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200 Tage sind es noch bis zur WM in Brasilien. Die Arbeiten an den Stadien und der Infrastruktur straucheln. Wird das Land bis zum 12. Juni fertig für die Fußball-Sause?

Aus Brasilien berichtet Fabian Biastoch

Brasilia/Porto Alegre. Brasilien reckt und streckt sich, ein Land werkelt und bastelt, streicht und lernt. Die Weltmeisterschaft 2014 ist nur noch 200 Tage entfernt, mit Uruguay sind nun auch alle Teams qualifiziert und die letzten Schrauben werden festgezogen.

Das Beira-Rio in Porto Alegre knapp 200 Tage vor der WM
Schrauben braucht man auch für die Bestuhlung in den Stadien, das ist soweit kein Geheimnis. In den vergangenen Wochen sorgten jedoch die fehlenden Sitzmöglichkeiten in Cuiaba für Schwierigkeiten. Die Schrauben und Pläne waren da, ob Ungereimtheiten bei der Ausschreibung musste diese wiederholt werden. Ein Prozess droht, aber die Sitze kommen.

Eines ist sicher: Auch wenn immer wieder die Angst umging es nicht zu packen - die Arenen werden fertig. In Manaus, wie auch andernorts. So ist die offizielle Botschaft und so schauen sie auch aus. In Porto Alegre, einem der Sorgenkinder der letzten Wochen, werkeln die Bauarbeiter Tag und Nacht. Der ortsansässige Verein, Internacional, präsentiert jede Woche stolz die Fortschritte seines Beira-Rio. Noch fehlt der letzte Feinschliffe, im Sommer des kommenden Jahres wird dieser vollzogen sein, auch wenn die Deadline hier und da strapaziert wird.

Beschwerliche Anreisen zu den Spielen

Die Orte zum Fußballspielen werden in bestem Lichte erstrahlen - von der Infrastrukur ist dies nicht gerade zu behaupten. Die Straßen und Zufahrtsmöglichkeiten im Umfeld scheinen sich kaum oder zumindest sehr langsam zu verändern. Stunden braucht man als Fan in die Städte und wieder hinaus. Die Rush Hour in den Millionen-Metropolen ist Stress pur. Auto an Auto, die Luft immer dreckiger und stickiger. Doch es gibt keine oder nur ganz wenige und ebenso kräftezehrende Alternativen.

Hat man eine Unterkunft direkt in der Stadt, heißt es noch lange nicht, dass man schneller an der Hotelbar ein letztes Siegerbier trinken oder den Frust herunterspülen kann. Öffentliche Busse bahnen sich den Weg durch die verstopften Straßen nur bedingt schneller als die stotternden Fahrzeuge der Brasilianer. Einige vom Fußballweltverband FIFA akkreditierte Hotels befinden sich zwar "nur" 100 Kilometer von den Spielorten wie Porto Alegre entfernt, doch der Weg zum Stadion ist durch fehlende Züge ein beschwerlicher.

Die Zufahrt zum Beira-Rio ist noch schwierig

Brasiliens Volk ist bemüht, dem Chaos abhilfe zu schaffen. Um die Hauptverkehrsadern nicht unnötig zu belasten, hat sich der private Schulverband von Ceara überlegt, die Ferien an die WM anzupassen. Dies ist nur ein Gedanke. Überdies sollen Schüler und Studenten nicht auf die Spiele verzichten müssen.

Bereits beim Confederations Cup im Sommer sei die Konzentration nicht am höchsten gewesen, ließ der Verband den Beschluss begründen. Blickt man sich in den Straßen und Geschäften um, merkt man sofort, dass dieser Beschluss nur gut sein kann.

Die Begeisterung ist greifbar

Überall hängen Fahnen der lokalen Klubs, Menschen in Trikots fluten die Stadt, jeder hat den Sport im Blut. Die Begeisterung nimmt immer mehr zu. Selbst wenn die WM durchaus kritisch beäugt wird, so ist der pure Fußball, das Jogo Bonito, doch noch immer des Brasilianers bester Freund.

Die Euphorie sowie Faszination wird das Weltturnier zu einer besonderen Ausgabe machen. Wenngleich das Image in unseren Breitengraden von verstaubten Vorurteilen geprägt ist, wird man hierzulande weder sofort ausgeraubt, noch erschossen, wenn man das Hotel verlässt. Sogar für die Weiterverwendung der modernen Stadien wurde gesorgt. Ein Gros ist mit Konzepten bedacht, die südafrikanische Ruinen fernhalten sollen.

Nichtsdestotrotz haben die Verantwortlichen in den nächsten 200 Tagen große Aufgaben - soziale, wie auch strukturelle - zu bewältigen. Allerdings hat ganz Brasilien die Kraft sowie den Ehrgeiz, das Turnier zu einem rauschenden Fest werden zu lassen. Das spürt man im Land des fünfmaligen Weltmeisters an jeder Ecke, unter jedem Stein. Schwächen offenbart jedes Turnier, doch das Zelebrieren des Fußballs wird vieles überstrahlen.

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