Marcello Lippi
Marcello Lippi
Marcello Lippi
Geburtsdatum:11.04.1948 (Age 64)
Geburtsort:Viareggio (LU)
Nationalität:Italien
Position:Trainer
Trikotnummer:-
Italy coach Marcello Lippi holds World Cup trophy (AFP)
Rom. Nach der WM 2006 genoss Marcello Lippi in Italien Heldenstatus: Der Trainer aus Viareggio in der Toskana hatte die „Nazionale“ zum vierten WM-Titel geführt und dem fußballverrückten Land nach dem Calciopoli-Skandal einen triumphalen Erfolg auf der ganz großen Bühne beschert. Knapp vier Jahre später nimmt Lippi erneut eine WM-Endrunde mit Italien in Angriff. Allerdings stehen die Tifosi nicht mehr uneingeschränkt hinter ihm, sein Denkmal hat erste Risse bekommen.

Rücktritt auf dem Höhepunkt


Nach der WM 2006 trat Marcello Lippi zunächst ab. Er wollte sich eine Pause gönnen und auf seinen Boot über die Weltmeere schippern, erklärte er nach den Feierlichkeiten. Roberto Donadoni beerbte ihn und leitete einen (erfolglosen) Umbruch ein. Höhepunkt war die schwache Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Donadoni musste seinen Hut nehmen und Fans und Experten forderten die Rückkehr Lippis. Der Weltmeistertrainer zögerte nicht lange und übernahm die „Azzurri“ ein zweites Mal.

Große Erfolge mit Juventus Turin


Der 61-jährige gilt als gewiefter Taktiker typisch italienischer Prägung. Er legt großen Wert auf Disziplin und versteht es blendend eine Mannschaft aufzubauen. Seine Prämisse sei es, aus dem vorhandenen Spielermaterial eine Mannschaft mit einem System zu formen, in dem jeder seine Stärken voll einbringen kann, hat Lippi vor Jahren gesagt. Vor seiner Zeit als Nationaltrainer arbeitete er unter anderem sehr erfolgreich bei Juventus Turin: Mit den „Bianconeri“ gewann er fünf Meisterschaften, einmal die Coppa Italia und als Krönung 1996 die Champions League.

Die Harmonie steht über allem


Über seine Arbeit als Trainer, seine Spielphilosophie und seine Art des „Teambuildings“ hat Lippi einst ein Buch geschrieben. In dem Werk, das den Titel „Il Gioco delle Idee: Pensieri e Passioni da Bordo Campo“ (Ein Spiel voller Ideen: Gedanken und Leidenschaft von der Seitenlinie) trägt, erläutert er seine Vorstellungen. Unter anderem beschreibt er, wie wichtig die Beziehung der Spieler zueinander sei. Lippi hat es gern harmonisch und der Erfolg gibt ihm Recht.

Schwierige Charaktere haben keine Chance


Doch eben an jener Philosophie scheiden sich derzeit in Italien die Geister: In der Nationalmannschaft krankt seit geraumer Zeit das Offensivspiel. Kreative Angreifer wie Antonio Cassano (Sampdoria Genua), Mario Balotelli (Inter Mailand) oder Fabrizio Miccoli (US Palermo) könnten Abhilfe schaffen, werden von Lippi aber nicht berücksichtigt. Alle drei gelten schwierige Charaktere und es wird vermutet, dass sie deshalb bei den Nominierungen übergangen werden.

„Die Pfiffe verletzen mich“


Dass dem sonst so besonnen Lippi die Kritik im eigenen Land an die Nieren geht, offenbarte er im vergangenen November nach einen Testspiel in Cesena gegen Schweden (1:0). Italien hatte eine maue Leistung geboten, die Fans quittierten es mit Pfiffen gegen die eigene Mannschaft. „Ich habe gesagt, ich hätte die Buh-Rufe nicht gehört, aber das stimmt nicht. Ob ich mich das verletzt? Natürlich, niemand hört so etwas gerne. Ich weiß nicht, ob das Verhältnis zwischen mir und den Tifosi gebrochen ist, aber zwischen mir und der Mannschaft ist es weiterhin intakt. Ich werde weiter hart arbeiten und alles geben, was ich habe“, sagte Lippi damals. „Dies ist noch nie einem Trainer passiert, der die Weltmeisterschaft gewonnen hat.“

Happy End in Südafrika?


Aber der Coach gilt als Sturkopf und es steht zu erwarten, dass er seine Linie weiter strikt durchzieht. Lippi steht unter Druck und er braucht eine erfolgreiche Endrunde in Südafrika, um seine Kritiker ruhig zu stellen. Niemand sollte die Italiener daher abschreiben, denn dies sind genau die Bedingungen, unter denen es Lippi liebt zu arbeiten. Ein erneutes Happy End ist nicht ausgeschlossen!