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Der erstmalige Gewinn des europäischen Supercups hat Bayern München und Coach Pep Guardiola noch enger zusammengeführt - und sogar die Bundeskanzlerin begeistert.

Prag. Als Manuel Neuer Bayern München mit seiner Parade im Elfmeterschießen zu Europas "Super-Champions" machte und damit die Geister des "Dramas dahoam" endgültig vertrieb, riss es sogar die Bundeskanzlerin von der Couch. Nach dem Triumph der Bayern über den FC Chelsea schickte Angela Merkel eine SMS nach Prag.

Die Kanzlerin bat den Addressaten, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, den Münchnern ihre herzlichsten Glückwünsche zu überbringen. Sie schrieb von einem "fantastischen, hochdramatischen Spiel", würdigte "großen Sport" der Bayern - und traf damit voll ins Schwarze.

Die Wiederauflage des Champions-League-Endspiels von 2012, das die Bayern auf so dramatische Art verloren hatten, bot alles, was Fußball zum beliebtesten Sport der Welt macht. Und sie war zugleich ein Plagiat dieses denkwürdigen Finals von vor 15 Monaten - mit dem Unterschied, dass in der Eden Aréna der FCB ins Paradies vordrang. Der komplettierte seine Titelsammlung mit dem letzten noch fehlenden großen Pokal, den erstmals eine deutsche Mannschaft gewann. Und der FC Bayern machte seinen Trainer zu einem glücklichen Mann.

"Wir verdienen diesen Titel"

"Wir verdienen diesen Titel", sagte Pep Guardiola, "ich bin sehr, sehr zufrieden mit unserer Vorstellung, wir haben unglaublich guten Fußball gespielt." Die Bayern erdrückten Chelsea nach durchwachsenem Beginn mit ihrem Ballbesitz (64:36 Prozent), erspielten sich stolze 37 Torchancen, feuerten 19 Mal aufs Tor von Petr Cech. Dass sie nach Toren von Fernando Torres (8.) für Chelsea und Franck Ribéry (47.) in die Verlängerung mussten, empfand nur Blues-Coach José Mourinho ("das bessere Team hat verloren") nicht als ungerecht. Dort gerieten sie durch Eden Hazard erneut in Rückstand (93.), obwohl Chelsea da nach der Gelb-Roten Karte gegen Ramires (85.) nur noch zu Zehnt war. Javi Martínez rettete sie in den Shootout (120.+1).

Allerdings mussten die Münchener den Titel auch teuer bezahlen: Nationalspieler Mario Götze erlitt einen Kapselriss am rechten Sprunggelenk, muss eine Woche Gips tragen und soll erst nach einer rund zweiwöchigen Reha wieder ins Training zurückkehren können. Arjen Robben laboriert an einer Kapselreizung im Knie, Martínez erlitt eine Innenbandzerrung am Knie. Beide sollen aber in wenigen Tagen wieder einsteigen können.

Lukaku vergab

"Dieses Tor ist unvergesslich", hatte der Spanier nach dem Spiel noch gesagt, und ebenfalls betont, wie wichtig der Sieg vor allem für Guardiola war. "Es hätte Kritik geben können", sagte Sportvorstand Matthias Sammer über eine mögliche Niederlage, "und dann wird einfach zu viel geredet, nicht nur das Richtige." Über das 4-1-4-1-System zum Beispiel, das erneut anfällig für Konter war. Oder die Personalrochaden. Toni Kroos war nicht der erhoffte Ersatz für den verletzten Bastian Schweinsteiger, Guardiola beendete das Experiment nach nur 30 Minuten.

Am Ende, als Neuer den Elfmeter von Romelu Lukaku gehalten hatte und das 5:4 i.E. feststand, war das aber nicht mehr wichtig. Mit dem ersten Supercup-Sieg nach drei vergeblichen Anläufen hatte sich das Triple-Team "wieder ein bisschen unsterblich gemacht", sagte Sammer.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach bei seiner Bankettrede im "Grand Ballroom" des Luxus-Hotels Mandarin Oriental um halb zwei Uhr nachts bei Rindfleisch in Rotweinsauce und Sushi vom "besten Supercup-Finale, das ich je gesehen habe". Der Mannschaft rief er zu: "Das war großer Sport, den ihr da abgeliefert habt." Bis nach drei saßen er und Präsident Uli Hoeneß mit Guardiola über Rotwein und dem Pokal zusammen. Das Trio wirkte sehr vertraut. Guardiola und der Klub sind sich in dieser dramatischen Nacht nähergekommen.

Sammer von Guardiola beeindruckt

Sammer lobte dessen Spielvorbereitung, Halbzeitansprache und Ansprache vor dem Elfmeterschießen als "beeindruckend". Guardiola sei sich "seiner Mittel sicher". Der erste Titel für den Coach mit den Bayern soll helfen, dass Guardiolas Qualitäten auch in der so kritischen Öffentlichkeit noch mehr gewürdigt werden. "Wir befinden uns in einem Prozess", sagte Sammer über die Umbauarbeiten, "und da brauchen wir Ergebnisse. Dieser Sieg hilft uns sehr."

Bei der Mannschaft ist Guardiola unumstritten. Ribéry lief nach seinem Treffer demonstrativ zu ihm und küsste ihn auf die Glatze. "Das ist wichtig für ihn", sagte er, "wir haben es so gut gemacht im letzten Jahr und alles gewonnen, das ist nicht einfach für Pep, er hat viel Druck. Er ist ein richtig guter Trainer, macht das sehr gut, wir sind zufrieden mit ihm." Guardiola gab die Zuneigung noch auf dem Platz zurück, umarmte und herzte jeden einzelnen Profi.

All diese Harmonie und Glückseligkeit wurde einzig von Mourinho gestört. Der stänkerte nach dem Spiel gegen Schiedsrichter Jonas Eriksson (Schweden), dieser habe das Spiel mit dem Platzverweis "getötet". Immer müsse er mit zehn Mann auskommen, wenn es gegen Guardiola gehe, meckerte er. Die Bayern-Profis hätten sich andauernd fallen lassen, ihr Sieg sei unverdient gewesen. "Das hat Mourinho exklusiv", sagte Kroos. Unverdient? Er dachte noch ein letztes Mal an 2012 und sagte: "Im Leben kommt immer alles irgendwann zurück."

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