicente del Bosque sieht auch nach dem 3:0-Sieg über die Türkei keine Notwendigkeit, seine Startelf zu ändern. Zum ersten Mal seit sechs Jahren bleibt das Team in drei aufeinanderfolgenden Spielen ohne Änderung.

7., 0:1, Morata: Toller Angriff der Spanier über Silva, der von rechts nach innen zieht und dann auf den einlaufenden Fabregas durchsteckt. Dieser legt quer für Morata, ganz einfaches Tor für den Mittelstürmer.

12.: Schneller Gegenangriff der Kroaten, Kalinic zieht aus der Distanz völlig ungestört ab. De Gea wehrt den strammen Schuss zur Seite ab, die anschließende Ecke wird nur geringfügig gefährlich.

14.: De Gea vertändelt im Strafraum ein schlechtes Zuspiel an einen nachsetzenden Kroaten. Rakitic fällt der Ball vor die Füße, der anschließende Lupfer segelt auf das lange Kreuzeck zu. Doppelt Aluminium und anschließend in die Hände des Torwarts!

28.: Silva auf Fabregas, der rüber zu Nolito. Es geht einfach im kroatischen Strafraum, der Abschluss wird dann aber immerhin geblockt und geht knapp am Tor vorbei.

45., 1:1, Kalinic: Perisic lässt links Juanfran stehen und flankt nach innen. Dort touchiert Rakitic maximal, dahinter ist aber Kalinic zur Stelle, der sehenswert mit der Außenseite an de Gea vorbei zum Ausgleich trifft.

57.: Nach Flanke von Srna segelt de Gea vorbei, Jedvaj kommt zum Abschluss, trifft aber nur den Torhüter. Kalinic versucht sich per Fallrückzieher, doch auch er kann den Ball nicht im Kasten unterbringen.

67.: Ramos steigt bei einer Ecke am höchsten, verfehlt den langen Pfosten aber um einen Meter.

71.: Nach Foul von Vrsaljko an Silva darf Ramos sich nochmals versuchen. Der Kapitän tritt zum Elfmeter an und scheitert peinlich mit einem mittigen Schuss. Subasic stand allerdings sehr weit vor der Linie.

87., 2:1, Perisic: Starker Konter der Kroaten über Badelj und Kalinic, der belohnt wird. Perisic kann nach Laufduell gegen Alba abschließen, Pique fälscht noch ab. De Gea lässt die kurze Ecke sträflich offen.

Fazit: Starke Kroaten boten Spanien erfolgreich die Stirn. Auch ohne Modric und Mandzukic sah sich der Titelverteidiger einer disziplinierten, kompakten Abwehr mit schnellem Vertikalspiel gegenüber und fand nie zu seinem Spiel.

Der Star des Spiels: Ivan Perisic zeigte sich in Abwesenheit der beiden großen kroatischen Leistungsträger. Er übernahm das Ankurbeln der Offensive über seine Seite, bereitete den Ausgleich vor und erzielte die Führung selbst. War zudem defensiv immer auf dem Posten und half mit, wo er nur konnte.

Der Flop des Spiels: Sergio Ramos machte ein katastrophales Spiel. Der sonst so wichtige Verteidiger agierte schlampig im Spielaufbau, hatte seine Schwierigkeiten mit dem unangenehmen Kalinic und ließ ihn so unter anderem vor dem Gegentor erwischen. Foulte Pjaca im eigenen Strafraum, vergab den Elfmeter auf der anderen Seite und agierte fortan hochriskant und überambitioniert. 

Der Schiedsrichter: Bjoern Kuipers (Niederlande) stand schon im Vorfeld der Partie im Fokus. Leitete die für ihn schwierige Partie größtenteils souverän. Klärte manche überharten Einsätze oder Nickligkeiten lieber verbal als mit Karten. Große Makel: Pjaca hätte nach Foul von Ramos Elfmeter bekommen müssen, der Pfiff gegen Vrsaljko war überhart. Streng genommen hätte der Elfmeter zudem wiederholt werden müssen, Subasic stand sehr weit vor dem Tor.

Das fiel auf:

- Die Spanier spielten wie so oft ihren Stiefel. Silva zog von der rechten Seite des Öfteren in die Mitte, Nolito zeigte sich auf der linken Seite mehr zum Tor ausgerichtet und damit klassischer im Zusammenspiel mit Linksverteidiger Alba. Morata in der Mitte zeigte sich sehr beweglich, fiel zurück oder wich auf die Flügel aus.

- Gegen den Ball verteidigte Spanien oft in einer Art 4-1-4-1, bei der sich Nolito etwas asymmetrisch und damit höher als Silva auf der anderen Seite positionierte. Morata stellte nur situativ Druck auf die gegnerischen Verteidiger her. Das eigene Gegenpressing war allerdings nicht immer optimal, oft wurde die Balleroberung knapp verpasst.

- Gegner Kroatien zeigte sich in diesen Punkten nicht unähnlich. Sie schoben weit in die spanische Hälfte und setzten die gegnerischen Verteidiger direkt unter Druck, wenn die Möglichkeit zum Zugriff bestand. Die Iberer versuchten sich spielerisch zu lösen, mussten aber auch gefährliche Ballverluste riskieren. Insgesamt eine sehr gute Leistung Kroatiens gegen den Ball.

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- Fabregas und Silva spielten einige interessante Rollenwechsel. Während der Mann von City zurückfiel, stieß Fabregas oft nach vorne. Ging Silva von rechts nach innen, suchte er dort die Nähe zu Fabregas, um sich mit Doppelpässen nach vorne zu kombinieren. Defensiv sah man oft Silva innen und Fabregas außen.

- Die Kroaten zeigten sich mit Ball ambitioniert, wagten allerdings nicht die riskanten Zuspiele. Das lag vor allem an einer komischen Staffelung, die das Team von Cacic extrem flach werden ließ, wenn die Innenverteidiger in Ballbesitz waren. Das Mittelfeld war praktisch nicht präsent, sondern rückte weit mit auf, die Außenverteidiger blieben tief. Hier fehlte Modric deutlich.

- Del Bosque reagierte in der zweiten Halbzeit auf die zunehmende Kontrolle der Kroaten und brachte mit Bruno für Nolito einen weiteren Mann für das Mittelfeld. Alba beackerte die linke Seite fortan beinahe alleine, Bruno und Busquets übernahmen das Zentrum hinter Fabregas, Iniesta und Silva. Die beiden Innenverteidiger rückten mit Absicherung durch einen der beiden Sechser extrem weit in den Halbräumen nach vorne.

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