Sieg reicht nicht: Der Hamburger SV steigt erstmals ab
Die Mannschaft tut ihr Möglichstes, aber es reicht am Ende nicht. Und ganz zum Schluss benehmen sich einige HSV-Fans richtig daneben.

Hamburg trägt Trauer, die Bundesliga hat keinen Dino mehr. Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es auch das letzte der 16 Gründungsmitglieder erwischt - der HSV ist erstmals abgestiegen.

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Trotz eines 2:1 (1:1)-Heimsiegs gegen Borussia Mönchengladbach starb für das Team von Trainer Christian Titz am letzten Spieltag das letzte bisschen Resthoffnung auf den Rettungsanker Relegation. Die Aufholjagd der vergangenen Wochen war nicht von Erfolg gekrönt, die erhoffte Schützenhilfe des 1. FC Köln blieb in Wolfsburg aus. Der HSV ist nach 1866 Bundesliga-Spielen tatsächlich nur noch zweitklassig.

Aaron Hunt traf per Handelfmeter nach Videobeweis für die Hamburger (11.). Josip Drmic erzielte den schmeichelhaften Ausgleich (28.), ehe Lewis Holtby im zweiten Durchgang zum hoch verdienten 2:1 für starke Hanseaten traf (63.). Bobby Wood sah in der 71. Minute Gelb-Rot.

Sekunden vor dem Abstieg eskalierte die Lage: In der Nachspielzeit flogen aus dem HSV-Fanblock hinter dem Tor Feuerwerkskörper und Rauchbomben auf das Feld, die Nordtribüne war in schwarze Wolken gehüllt. Schiedsrichter Felix Brych unterbrach die Begegnung. Nach über zehn Minuten pfiff Brych noch einmal kurz an, somit verhinderte er einen Spielabbruch. Dann war die Zeit des HSV in der Bundesliga nach 1866 Spielen endgültig beendet.

Der Abstieg ist der krachende Schlussakkord eines jahrelangen HSV-Dramas. Trotz Millionenausgaben krebsen die Hamburger seit fünf Jahren im Tabellenkeller der Bundesliga herum, zwei Mal schafften sie die Last-Minute-Rettung in der Relegation. Vom Glanz der 80er-Jahre, als der HSV mit Größen wie Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Felix Magath Titel in Serie gewann und als Schwergewicht in Europa galt, ist nichts geblieben. Dabei spielten die Rothosen noch in den 2000er-Jahren als Dauergast auf internationalem Parkett. 

Am Samstag mobilisierte Hamburg noch einmal alles. Allein der Empfang der HSV-Profis vor dem Schicksalsspiel hatte es in sich und zeigte das erstklassige Umfeld des sechsmaligen deutschen Meisters: Mehrere Tausend Fans standen ihrer Mannschaft Spalier, als der Teambus am Volksparkstadion ankam. "Niemals zweite Liga", sangen die Anhänger und feierten ihr Team überschwänglich. Bereits zum Training am Himmelfahrtstag waren 2000 Fans gepilgert.

Die Euphorie übertrug sich auf das Hamburger Spiel. 49 Sekunden waren gespielt, als Filip Kostic den ersten Torschuss abgab. Keine zehn Minuten später bebte der Volkspark: Nach einem Handspiel von Denis Zakaria hielt Schiedsrichter Felix Brych kurz Rücksprache mit dem Video-Assistenten in Köln und entschied auf Strafstoß.

Starke zweite HSV-Hälfte

Der HSV spielte vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena weiter munter nach vorne, entblößte dabei jedoch ein ums andere Mal seine Defensive. Dies nutzte der Ex-Hamburger Drmic eiskalt. Nach einem Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte spurtete der Schweizer mit dem Ball am Fuß über den halben Platz, spielte Doppelpass mit Christoph Kramer, ließ Hunt aussteigen und schloss aus elf Metern trocken mit rechts ab.

In der Folge verpassten die Norddeutschen zwei Mal die erneute Führung. Erst blieb Hunt mit einer Direktabnahme hängen (38.), zwei Minuten später verfehlte Angreifer Wood aus aussichtsreicher Position im Strafraum kläglich. Er schoss aus elf Metern vier Meter vorbei.

Nach der Pause drängte der HSV nun mit aller Macht auf den Treffer. Tatsuya Ito (48.), Matti Steinmann (56.) und Kostic (58.) scheiterten aus besten Positionen am überragenden Gäste-Keeper Yann Sommer, ehe Holtby zum längst überfälligen 2:1 traf.

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