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Japan, ein Land, das für revolutionäre Technik, Mangas und Sushi bekannt ist. Seit kurzem gibt es aber noch einen weiteren Exportschlager - Fußballer.

Tokio. Ob Keisuke Honda, Yuto Nagatomo, oder der erst kürzlich zu Manchester United gewechselte Shinji Kagawa, allesamt spielen sie Fußball auf höchstem Niveau. Doch weshalb gibt  es im Land der aufgehenden Sonne immer mehr aufgehende Sterne am Fußballhimmel?

Die Anfänge

Zieht man die Tatsache heran, dass Fußball in Japan nach Baseball nur die zweitbeliebteste Sportart ist, erscheint derartige fußballerische Qualität umso überraschender. Dabei kam das runde Leder für asiatische Verhältnisse sogar recht früh nach Japan. Verantwortlich dafür dürfen sich die Briten und Niederländer zeichnen, die des Handels wegen zunehmend ins Land der aufgehenden Sonne kamen. So wurde der Verband, heute als Japan Football Association bekannt, bereits 1921 gegründet und 1930 als erst dritte asiatische Nation FIFA-Mitglied.

Durch den zweiten Weltkrieg und dessen Folgen weit zurückgeworfen, dauerte es eine beträchtliche Zeit, bis die JFA wieder Fuß fassen konnte. Man wurde zwar 1950, nach kurzzeitigem Ausschluss, wieder FIFA-Mitglied und darüber hinaus auch Gründungsmitglied der 1954 gegründeten Asian Football Confederation, konnte jedoch auf internationalem Boden keine Erfolge verzeichnen. Eine Ausnahme bilden dabei die Olympischen Spiele von 1964, welche im eigenen Land ausgetragen wurden, und die darauf folgenden in Mexiko-Stadt.

Für das erstgenannte Turnier wurde mit Dettmar Cramer erstmals ein ausländischer Trainer engagiert, der Japan bis ins Viertelfinale brachte. Diese Leistung wurde vier Jahre später durch den Gewinn der Bronzemedaille sogar noch getoppt und stellt bis heute den größten Erfolg der Herrennationalmannschaft bei einem olympischen Fußballturnier dar.

Auf dem Weg zur Professionalität
 
Doch der spätere Trainer des FC Bayern München bescherte den Japanern nicht nur ein gutes Abschneiden bei den olympischen Spielen im eigenen Land. Er begann vor allem auch mit seinen damals modernen Methoden dem japanischen Fußball einen Hauch von Professionalität zu bringen, weshalb er heute auch als Vater des modernen japanischen Fußballs bekannt ist. Zu diesem Titel trägt auch der Fakt bei, dass auf sein Drängen hin 1965 die erste nationale Liga, die Japan Soccer League, gegründet wurde. Es handelte sich dabei zwar nur um eine halbprofessionelle Liga, aber dennoch stellte die vorrangig mit Werksmannschaften von Konzernen wie Toyota oder Mitsubishi gespickte Liga einen Meilenstein in der Entwicklung des japanischen Fußballs dar.

Für die Nationalmannschaft folgten unterdessen weniger rosige Jahre. So konnte man sich erst 1988 wieder für ein internationales Turnier, die Asienmeisterschaft in Katar, qualifizieren. Man schied mit einer Bilanz von drei Niederlagen und einem Unentschieden, welches ausgerechnet gegen den späteren Drittplatzierten Iran errungen werden konnte, aus.
Wesentlich besser lief es vier Jahre später, als man selbst Gastgeber der Asienmeisterschaft und somit auch gesetzt war.

Mit einem 1:0 über Saudi-Arabien konnte man die seit 1964 bestehende Vorherrschaft arabischer Mannschaften in Asien brechen und als erst zweite ostasiatische Nation nach Südkorea als Sieger aus der Asienmeisterschaft hervorgehen.
Im Jahr 1992 konnte der japanische Fußball jedoch noch einen weiteren monumentalen Erfolg vorweisen. So wurde mit der J. League die erste Profiliga in der Geschichte der JFA gegründet, welche jedoch erst ein Jahr später startete. Als eine Art Vorbereitungsturnier wurde zunächst der J-League Cup ausgetragen.

Entwicklungsjahre

Nachdem die Liga erst einen regelrechten Hype erlebte, drohte sie 1999 aufgrund zu hoher Investitionen der Vereine bereits wieder zu kollabieren. Mit einem umfangreichen Reformpaket konnte der Super-GAU gerade noch so abgewendet werden, sodass sich die Liga in den nächsten Jahren sowohl finanziell als auch sportlich stabilisieren konnte und heute als einzige Liga vom AFC die Topbewertung A erhalten hat.

Parallel zum Aufstieg im Vereinsfußball erfolgte eine stetige Verbesserung der Nationalmannschaft. So überstand man 1997 erstmals in der Geschichte der JFA die Qualifikation zur Weltmeisterschaft, verabschiedete sich jedoch ohne einen Punkt aus Frankreich. Wesentlich erfolgreicher verlief hingegen die Asienmeisterschaft im Jahre 2000, welche man, wiederum durch ein 1:0 gegen Saudi-Arabien, zum zweiten Mal gewinnen konnte.

Heim-WM 2002

Dass sich der Fußball in Japan mittlerweile recht beachtlich entwickelt hatte, war auch der FIFA nicht entgangen. So erhielt man am 31. Mai 1996 zusammen mit den Südkoreanern den Zuschlag für die WM 2002. Für jenes Turnier wurden acht hochmoderne Stadien und etliche Trainingsanlagen gebaut, wovon die Vereine Japans noch heute profitieren. Mit dem Erreichen des Achtelfinales wurde eine regelrechte Welle der Euphorie losgetreten, was sich vor allem in steigenden Zuschauerzahlen zeigte. Darüber hinaus zog der Fußball nun auch wesentlich mehr Kinder in seinen Bann, was seit einigen Jahren auch im Profibereich Früchte trägt. So liegt das Durchschnittsalter in der J. League bei 26,1 Jahren und in der Nationalmannschaft bei 26,7 Jahren. Beide Werte gehören im internationalen Vergleich zu den besseren.

Dass sich Japan sowohl für die Weltmeisterschaft 2006 als auch 2010 - beide Male als weltweit erste über den sportlichen Weg - qualifizierte, erscheint in Anbetracht der Entwicklung fast schon als selbstverständlich. Zur jüngeren Vergangenheit gehören des weiteren noch die Erfolge bei den Asienmeisterschaften 2004 und 2011. Mit nunmehr vier Siegen ist Japan mittlerweile die erfolgreichste Mannschaft Asiens.

Im Schatten des Herrenfußballs steht wie in so vielen Ländern auch in Japan der Frauenfußball. Dabei ist auch hier eine erfolgreiche Entwicklung zu verfolgen, welche zuletzt gar im Weltmeistertitel 2011 mündete.
Es lässt sich also resümieren, dass es sich bei den oben genannten Topspielern nicht etwa um Eintagsfliegen handelt, wie es ihre einstigen Vorreiter Hidetoshi Nakata oder Shunsuke Nakamura waren. Es darf vom genauen Gegenteil die Rede sein, schließlich sind in der erst kürzlich abgelaufenen Transferperiode wieder drei junge Japaner nach Europa gewechselt und etliche weitere im Blickfeld europäischer Topmannschaften. Man darf also davon ausgehen, dass Japans Fußballhimmel die nächsten Jahre noch für reichlich Beleuchtung sorgen wird.

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