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Blatter sieht sich durch den Abschlussbericht zur ISL-Schmiergeldaffäre von jedem Korruptionsverdacht freigesprochen. Havelange trat hingegen als Konsequenz zurück.

Zürich/Köln. Es war maximal ein Freispruch zweiter Klasse, aber ganz nach dem Geschmack von Joseph S. Blatter. Gewohnt selbstgefällig kommentierte der Präsident des Fußball-Weltverbandes, dass er den internen Abschlussbericht über die ISL-Schmiergeldaffäre bei der FIFA unbeschadet überstanden hat - wenn auch nur formal. Über die Rüge des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert wegen "ungeschickten Verhaltens" konnte der 77-Jährige milde hinweglächeln. Er fühlt sich absolut reingewaschen.

Keine weiteren Verfahren

"Ich stelle insbesondere fest, dass der Fall ISL für die Ethikkommission abgeschlossen ist und im Zusammenhang mit dem ISL-Fall keine weiteren Verfahren gegen andere Fußball-Offiziellen angezeigt sind. Ich stelle mit Zufriedenheit fest, dass in diesem Bericht bestätigt wird, dass das Verhalten von Präsident Blatter unter keinerlei Fehlverhalten von Ethikregeln fallen konnte", sagte der FIFA-Chef. Trotz seiner Kenntnisse über die 160-Millionen-Euro-Bestechungen hat der Schweizer nichts zu befürchten.

Auf die zahlreichen Hinweise im neunseitigen Eckert-Report, dass in der FIFA bis 2004 keine Ethik-Regeln galten und nur deswegen in den 90er Jahren Verstöße gegen Ethik-Regeln logischerweise nicht möglich waren, ging Blatter in seiner Stellungnahme gar nicht erst nicht ein. Er flog noch am Dienstag Richtung Kuala Lumpur, wo er zum Kongress der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) erwartet wurde, in Singapur machte er einen Zwischenstopp. Business as usual.

Für die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk ist die Absolution der Ethik-Kommission für Blatter ein Unding. "Wenn jetzt sein Verhalten nur als ungeschickt bezeichnet wird, dreht sich mir der Magen um. Der Bericht ist sehr unbefriedigend und drückt sich um die eigentlichen Fragen. Ethisches Verhalten und Integrität beginnen nicht erst an der Strafrechtsgrenze", sagte die Sportbeauftragte von Transparency International dem SID: "Auch wenn es damals noch keinen Ethik-Code bei der FIFA gab, so gab es schon eine Olympische Charta, die die damaligen Vorgänge auch seinerzeit schon verboten hätte. Wäre das alles bekannt geworden, hätte es auch damals einen Aufschrei gegeben."

"Verwerfliche Handlungsweise"

Blatters Vorgänger Joao Havelange bescheinigt der Eckert-Report eine "moralisch und ethisch verwerfliche Handlungsweise". Der bald 97-Jährige kam seiner absehbaren Absetzung als FIFA-Ehrenpräsident - wie erst am Dienstag bekannt gegeben wurde - bereits vor rund zwei Wochen durch seinen Rücktritt zuvor. Havelange, der die FIFA von 1974 bis 1998 führte und von deren früherem Vermarktungspartner ISL umgerechnet mehr als 1,5 Millionen Euro erhalten hat, steht vor den Trümmern seines Lebenswerkes.

Schon Ende 2011 hatte der Brasilianer seinen Ausschluss aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wegen der ISL-Affäre, in der von 1989 bis 2001 Schmiergelder geflossen sind, nur durch seinen Rücktritt verhindert. Ob das Olympiastadion in Rio de Janeiro für die Fußball-WM 2014 und die Sommerspiele 2016 weiterhin seinen Namen tragen wird, erscheint spätestens seit Dienstag überaus fraglich.

Havelanges unrühmlicher Abgang bedeutete das Ende einer korrupten Südamerika-Troika in höchsten FIFA-Ämtern. Sein Ex-Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der von der ISL mehr als 10,5 Millionen Euro erhalten hat, trat vor Jahresfrist aus der Exekutive und als Brasiliens Verbandschef zurück, und in der Vorwoche gab der Paraguayer Nicolas Leoz wohl nicht zufällig im Vorfeld von Eckerts Bericht - offiziell aus gesundheitlichen Gründen - seinen Sitz in der FIFA-Exekutive und seinen Posten als Südamerika-Präsident auf. Sein Nachfolger ist der Uruguayer Eugenio Figueredo, der immerhin auch schon 81 ist.

Transparenzmangel bei der FIFA

Für den Schweizer FIFA-Reformer Mark Pieth ist die Entwicklung im Weltverband nach Ende der ISL-Ermittlungen nur ein Zwischenschritt. "Die wichtigste Herausforderung bleibt ein ernsthafter Wandel der Verbandskultur", sagte der Vorsitzende des FIFA-Governance-Komitees. Alleine die Geheimhaltung von Havelanges Demission über fast zwei Wochen verdeutlichte aber am Dienstag nochmals den immer noch eklatanten Transparenzmangel bei der FIFA.

Schenk sieht ungeachtet des personellen Reinigungsprozesses auch noch Handlungsbedarf in der Ethik-Kommission. Die 61-Jährige monierte, dass Eckert praktisch als Einzelrichter eine Bewertung der Ergebnisse von Garcia vornahm: "Ich hätte mir gewünscht, dass sich eine ganze Kommission Garcias Bericht angeschaut hätte. Ein Großunternehmen in der Wirtschaft kann sich nicht leisten, solche Vorgänge nur von einer Person entscheiden zu lassen."

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