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Die Chefin des Gewerkschaftsbundes kritisierte die schlechten Arbeitsbedingungen in Katar und Russland und forderte Gegenmaßnahmen.

Brüssel. Generalsekretärin Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund IGB nennt die Ausbeutung von Gastarbeitern im Vorfeld der Fußball-WM 2022 in Katar "moderne Sklaverei" und befürchtet Tausende Todesfälle.

"Wenn sich da nicht sofort etwas ändert, wird die WM mit 4000 toten Arbeitern bezahlt", sagte die Australierin (58), oberste Vertreterin von weltweit 174 Millionen IGB-Mitgliedern, im SID-Interview.

"Unmenschliche" Arbeitsbedingungen in Katar

Die englische Tageszeitung Guardian hatte recherchiert, dass allein von 4. Juni bis 8. August 44 nepalesische Arbeiter in Katar gestorben sind, zur Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen. Die Arbeitsbedingungen, bestätigt Burrow, die schon mehrmals selbst vor Ort war, seien "unmenschlich".

"Die nepalesische Botschaft schätzt offiziell, dass jedes Jahr 200 nepalesische Migranten sterben. Die indische Botschaft schätzt auch jährlich 200 Tote", sagt Burrow, die aber von noch schlimmeren Zahlen ausgeht: "Wir sind der Ansicht, dass die wirkliche Todesrate weitaus höher ist."

Teilweise werde Arbeitern der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt, Migranten seien "dem Arbeitgeber durch das Kafala-System (Bürgensystem zur Aufnahme von Arbeitskräften) ausgeliefert". Selbst grundlegende Rechte, so Burrow, "stehen ihnen nicht zu".

Burrows Forderung: Katar und FIFA müssen handeln

Katar und den Fußball-Weltverband FIFA fordert Burrow zum umgehenden Handeln auf: "Katar muss sofort seine Gesetze reformieren. Firmen, die an den Bau- und Infrastrukturarbeiten in Katar beteiligt sind, müssen dafür sorgen, dass dies nicht auf Kosten von Menschenleben geschieht. Die FIFA sollte Druck auf die Regierung ausüben - und die Weltmeisterschaft nie wieder in einem Land durchführen, in dem Arbeiterrechte und Menschenleben derart verletzt werden!"

Auch vor der WM 2018 in Russland befürchtet Burrow, dass Arbeiterrechte mit Füßen getreten werden. "Dort besteht auch die Gefahr, dass die Weltmeisterschaft keine guten und fairen Arbeitsplätze schafft. Die FIFA setzt momentan die russische Regierung stark unter Druck, eine Gesetzesänderung zu verabschieden, durch die das Arbeitsrecht für Migranten in den nächsten fünf Jahren außer Kraft gesetzt werden soll", sagte die IGB-Chefin.

EURE MEINUNG: Hat sich die FIFA im Vorfeld der WM-Vergabe zu wenige Gedanken über solche Probleme gemacht?

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