Milivoje Novakovic
Milivoje Novakovic
Milivoje Novakovic
Spitzname:Novagoal
Geburtsdatum:18.05.1979 (Age 33)
Geburtsort:Ljubljana
Nationalität:Slowenien
Größe:192 cm.
Gewicht:85 Kg.
Position:Angriff
Trikotnummer:11
Jubelt auch für Slowenien: Milivoje Novakovic (Giuseppe Bellini/Getty Images)
(frd) Köln. Als Hans-Peter Latour einen gewissen Milivoje Novakovic 2006 für eine fixe Ablöse von 1,5 Millionen € aus der bulgarischen Liga herauskramte, ahnte noch niemand beim 1. FC Köln, dass diese eine der besten Investition der letzten zehn Jahre sein würde. Doch auch der Profi selbst sollte in der Domstadt sein blaues Wunder erleben und entdecken, was in ihm steckt. Nun will der Goalgetter im Sommer mit Slowenien in Südafrika überraschen.
 
Bombenquote in Österreich und Bulgarien
 
Milivoje Novakovic hatte zwar in Diensten von Litex Lowetsch eine Bombensaison absolviert (27 Spiele, 19 Tore!) und auch in den beiden Spielzeiten davor für LASK Linz und den SV Mattersburg in Österreich je 8 Treffer in 21 Partien erzielt, allzu hohe Erwartungen hatte man am Rhein dennoch nicht an die 1,92m große Wundertüte. Zu sehr war der 1. FC Köln mit der Neuordnung nach dem weiteren Abstieg beschäftigt, mit dem Shootingstar Lukas Podolski nicht mehr zu halten war. Sein Verkauf trübte die Stimmung in der Karnevalshochburg. Köln stand wieder ohne Plan in Liga zwei.

Metamorphose von „Novakonix“ zu „Novagoal“

Doch selbst die geringen Erwartungen schien Neuzugang Novakovic zunächst nicht erfüllen zu können. In den ersten Spielen hinterließ der Schlacks einen sehr holprigen Eindruck. „Novakonix“ titelte die Bild und schrieb den Slowenen bereits ab. Doch die Sturmspitze fand sich Woche für Woche besser in Deutschland und dem System der Kölner zurecht – und zeigte mit zunehmender Dauer, dass er doch ein tauglicher Angreifer sei, einer der den Ball halten und vollstrecken kann. Der 1. FC Köln verpasste trotz der Verpflichtung von „Messias“ Christoph Daum das Ziel „Aufstieg“ deutlich, doch mit 10 Treffern in 25 Spielen konnte Milivoje Novakovic getrost von einem Happy End sprechen. Seine Tendenz zeigte klar nach oben und auch in der Nationalmannschaft wurde man auf ihn aufmerksam. Novakovic sollte eine feste Instanz im Sturm der „Geißböcke“ neben Patrick Helmes sein im kommenden Zweitligajahr. Mit 20 Toren in 33 Spielt krönte sich die Nummer 11 zum Torschützenkönig der 2. Bundesliga 2007/2008 und hatte großen Anteil an der Rückkehr der „Geißböcke“ ins Oberhaus. Auch der Boulevard schlug um und aus „Novakonix“ wurde „Novagoal“.

Vom Partykönig zum Führungsspieler

Nicht nur der FC-Anhang hatte etwas wieder zu feiern, auch der heute 30-Jährige (geboren am 18.05. 1979 in Ljubljana) genehmigte sich nach Feierabend gerne mal ein Glas Kölsch. Seine Wohnung inmitten der Kölner Altstadt lud förmlich dazu ein. Seinen Leistungen schadete dies nicht, im Gegenteil: Die Torausbeute stimmte und im Training war der Angreifer stets voll dabei mit hundertprozentigen Einsatz. Und wer sowohl Feiern als auch Treffen kann, der ist in Köln besonders populär. Mittlerweile hat der Publikumsliebling sogar seinen eigenen Song. Der Refrain: „Novagoal, Novagoal – hau den anderen die Bude voll.“
Man könnte von einem traurigen Höhepunkt sprechen, als Novakovic Ende 2007 nicht nur auf dem Rasen Gas gab und alkoholisiert am Steuer bei einer Verkehrskontrolle auffiel, doch dieses Kapitel sollte sich zum Wendepunkt in Novakovics Karriere entpuppen. Christoph Daum hatte schon die Geduld verloren und sprach eine Suspendierung aus, die Mannschaft stellte sich jedoch vor seinen Bomber. Nach intensiven Gesprächen mit dem Trainer schien es endlich „Klick“ gemacht zu haben beim Stürmer, dem nun endlich mit Ende 20 sein Durchbruch gelungen war. In Köln sah Novakovic die Perspektive ein großer Fußballer in einem großen Land zu werden – und änderte seine Einstellung. Den Partys sagte er „Ade“ und arbeite an sich. Waren Kopfbälle zu Beginn seiner Kölner Amtszeit noch ein absolutes No-Go, so erzielte Novakovic in Erstligazeiten etliche wichtige Treffer mit der Birne für die „Geißböcke“.

Kölner Lebensversicherung
 
„Nova“ entwickelte sich zum Führungsspieler und wurde nach dem Kollaps von Ümit Özat 2008 zum neuen FC-Kapitän ernannt. Auch als feststand, dass Monate später die Identifikationsfigur Lukas Podolski zurück in seine Heimat kehren wurde, hielt man an dieser Personalie fest. Dass der „Prinz“ zurückkehren konnte, machte Novakovic überhaupt erst möglich. 16 mal netzte Kölns Lebensversicherung in seiner Bundesliga-Premierensaison ein und sicherte quasi im Alleingang den sicheren Klassenverbleib seiner Mannschaft. Der Slowene hatte bewiesen, dass er auf der obersten Fußballbühne Leistungen bringen kann. Schalke 04 buhlte um den Vollstrecker, doch Novakovic blieb in der Domstadt, wo er zu Sloweniens Fußballer des Jahres 2008 ernannt werden sollte.

Opfer des Systems

Vergangenen Sommer änderten sich jedoch die Vorzeichen schlagartig bei den „Geißböcken“: Nicht nur Trainer Daum verschwand, auch der taktische Beton-Tannenbaum wurde eingepackt. Neu-Coach Zvonimir Soldo wollte statt langer Bälle mit gut Glück auf Novakovic gepflegtes Kurzpassspiel einführen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Dem 1. FC Köln fehlte l einfach die spielerischen Mittel für eine Aufbau-Offensive. Das Opfer: Milivoje Novakovic, der nicht nur einmal diese Saison Spiele miterlebte, in denen ihn keine Bälle erreichten.

„Nova“ ist die Binde los

Rückenprobleme blockierten den Stürmer zudem zu Saisonbeginn. Mehrmals gab es Ärger zwischen den Fronten, als Novakovic trotz Trainingsrückstand und Blessuren der Reise zur Nationalmannschaft der Reha am Geißbockheim vorzog. Zwar hatte „Nova“ maßgeblichen Anteil an Sloweniens sensationeller WM-Qualifikation, doch sein Fitnesszustand im Verein litt erheblich darunter. Negativer Höhepunkt der Fehde war die öffentliche Kritik an Trainer Soldo, nachdem ihn dieser zusammen mit Mannschaftskollegen Miso Brecko frühzeitig zu Mannschaftstraining jetten ließ, statt in der Hauptstadt Ljubljana mit der Nationalmannschaft die WM-Qualifikation zu feiern. Nach „Novas“ Null-Toleranz-Haltung spürte Soldo einen Vertrauensbruch und nahm Novakovic die Kapitänsbinde ab. Doch statt die beleidigte Leberwurst zu spielen, folgten einige engagierte Auftritte der Spitze.

Volksheld in der Heimat

Dennoch haben die letzten Monate am Image Novakovics am Rhein gekratzt. In Slowenien hingegen wird der Stürmer wie ein Volksheld begehrt. Nach 36 Einsätzen hat Novakovic  (14 Tore) beste Chancen sich in kürze Saso Udovic (16) als zweiterfolgreichsten Goalgetter Sloweniens hinter Legende Zahovic (35) zu statuieren. Die WM ist sein bisheriger Karrierehöhepunkt. In Slowenien ist man schon froh über die Teilnahme. Sollte „Novagoal“ mit seinen Toren dein überraschenden Einzug in die nächste Runde ermöglichen, wäre die Kölner Lebensversicherung endgültig unsterblich in seiner Heimat.

Wie seht ihr die Entwicklung von Milivoje Novakovic? Welche Rolle kann er in Südafrika spielen?