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Ein Fußballverrückter in Japan
Die Bundesliga ist immer daran interessiert, ihr „Produkt“ in jedem Winkel der Erde zu zeigen und zu vermarkten. Ein Selbstversuch der Suche nach Dortmund und Co. in Japan.
Von Alexander Brinkmann
Fukuoka. Nach knapp vier Jahren des Studiums der Japanologie war es dieses Jahr am 31. August endlich soweit: Mein erster Japan-Aufenthalt. Dank eines Stipendiums konnte ich zweieinhalb Monate in Japan verweilen, um dort an einem Sprachkurs in einer Stadt meiner Wahl teilzunehmen. Meine Wahl fiel auf Fukuoka in der gleichnamigen Präfektur auf der Insel Kyushu, der südlichsten der japanischen Hauptinseln.
Samstagabend-Unterhaltung
So sehr ich mich auf diese Reise gefreut hatte, wusste ich aber auch, dass es schwer werden würde, zehn Wochen auf deutschen Fußball zu verzichten. Die ersten zwei Wochen in Fukuoka verbrachte ich die Samstage in meinem Apartment und hörte ab 22:30 Uhr Ortszeit WDR2 über Internet im Livestream. Auf diese Art und Weise hätte ich zumindest die Samstagsspiele hören können, aber ich war nicht über 9000 km gereist, um meine Samstagabende vor dem Laptop zu verbringen. Es fehlte mir außerdem sehr bald, Zusammenfassungen der Spiele im Fernsehen zu sehen.

Die Bayern-Bar
Irgendwann kam mir schließlich der Gedanke, dass es doch auch in Japan Sportbars geben müsse. Ich hoffte darauf, eine Sportbar in Fukuoka zu finden, in der die deutsche Bundesliga gezeigt werden würde. Und tatsächlich gab es diese Sportbar: Bayern Fukuoka; keine 15 Minuten Fußweg entfernt von meinem Apartment. Das Lokal gehört Herrn Adolf Sailer, der ursprünglich aus Österreich kommt, und ist neben einer Sportbar auch noch Bäckerei, Restaurant und Café mit ausschließlich deutschen und österreichischen Spezialitäten. Zudem besitzt Herr Sailer eine Lizenz des FC Bayern München, was ihn dazu ermächtigt, das Vereinslogo sowie den Vereinsnamen zu nutzen. Im Geschäft selbst werden außerdem Fanartikel von Bayern München verkauft.
Oktoberfest statt Derby
Obwohl ich nun eine Sportbar gefunden hatte und das japanische Pay-TV jeden Samstag ein zufälliges 15:30 Uhr-Spiel aus der Bundesliga – in dem eine japanische Beteiligung wahrscheinlich ist – live überträgt, sollte es sich dennoch als schwierig gestalten, zumindest ein Spiel anschauen zu können. Zwar hatte ich die Bar bereits Ende September entdeckt, allerdings erst am 15.10. die Möglichkeit, mit einem japanischen Freund, der ebenfalls ein großes Interesse an Fußball besitzt, hinzugehen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass just an diesem Tag der letzte Tag des Oktoberfestes war, welches jedes Jahr in dem Lokal stattfindet. Vom übertragenen Spiel Stuttgart gegen Hoffenheim habe ich außer der Platzwahl und dem Elfmeter zum 2:0 für Stuttgart nichts gesehen.
Falsches Spiel
Da ich aber nicht so schnell aufgeben wollte, nahm ich mir vor, zwei Wochen später noch einmal in die Sportbar zu gehen. Dortmund spielte gegen Stuttgart und wegen Kagawa Shinji und Okazaki Shinji dachte ich, dass sicherlich dieses Spiel übertragen werden würde. Diese Erwartung wurde allerdings enttäuscht. Übertragen wurde Schalke gegen Hoffenheim. Beides Vereine, die mir nicht gerade sympathisch sind und die ich deswegen nicht unbedingt hätte live sehen müssen. Als ich später nach Hause kam, sollte ich erfahren, dass das Spiel in Stuttgart gut 15 Minuten später angepfiffen wurde. Vielleicht entschied sich das japanische Fernsehen deshalb kurzfristig dazu, ein anderes Spiel zu zeigen.

Mehr Glück im zweiten Versuch
Schließlich war am 5. November mein letztes Wochenende in Fukuoka und ich entschied mich, noch ein weiteres Mal in die Sportbar zu gehen. Diesmal hatte ich Glück. Das japanische Fernsehen zeigte Dortmunds fulminanten Sieg gegen Wolfsburg und ich hatte endlich in Japan ein Bundesligaspiel einer mir sympathischen Mannschaft gesehen.
Baseball ist die Nummer Eins
Bei jedem meiner drei Besuche musste ich allerdings leider feststellen, dass ich der einzige unter den Gästen war, der wegen des Fußballspiels in die Bar kam. Auch wenn mein japanischer Freund meint, dass der deutsche Fußball durch die in der Bundesliga spielenden Japaner in Japan bekannter geworden ist, hält sich dessen Popularität weiterhin in Grenzen. Fukuoka selbst ist eine Baseballstadt und die Baseballmannschaft Fukuokas, die Softbank Hawks, hat erst vor kurzem die Meisterschaft in der japanischen Profi-Baseballliga gewonnen. Dahingegen ist die Fußballmannschaft Fukuokas, Avispa Fukuoka, aus der J-League abgestiegen, nachdem sie letzte Saison erst aufgestiegen war. Somit dürfte sich an der Vormachtstellung des Baseballs in Fukuoka erst einmal nicht viel ändern. Doch immerhin weiß ich bei meinem nächsten Aufenthalt in Fukuoka von vornherein, wo ich deutschen Fußball live im Fernsehen sehen kann.
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