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Blatter vs. Europa: FIFA droht Zerreißprobe

Joseph S. Blatter will Präsident bleiben - das war zu erwarten. Nach seiner Ankündigung greift er erneut die Europäer an, die eine erste Niederlage einstecken mussten.

Sao Paulo. Nach der Machtdemonstration von Präsident Joseph S. Blatter steht der Fußball-Weltverband FIFA vor einer Zerreißprobe. Ohne Not kanzelte der 78-Jährige in Sao Paulo die Vertreter der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mit einer giftigen Retourkutsche ab, die auch nach der WM in Brasilien noch tiefe Spuren hinterlassen wird.

Blatter fühlt sich respektlos behandelt

"Ich habe sehr viel einstecken müssen in meinem Leben. Aber so etwas Respektloses habe ich noch nicht erlebt - weder auf dem Fußballfeld, noch im eigenen Hause", wetterte Blatter nach dem 64. FIFA-Kongress, bevor Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio schnell um Fragen zum Fußball bat. Der Widerstand aus Europa gegen den Machthunger des Schweizers, der 2015 erneut kandidieren will, hatten diesen offenbar tief gekränkt.

Bei dem Meeting der UEFA-Mitgliedsverbände am Dienstag hatte der Niederländer Michael van Praag in Blatters Anwesenheit erstmals in aller Deutlichkeit gefordert: Es reicht, Herr Präsident. Wolfgang Niersbach, Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), berichtete später, van Praag habe "sehr respektvoll" gesprochen, eine "aggressive Stimmung" habe es eben nicht gegeben. Blatter aber hat anscheinend nur gut geschauspielert - und seinen Ärger geschluckt.

Vor dem gut überlegten Konter am Mittwochabend, als die UEFA-Vertreter um Präsident Michel Platini (Frankreich) längst beim Abendessen saßen oder im Verkehr der Millionenmetropole steckten, hatte sich Blatter seiner Macht versichert: seine Präsidentschaftsambitionen für die Wahl am 29. Mai 2015 - mit Applaus gefeiert; die von ihm ungeliebte Beschränkung von Alter und Mandat für FIFA-Ämter - von der (einfachen) Mehrheit der 209 Verbände abgeschmettert.

Der Präsident braucht Europa nicht

Seine Delegierten fraßen dem Schweizer auch in Brasilien aus der Hand, für eine Wiederwahl in seine dann fünfte Amtszeit braucht er Europa nicht unbedingt. Ganz ohne den starken Kontinentalverband kommt die FIFA aber freilich auch nicht aus.

In den UEFA-Kreisen wird sich die Opposition daher schnellstmöglich die weitere Taktik zurechtlegen. Platini, sagte Niersbach, werde sich erst im September äußern, ob er der große Herausforderer werden will. Für den DFB-Präsidenten, Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und bei allen Wechselspielchen auch möglicher Kandidat für freiwerdende Ämter, ist er das. Aber will Platini auch? Vielleicht muss sich ein anderer finden.

UEFA-Einfluss reicht noch nicht aus

Dass der Einfluss der UEFA in der Fußballwelt (noch) nicht stark genug ist, zeigte sich am Scheitern des letzten Schritts der Demokratiereform. "Wir als DFB haben bei der Amtszeit- und Altersbegrenzung klar dafür gestimmt", sagte Niersbach. Andere UEFA-Mitglieder werden dasselbe getan haben. Das Ergebnis war auch ein Stimmungsbild der Sympathien.

Blatter war und ist Gegner einer Altersgrenze, am Ende seiner fünften Amtszeit 2019 wäre er 83. Der zum Reformer auserkorene Niersbach-Vorgänger Theo Zwanziger war auch ohne das "fünfte Tor" seiner Agenda "absolut zufrieden". Hätte sich der Kongress für eine verbindliche Abstimmung im kommenden Jahr entschieden, "hätten wir ein Jahr gearbeitet und wären dann an der 3/4-Mehrheit gescheitert". Das sagt alles.

So bleibt die FIFA der bekannte Klub der alten Herren und könnte noch lange von Blatter geführt werden. Zwar sei er aufgrund der Modifizierung der Statuten kein Kandidat, sagte Blatter, weil er nach dem Beschluss des Kongresses erst bestätigt werden muss - seine "Mission" sei aber nicht vorbei. "Ich bin bereit", meinte Blatter. In Europa gibt es da andere Meinungen.