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Riquelme feiert sein Comeback in der Copa Libertadores. Sein derzeit schwächelndes Team Boca Juniors erhofft sich durch den Spielmacher an alte Erfolge anzuknüpfen.

Buenos Aires. So wie Boris Becker einst Wimbledon als „sein Wohnzimmer“ bezeichnete, so fühlt sich der argentinische Spielmacher Roman Riquelme bei Spielen der Copa Libertadores im Stadion der Boca Juniors. Donnerstagnacht feiert er am dritten Spieltag der südamerikanischen Königsklasse ggen Nacional aus Uruguay seine erneute Rückkehr in seinen Lieblingswettbewerb.

Allerdings handelt es sich um kein lupenreines Comeback. Riquelme hatte sich zwar für sieben Monate vom Spielbetrieb verabschiedet, aber sein letztes Pflichtspiel war eben das Finale der vergangenen Copa Libertadores, welches er im Juli 2012 mit Boca Juniors gegen Corinthians in Sao Paulo verloren hatte. Kurz darauf erklärte der 34-jährige enttäuscht seinen Rücktritt: „Ich kann dem Verein nichts mehr geben. Ich fühle mich leer.“ Eine ebenso große Leere hatte er allerdings bei seinem Team hinterlassen, denen teilweise die sportliche Führung, vor allem aber eine Identifikationsfigur fehlte.

Ein ewiges Hin und Her: Kommt er zurück oder nicht?

Ein monatelanges Possenspiel begann. Angeblichen Vertragsverhandlungen mit Argentinos Juniors, Tigre und Palmeiras folgten erneute Annäherungen an Boca. Die Fans forderten vehement seine Rückkehr und machten im Dezember 2012 zum Ende des Torneo Inicial den damaligen Trainer Julio Falcioni zum Hauptverantwortlichen für die schwache sportliche Leistung und vor allem aber auch für Riquelmes Abwesenheit. Präsident Angelici hatte keine andere Wahl: Falcioni wurde gefeuert. Als dann kurz darauf Erfolgscoach Carlos Bianchi seine Rückkehr auf die Trainerbank bei Boca besiegelte, entstand unter den Anhängern der „Xeneizes“ eine kaum zu bremsende Euphorie. Riquelme musste zurückkehren.

Nach ewigem Tauziehen besiegelt man Anfang Februar seine Rückkehr. „Roman“, wie er häufig genannt wird, hatte allerdings die Vorbereitung der Mannschaft nicht mitgemacht und wurde deshalb in den ersten Saisonspielen nicht eingesetzt. Boca startete denkbar schwach. Zwar konnte man am ersten Spieltag des Torneo Final im Spiel gegen Abstiegskandidat Quilmes noch einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg drehen, aber aus den folgenden drei Begegnungen blieb nur ein mageres Pünktchen.

Boca ohne Riquelme bisher schwach in Meisterschaft und Libertadores

Besonders beschämend war der Auftritt am vergangenen Sonntag in der heimischen Bombonera gegen das Tabellenschlusslicht Union de Santa Fe, das seit Mai vergangenen Jahres nicht gewinnen konnte. Das Team von Carlos Bianchi, eigentlich als Favorit auf alle Wettbewerbe in die Saison gestartet, verlor kläglich mit 1:3. Und: Es war die Rückkehr von Juan Roman Riquelme, dem es aber sowohl an Anbindung an das Spiel seiner Mannschaft fehlte als auch an eigener Dynamik.

Um nun das allseits erwartete Comeback nicht völlig verblassen zu lassen, erwartet man einen überzeugenden Auftritt von Riquelme am Donnerstagabend (21:30 Uhr Ortszeit; 01:30 Uhr MEZ) gegen Nacional. Boca hatte sein erstes Heimspiel in der Gruppe 1 gegen Deportivo Toluca aus Mexiko mit 1:2 verloren. Am zweiten Spieltag folgte ein Auswärtssieg in Guayaquil gegen Barcelona, die wohl bisher einzige spielerisch annehmbare Leistung in dieser Saison.

Sein Wettbewerb: Drei Titel, Rekordspieler und -torschütze

Riquelme und Bianchi sagt man ein sehr gutes Verhältnis nach, was bei den zahlreichen Zankereien von Roman und seinen Arbeitskollegen durchaus zu erwähnen ist. Mit Carlos Bianchi als Trainer konnte der junge Riquelme 2000 und 2001 die Copa Libertadores gewinnen, seinen „Lieblingswettbewerb“. Auch bei seiner ersten Rückkehr 2007 als Leihgabe aus Villareal führte er die Mannschaft mit acht Toren in elf Spielen zum Titelgewinn.

Und selbst im letzten Jahr, als Boca eigentlich nur in wenigen Spielen des Wettbewerbs zu überzeugen wusste, war es Riquelme, der als klassischer Spielmacher im Mittelfeld die Fäden zog und entscheidende Tore einleitete oder selbst erzielte. Bis ihm und seiner Mannschaft im Finale von Corinthians die Grenzen aufgezeigt wurden. Seit dieser Spielzeit ist er auch Bocas Rekordspieler und –torschütze in der Königsklasse Südamerikas.

Aber auch Roman wird nicht jünger. Auch wenn sein Spiel sich nie durch hohes Tempo charakterisiert hatte, fehlt ihm nun dennoch die wichtige Antrittsschnelligkeit. Ebenso tendiert seine Mitarbeit in der Defensive gegen Null. Im modernen Fußball kaum noch tragbar. Aber er kann immer noch ein Spiel entscheiden, durch ein grandiosen Pass, einen präzisen Freistoß oder ein makelloses Dribbling. Nur ob Boca in der jetzigen Verfassung eine wichtige Rolle in der Libertadores 2013 spielen kann, ist zu bezweifeln. Und ob Riquelme dann im kommenden Jahr noch einmal in „sein Wohnzimmer“ zurückkehrt – ebenfalls.


EURE MEINUNG: Hat Riquelme noch das Zeug für einen Titel mit Boca?

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