Ägypten: Ausschreitungen nach Fußballspiel fordern über 70 Menschenleben

Eigentlich sollen Stadtderbys, bei aller Rivalität, Fußballfeste sein. Die Partie zweier Klubs aus Kairo wurde zu einer Katastrophe.

Von Patrick Niedel

El masry Fans
El masry fans - Mahmoud maher
Port Said. Das Spiel war aus, viele Zuschauer bereits auf dem Weg zu den Ausgängen. Plötzlich stürmten Fans das Fußballfeld, gab es schlachtfeldartige Szenen. Bei den Ausschreitungen im Stadion von Port Said, in dem die Kairoer Klubs El-Masry und Al-Ahly aufeinander trafen, sind letzten Angaben zufolge mehr als 70 Menschen getötet, und mehr als 1000 Zuschauer verletzt worden.

Flaschen, Steine, Feuerwerkskörper

Die sogenannten Fans, die den Platz nach der Partie gestürmt haben, sollen mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern auf Sicherheitskräfte und Spieler losgegangen sein. Die Chaoten der Heimmannschaft sollen dabei Fans und Spieler von Al-Ahly eingekreist haben, meldet die Onlineausgabe des kicker.

76 Tote?

Dabei sei eine Massenpanik entstanden, in der die Sicherheitskräfte mehr oder weniger hilflos reagiert haben. Neuste Meldungen berichten von 76 Toten, wie auch der Staatssekretär des ägyptischen Gesundheitsministeriums bestätigte.  Hesham Sheiha sprach vom „größten Unglück in der ägyptischen Fußball-Geschichte“. Die etwa 100 Verletzten seien auf vier Kliniken verteilt worden.



„Das ist ein schwarzer Tag für den Fußball. Ich bin sehr schockiert und traurig. Eine solch katastrophale Situation ist unvorstellbar und sollte nicht passieren. Meine Gedanken sind bei den Familien derer, die ihr Leben verloren haben“, erklärte Joseph S. Blatter, Präsident des Weltverbandes FIFA, zur Tragödie.


„Das ist Krieg“

Al-Ahly-Spieler Mohamed Abo Treika zeigte sich geschockt von den Ereignissen: „Das ist kein Fußball, das ist Krieg und vor uns sterben Menschen. Das ist schrecklich, das werde ich nie vergessen.“ Der Chef des Krankenhauses in Port Said erklärte, dass viele Personen erdrückt worden, andere auch durch Stichwunden gestorben seien.

Vorwürfe gegen die Polizei

Der Trainer von Al-Ahly, Manuel Jose, erhob indes schwere Vorwürfe gegen die eingesetzte Polizei: „Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen.“

Der 65-Jährige erklärte gegenüber dem portugiesischen Fernseh-Sender SIC weiter, dass man bereits vor dem Spiel mit Ausschreitungen habe rechnen müssen. Bereits vor Anpfiff der Partie hätten Fans von Al-Masry das Spielfeld gestürmt, was zu einem verspäteten Spielbeginn geführt habe.

Sondersitzung des ägyptischen Parlaments

Auch die Medien haben wohl ihren Anteil an den Geschehnissen. In den Tagen vor dem Spiel wurde in einigen Zeitungen vom „Treffen der Vergeltung“ gesprochen. Jose überlegt nun, das Land zu verlassen und fordert unabhängig davon eine Unterbrechung der Meisterschaft. Der Fußballverband Ägyptens hat vorerst alle Spiele abgesagt. Das gerade erst gewählte Parlament will sich am kommenden Donnerstag in einer Sondersitzung mit der Katastrophe beschäftigen.






 
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