Island und Ungarn trennen sich remis
Die Isländer sind lange auf der Siegerstraße, müssen sich aber mit einem Punkt begnügen. Ungarn nimmt indes Kurs in Richtung Achtelfinale. Die Analyse.

Island hat den ersten Sieg bei der EM 2016 in Frankreich knapp verpasst. Im direkten Duell der beiden Überraschungsmannschaften der Gruppe F gab es ein 1:1 (1:0) gegen Ungarn.

Vor 67.000 Zuschauern im Velodrome in Marseille stand Island über weite Strecken der Partie tief in der eigenen Hälfte. Doch noch im ersten Durchgang bekamen die Nordlichter einen umstrittenen Foulelfmeter zugesprochen, den der Ex-Hoffenheimer Gylfie Sigurdsson (39.) verwandelte.

Ungarn rannte auch in der zweiten Halbzeit verzweifelt an, schaffte es lange jedoch nicht, das Defensivbollwerk der Isländer zu knacken. In der 88. Minute gelang den Ungarn allerdings noch der Ausgleich. Der Isländer Birkir Saevarsson lenkte den Ball unmittelbar vor dem Schlusspfiff ins eigene Tor.

Ungarn bleibt nach dem Auftaktsieg gegen Österreich somit auf Achtelfinalkurs. Island feierte im zweiten EM-Spiel der Geschichte den zweiten Punkt und kann ebenfalls noch weiterkommen.

Vor dem Spiel kam es erneut zu Auseinandersetzungen. Beide Fanlager waren im Stadion aneinander geraten.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: 

Islands Coach Lars Lagerbäck sieht nach der EM-Premiere gegen Portgual (1:1) keinen Grund, sein Team zu verändern. Er schickt die gleiche Elf ins Rennen.

Anders ist die Situation bei Ungarn. Trotz des 2:0-Erfolges gegen Österreich tauscht Bernd Storck gleich auf mehreren Positionen. Juhasz kommt für den verletzten Fiola (Sprunggelenk) ins Team. Er startet zentral in der Viererkette und Lang rutscht nach rechts. Vorne starten Stieber und Priskin statt Nemeth und Szalai.

10.: Der Ball kommt an den Fünfer, wo Kiraly unsicher ist. Der Ball bleibt im Spiel. Bödvarsson kommt anschließend zum Kopfball, nickt aber drüber.

31.: Schlimmer Fehler von Kadar, der den Ball im eigenen Sechzehner gegen Gudmundsson verliert. Dieser hat aber nicht die Ruhe, um das Leder am Keeper vorbeizuschieben.

38.: Elfmeter für Island! Kiraly lässt den Ball nach einer Flanke von rechts fallen und greift im Fallen nach. Sigurdsson fällt über den stürzenden Keeper. Schiri Karasev zeigt auf den Punkt - eine Fehlentscheidung.

39., 1:0, Sigurdsson: Sigurdsson legt sich den Ball auf den Punkt, verlädt Kiraly und schießt links unten ins Tor.

60.: Sigurdsson flankt von links an den Fünfer und dort kommt Kolbeinn Sigthorsson zum Kopfball - knapp drüber.

88., 1:1, Saevarsson: Nikolic spielt das Leder nach Doppelpass in die Mitte dicht vor das Tor und beim Versuch vor dem lauernden Böde zu klären, trifft Saevarsson ins eigene Tor.

90.+4: Sigurdsson schießt den Ball in die Mauer, aber der Ball springt Eidur Gudjohnsen vor die Füß, doch der Schuss des 37-Jährigen wird abgefälscht und landet im Toraus.

Fazit: Ereignisarmes Spiel, in dem Ungarn deutlich mehr investierte, ein ums andere Mal allerdings an der gut organisierten isländischen Defensive scheiterte.

Der Star des Spiels: Tamas Kadar. Kurbelte das Spiel der Ungarn auf der linken Abwehrseite unermüdlich an. Nahezu jeder gefährliche Angriff ging über seine Seite. Spielte mit 101 Pässe drei Mal als der beste Isländer (Skulason mit 33) und brachte davon starke 90 Prozent zum Mitspieler. Auch seine 128 Ballaktionen sprechen Bände.

Der Flop des Spiels: Tamas Priskin. Klar, der Stürmer hatte an vorderster Front gegen das Island-Bollwerk einen schweren Stand. Doch Priskin brachte in seinen 66. Minuten rein gar nichts zu Stande. Hing komplett in der Luft und kam lediglich 14 Mal an den Ball. Seine Passquote ist auf den ersten Blick stark (100 Prozent), er spielte jedoch auch nur fünf Pässe.

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Der Schiedsrichter: Sergei Karasev (Russland). Hatte über weite Strecken der Partie keinerlei Probleme und ließ meist gut laufen. Machte mit seinem Elfmeterpfiff in der 38. Minute jedoch einen folgenschweren Fehler, der für den weiteren Spielverlauf mit entscheidend war.

Das fiel auf:

- Ungarn war vom Start weg deutlich besser in der Partie und übernahm die Spielkontrolle. Im Aufbau machte die Storck-Elf das Spiel extrem breit. Die Innenverteidiger waren oft an der Außenlinie zu finden, Nagy löste sich aus der Umklammerung von Bödvarsson und Sigthorsson und holte den Ball in der eigenen Hälfte ab. Die Kombinationen der Ungarn wirkten sicher in ihren Kombinationen und schoben die Partie von hinten gut an.
- Sobald die erste Linie der Isländer allerdings überbrückt wurde, bekamen die Ungarn Probleme. Island stellte sich in einem extrem gut geordneten und tiefen 4-4-2 gegen den Gegner. Meist versuchten die Ungarn in Person von Nagy oder Gera mit einem hohen Ball auf den Flügel, hinter die Mittelfeldreihe zu kommen. Stieber, Dzsudzsak und auch der auf die Seite ausweichende Kleinheisler waren immer wieder Empfänger dieser hohen Bälle. Island stellte die Räume jedoch gut zu, war direkt bei der Ballannahme am Mann und unterband jeglichen Spielfluss. Ungarn kam somit kaum näher als 20 Meter vor das gegnerische Tor. Im letzten Spieldrittel fehlte fast immer der nötige Elan.
- Wie schon gegen Portugal hatte Island eigentlich keinerlei Interesse daran, das Spiel zu machen oder Angriffe einzuleiten. Hatte das Team von Coach Lagerbäck die Kugel, wurde sie aufgrund des starken Pressings der Ungarn oft weit und hoch nach vorne geschlagen. Landete der Ball beim eigenen Spieler, konnte er fast nie gebunden werden. Gefährliche Angriffe brachten die Isländer eigentlich nicht zusammen

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