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Als Sohn eines deutschen Einwanderers und einer brasilianischen Ex-Sklavin wurde Arthur Friedenreich zum erfolgreichsten Torjäger der Geschichte.

Sao Paulo. Er war ein Star, der in seiner brasilianischen Heimat keiner sein durfte: Arthur Friedenreich erzielte mehr Tore als Pele, erfand den Effetschuss und wurde berühmt durch seine Eleganz und Körpertäuschungen. Der Sohn eines Hamburger Ingenieurs und einer dunkelhäutigen brasilianischen Ex-Sklavin ist mit 1329 vom Weltverband FIFA anerkannten Treffern bis heute der erfolgreichste Torjäger der Welt.

Doch der Weltruhm blieb zu Lebzeiten aus, weil Friedenreich im offen rassistischen Brasilien nur auf 22 Länderspiele kam und an keiner WM teilnahm. Pele, der laut Statistik auf "nur" 1281 Karriere-Treffer kam, spricht voller Bewunderung über den vergessenen Superstar: "Arthur war ein ganz, ganz großer Spieler in Brasilien. Mein Vater hat mir viel von ihm erzählt."

Freudentaumel dank Friedenreich

Zum Beispiel von seiner Heldentat im Finale der Südamerika-Meisterschaft gegen Uruguay 1919, als Friedenreich in der 150. Minute (!) mit dem Siegtreffer ganz Brasilien in einen Freudentaumel versetzte. "In den feierlichen Ernst der weißen Stadien brachte Friedenreich die frech-vergnügte Unbotmäßigkeit der kaffeebraunen Jungen, die ihren Spaß dabei haben, in der Vorstadt einen Ball aus Lumpen zu treten", schrieb der uruguayische Dichter Eduardo Galeano über den 1892 in der Rua da Vitória in Sao Paulo geborenen Friedenreich.

Das Volk verehrte seinen "Pe de Ouro" Friedenreich, den "Goldfuß", seine Mitspieler trugen ihn auf den Schultern durch die Straßen Sao Paulos.

Doch das Bild trog, der dunkelhäutige Friedenreich musste Zeit seines Lebens mit dem Rassismus der damaligen Zeit leben. Fußball war Anfang des 20. Jahrhunderts der weißen Oberschicht vorbehalten. Zwar durfte Friedenreich wegen seiner deutschen Abstammung anfangs in der Selecao mitwirken, doch Fouls an ihm wurden nicht gepfiffen.

Um seinen weißen Mitspielern ähnlicher zu sein, musste er vor jedem Spiel mit Pomade sein Haar glätten und sein Gesicht mit Reismehl beschmieren. Vor fremdenfeindlicher Ausgrenzung bewahrte ihn dies ebenso wenig wie seine Tore. Ein 1921 vom brasilianischen Präsidenten Epitacio Pessoa verhängtes Spielverbot für schwarze Fußballer in der Selecao traf auch den Deutsch-Brasilianer.

Der König des Fußballs

Der Präsident musste kurze Zeit später nach großem Protest des Volkes seine Entscheidung zurücknehmen, da Brasilien ohne die Durchschlagskraft Friedenreichs das Finale der Copa America verlor. Ein WM-Spiel blieb dem in Paris zum "Roi du Football" (König des Fußballs) gewählten Ausnahmespieler allerdings verwehrt.

Als die WM 1930 Premiere feierte, schloss der brasilianische Liga-Präsident alle Spieler aus Sao Paulo von der Teilnahme aus. Vorausgegangen war ein Streit der Hauptstadt-Vereine mit den Klubs aus Rio. Bei der WM vier Jahre später in Italien war Friedenreich mit 42 zu alt. Frustriert beendete er ein Jahr später seine Karriere.

Friedenreich geriet in Vergessenheit. Er verdiente in einer Brauerei seinen Lebensunterhalt, seine letzten Jahre waren geprägt von Armut, Parkinson und Demenz. 1969 starb Friedenreich und wurde im Mausoleum der Associacao Atlética Veteranos de São Paulo beigesetzt.

Seit 2008 verleiht der TV-Sender Rede Globe die Auszeichnung "Prêmio Arthur Friedenreich" an den Spieler eines brasilianischen Klubs mit den meisten Pflichtspieltoren. Zweimal gewann ihn ein gewisser Neymar - fußballerisch könnte er Friedenreichs Urenkel sein.

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