thumbnail Hallo,

Für die Fußball-WM 2018 hat Russland ein Multi-Milliarden-Investitionsprogramm aufgelegt. Die FIFA zeigt sich mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden.

Rio de Janeiro. Witali Mutko weiß, was ihn erwartet. "Ab Montag werden alle Augen auf uns gerichtet sein", sagte der russische Sportminister während einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro, wo er das Konzept der Fußball-WM 2018 vorstellte. Die Vorbereitungen laufen ohnehin schon seit einiger Zeit auf Hochtouren.

Ein Multi-Milliarden-Investitionsprogramm, Highspeed-Bahnstrecken und zwölf Stadien als architektonische Kunstwerke: Russland rüstet sich und hat vom Weltverband FIFA bereits viel Lob erhalten. "In Russland hat man sich gleich mit vollem Einsatz in die Arbeit gestürzt. Ich bin sehr zufrieden mit dem aktuellen Stand der Dinge. Wir haben keine Zweifel daran, dass die WM ein großartiger Erfolg wird", sagt FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

Präsident Wladimir Putin plant zudem den perfekten Doppelpass mit seiner brasilianische Amtskollegin Dilma Rousseff. Der 61-Jährige hat seinen Besuch beim WM-Endspiel am Sonntag in Rio de Janeiro angekündigt. Nach dem Finale soll er an einer Übergabe-Zeremonie mit Rousseff teilnehmen. Gleichzeitig kann Putin der 66-Jährigen seine Erkenntnisse der Olympischen Winterspiele in Sotschi mitteilen. Rio wird in zwei Jahren die Sommerspiele ausrichten.

In Sotschi fanden die Athleten sehr gute Rahmenbedingungen vor. Die Sportstätten waren perfekt, die Wege kurz und die Organisation stimmte. "Das war eine große Erfahrung für uns, wir haben viel daraus gelernt", sagte Mutko. Das Ziel sei, "Russland in allen Facetten zu zeigen". Mehr als eine Million Gäste, die erwartet werden, sollen die Möglichkeit haben, "verschiedene Ecken Russlands zu sehen und viele Aspekte der Kultur zu erfahren".

Keine Scheu vor hohen Kosten

Um auch die WM in vier Jahren organisatorisch zu einem Erfolg werden zu lassen, nimmt das Riesenreich viel Geld in die Hand. 665,3 Milliarden Rubel (rund 14,3 Milliarden Euro) stehen zur Verfügung, teils aus staatlicher Hand, teils aus privater.

Die Hälfte des Geldes geht dabei in die Verkehrs-Infrastruktur, Flughäfen werden modernisiert, schnelle Bahnverbindungen und neue U-Bahnen gebaut. Für den Neu- und Umbau der zwölf Stadien in den elf Spielorten (zwei Arenen in Moskau) sowie unter anderem 113 neue Trainingsplätze wird 174,7 Milliarden (3,75 Milliarden Euro) investiert.

Inhaber von Eintrittskarten werden kostenlos mit Bussen und Zügen zwischen den Spielorten reisen können, versicherte OK-Chef Alexej Sorokin bei einer Informationsveranstaltung in Rio. Das war auch Bestandteil der Bewerbung, bei der sich Russland gegen England sowie die Doppelbewerber Spanien/Portugal und Niederlande/Belgien durchgesetzt hat. "Russland wird von der ganzen Welt und auch von den Menschen in Russland aus einer ganz neuen Perspektive gesehen werden", sagte Nationaltorhüter und WM-Botschafter Igor Akinfejew.

Allerdings ist die Skepsis gegenüber Russland nicht erst seit der Krim-Krise in der Welt groß. Die Euphorie unter den Zuschauern in Sotschi hielt sich in Grenzen, zudem musste Russland auch harte Kritik wegen Umweltsünden, Menschenrechtsverletzungen und Korruption hinnehmen.

Keine Sorge bei Mutko

In den russischen Stadien ist Fremdenfeindlichkeit an der Tagesordnung. Das Thema Homophobie ist weiterhin ein großes Problem. Zudem wartet man auf die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses der FIFA-Ethikkommission im Zusammenhang der umstrittenen WM-Doppelvergabe an Russland und Katar 2022. Sorgen macht sich Mutko aber nicht: "In der Untersuchung werden keine Fragen zu Russland gestellt, da bin ich mir sicher", sagte der Politiker, der auch in FIFA-Exekutivkomitee sitzt. Auch die Ukraine-Krise "stört die Vorbereitungen nicht".

Blatter schiebt die Verantwortung bei den Themen Fremdenfeindlichkeit und Homophobie von sich. "Es ist eine Frage der Erziehung, nicht eine Frage des Fußballs. Die Klubs müssen selbst einen Teil der Verantwortung für diese Erziehung übernehmen. Man kann nicht einfach die gesamte Verantwortung auf die FIFA abschieben", sagte der Schweizer. Für Mutko ist das kein Thema: "Wir haben kein größeres Problem mit Rassismus als andere Länder, vielleicht sogar weniger."

Voll im Zeitplan

Wesentlich erfreulicher für den Weltverband ist dagegen der Stand der Vorbereitung. Wurde in Brasilien in einigen Stadien bis zum Anpfiff geschraubt und gewerkelt, liegt Russland voll im Plan.

Auch über die Nutzung der Arenen nach der Großveranstaltung hat man sich bereits Gedanken gemacht. "Einige Stadien werden zur WM mit ihrer Maximalkapazität errichtet und nach der WM auf eine geringere Kapazität verkleinert", sagte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke: "Die Stadien werden der Größe der jeweiligen Städte angemessen sein. Die meisten Stadien werden nach der WM als architektonische Kunstwerke weiterbestehen und damit Teil des Vermächtnisses für Russland sein."

Das Eröffnungsspiel und das Finale werden im Olympiastadion Luschniki in Moskau (81.000 Zuschauer) ausgetragen. Ein offizielles WM-Logo und ein Slogan sollen Mitte 2015 präsentiert werden.

Dazugehörig