thumbnail Hallo,

Die Bestätigung von Todesurteilen, aber auch einige Freisprüche zur Fußball-Katastrophe 2012 in Port Said mit 74 Todesopfern haben in Ägypten erneut gewaltsames Chaos ausgelöst.

Kairo. Mindestens ein Toter, wieder viele Verletzte und brennende Häuser: Die Bestätigung von Todesurteilen, aber auch einige Freisprüche zur Fußball-Katastrophe 2012 in Port Said mit 74 Todesopfern haben in Ägypten erneut gewaltsames Chaos ausgelöst. Tausende Menschen gingen nach den Justizentscheidungen auf die Barrikaden, setzten in Kairo neben einem Freizeit-Club für Polizisten auch die Zentrale des nationalen Fußball-Verbandes in Brand und störten in der Hafenstadt den Schiffsverkehr auf dem Suez-Kanal. Staatspräsident Mohammed Mursi verurteilte die Ausschreitungen, während das Kabinett die Gewalt ebenfalls missbilligte und Respekt für Gerichtsentscheidungen einforderte.

Bei der live im staatlichen TV übertragenen Verkündung der Urteile wegen der Stadionkatastrophe bei der Begegnung zwischen Al Masry und Al Ahly Kairo bestätigte das Gericht 21 erstinstanzliche Todesurteile gegen Al-Masry-Fans durch den Strang, sprach in 52 weiteren Verfahren allerdings sieben von neun ebenfalls angeklagten Polizisten frei.

In Port Said empörten sich die Al-Masry-Anhänger, in Kairo empfanden die Al-Ahly-Ultras die Freisprüche für die Beamten als Schlag ins Gesicht. Kairos Fans hatten vor Jahresfrist 72 Todesopfer zu beklagen und warfen den Sicherheitskräften vorsätzliche Untätigkeit vor.

Die Passivität der Polizisten trotz der massiven Angriffe von Al-Masry-Fans auf die Gäste-Anhänger werteten neben dem Al-Ahly-Lager auch viele neutrale Beobachter als Revanche der Polizei für die führende Rolle von Kairos Ultras bei den Protesten gegen Ägyptens später gestürzten Diktator Husni Mubarak.

Die Wut der Kairoer Fans auf die Polizei und das Gericht konnten am Samstag auch fünf lebenslängliche Haftstrafen, 15 Jahre Haft für den damaligen Polizei-Chef und neun weitere Angeklagte nicht dämpfen. Schon kurz nach den Urteilen lagen dunkle Rauchschwaden über Kairo, bei Plünderungen der brennenden Zentrale des Fußball-Verbandes entwendeten die Krawallmacher auch mehrere Trophäen. In Port Said hinderten zahlreiche Menschen Fähren an der Überquerung des Suez-Kanals, enttäuten im Hafen Schnellboote und ließen die Schiff führungslos auf die Wasserstraße treiben.

Die Sicherheitskräfte setzten bei ihren Einsätzen an den Brennpunkten der Gewalt Tränengas und Gummigeschosse ein. Bereits am Freitag hatte in Port Said das Militär auf Mursis Anordnung vorsorglich wieder die Überwachung der öffentlichen Ordnung von der Polizei übernommen.

In einer vorläufigen Bilanz der neuerlichen Krawalle, die außer auf die Urteile auch auf die politischen Spannungen am Nil zurückzuführen sind, bestätigten offizielle Stellen zunächst einen Toten und landesweit mindestens 65 Verletzte. Medienberichten zufolge soll eine weitere Person ums Leben gekommen sein.

Verglichen mit den extremen Reaktionen auf die Verkündung der Todesurteile wegen maßgeblicher Beteiligungen am Tod der 74 ums Leben gekommenen Menschen im Stadion von Port Said in der ersten Instanz Ende Januar blieb Ägypten am Wochenende allerdings Schlimmeres sogar noch erspart.

Vor anderthalb Monaten waren bei Protesten gegen die Richtersprüche 40 Menschen ums Leben gekommen und über 300 Personen zum Teil schwer verletzt worden. Zur Wiederherstellung der Sicherheit in Port Said hatte Mursi sogar den Eingriff der Armee befohlen und zwischenzeitlich die Verhängung des Ausnahmezustandes erwogen. Mehrere Tage nacheinander verhängten die Militärs in der Hafenstadt nächtliche Ausgangssperren.

Der 1. Februar 2012 gilt durch die Tragödie von Port Said in Ägyptens Revolutions-Geschichte wegen des vermeintlichen Gegenschlags des seinerzeitigen Mubarak-Regimes als schwarzer Tag. In den Tagen nach der Katastrophe hatten in Ägypten zahlreiche Protestaktionen gegen den Sicherheitsapparat und den möglichen Missbrauch des Fußballs durch politische Institutionen stattgefunden. Dabei verloren 16 weitere Menschen ihr Leben.

 
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig