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Die Demission von Mano Menezes kam überraschend. Der Umbruch in Brasilien ist wohl nun vorbei, denn es zählt nur der Erfolg bei der WM 2014. Was danach kommt ist noch unwichtig.

Sao Paulo. Mano Menezes ist nicht mehr Trainer der brasilianischen Fußballnationalmannschaft. Am Freitag musste er anderthalb Jahre vor der WM 2014 seinen Posten räumen.

Nie unumstritten

Seit Amtsantritt war Menezes umstritten. Nach der WM 2010 übernahm er von Dunga und sollte ein Team für die Heim-WM 2014 formen, das möglichst jung und dazu noch erfolgreich ist. Dies sollte ihm in nur drei bis vier Jahren gelingen. Kein leichter Weg, der nun auch beendet ist. Zum Beispiel in Deutschland dauerte ein ähnlicher Weg rund acht Jahre. Mit der Jahrtausendwende kam das böse Erwachen beim dreimaligen Weltmeister und es wurde auf die Ausbildung gesetzt, deren ersten Früchte 2006 reif waren und die restlichen in den vergangenen Jahren und geerntet worden beziehungsweise heute geerntet werden. Ich sage nur Namen wie zum Beispiel Marco Reus, Mario Götze und Lewis Holtby.

Ganz gut ist in Brasilien eben nicht genug

Menezes sollte schnell auf die jungen Kräfte setzen, arbeitete ganz gut, wenn auch nicht überragend. Doch ganz gut ist in Brasilien eben nicht genug, was sich auch in der Begründung zeigte. „Der Präsident will eine neue (Spiel-)Methode und das muss respektiert werden“, sagte der zuständige Direktor für die Selecao, Andrés Sanchez, während einer Pressekonferenz. Sanchez war ganz klar gegen die Entscheidung, konnte seine Chefs aber nicht mehr umstimmen. Eine neue Spielmethode? In mal wieder kurzer Zeit ein neues System? 

Romario und Dunga bei der Weltmeisterschaft 1994

„Ein historischer Tag“

Fußballidol Romario und zugleich schärfster Kritiker von Menezes feierte via Twitter die Entlassung des Trainers: „Leute, heute ist ein historischer Tag, an dem Brasilien Feuerwerke zünden und ein Fest machen sollte.“ Das Zünglein an der Waage ist, Brasilien beeindruckte bei seinen WM-Titeln immer durch etwas, was die restlichen Mannschaften des Globus nicht hatten. Sei es der geniale Pele oder die in Brasilien als beste Selecao aller Zeiten gefeierte Weltmeisterelf von 1994. Doch Spanien oder auch Deutschland, spielen inzwischen ebenso schnell, offensiv und schalten zügig um. Das ist nicht mehr das Besondere beim Rekordweltmeister. Ganz einfach: Es gibt zurzeit einfach nichts überragendes, alles andere in den Schatten stellende, bei der Selecao.

Entlassung ist zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt

Ein ausgewogenes Team, eine Mischung aus altbewährtem und neuem, das hätte Brasilien zu Erfolgen führen können. Doch der Umbruch kam zu schnell, alle Verantwortlichen wollten in kurzer Zeit viel Ruhm. Sie gipfelte in der Demission von Menezes, obwohl er am Donnerstag noch den Superclassico gegen Argentinien gewinnen konnte. Die Entlassung ist zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Nach der Copa, ok. Ja auch nach Olympia hätte man es noch verstehen können. Aber jetzt?

Es wird nun vielleicht Luiz Felipe Scolari kommen, der vor knapp zwölf Jahren schon einmal kurz vor einer Weltmeisterschaft eingesprungen war und sensationell den fünften Titel holte. Ich mag ihn, doch er ist auch wegen seines Alters kein Mann für die Zukunft, wie es der 50-jährige Menezes eher war. Die Entlassung mag für brasilianische Verhältnisse gerechtfertigt sein und ist vielleicht der richtige Schritt mit Sicht auf 2014, doch es ist der falsche Schritt mit Sicht in die Zukunft.

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