Kommentar: Messi Weltklasse beim FC Barcelona, bei Argentinien nur Durchschnitt

Traumvorstellungen bei Barca, mit der „Seleccion“ hingegen lebt der Argentinier einen Albtraum - Goal.com diskutiert die Unterschiede zwischen den Leistungen des Weltfußballers.

Ein Kommentar von Rafael Corradino

Lionel Messi, Argentina
GettyImages
La Plata. Sergio Agüero hat Gastgeber und Mitfavorit Argentinien vor einem Fehlstart in die Copa America bewahrt. Der Stürmer erzielte den späten Ausgleich beim 1:1 (0:0) zum Auftakt der Gruppe A gegen Bolivien (ganzer Spielbericht). Wo war Lionel Messi, der beim FC Barcelona Jahr für Jahr für Furore sorgt? Der Argentinier muss wegen seiner Leistungen im Nationalteam oft sogar herbe Kritik einstecken. „Messi ist jemand, der so gut für seinen Klub spielt, aber überhaupt nichts für sein Land tut“, sagte der ehemalige Weltfußballer Pelé über den aktuellen Weltfußballer. Was hemmt ihn bei der „Seleccion“, wann sehen wir den „katalanischen“ Messi auch bei der „Albiceleste“?

Der beste der Welt?

Diese Frage ist momentan wohl eine der heißdiskutiertesten in der Fußball-Welt. Ähnlich wie sich die Fangemeinden bei der Frage nach dem besten Fußballer aller Zeiten in zwei Lager zwischen Pele und Maradona spalten, gelten derzeit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo als Mittelpunkt der Diskussion „Wer ist der beste Akteur der Welt?“.

Trotz des Tor-Rekords Ronaldos in der Primera Division dürfte den Anhängern die wettbewerbs-übergreifende Leistung des Argentiniers in der vergangenen Saison aufgefallen sein. Der 24-Jährige schnappte sich ein weiteres Mal die Trophäe der europäischen Königsklasse, avancierte zum besten Torschützen der Champions League und durfte zum zweiten Mal in Folge den Ballon d'Or entgegen nehmen.

Weltklasse: Messi oder der FC Barcelona?

Doch trotz all' der Erfolge der letzten Jahre kommt immer wieder eine prägende Kritik auf: Lionel Messi sei nur dank seiner hervorragenden Mitspieler beim FC Barcelona so erfolgreich. Nur dank ihnen schieße er derart viele Tore, Cristiano Ronaldo hingegen erarbeite sich seine Tore selbst. Für diese Argumentation spricht die glanzlose Leistung des Argentiniers bei der Nationalmannschaft, doch auch Ronaldo konnte mit Portugal noch nicht gänzlich überzeugen. Gegen Bolivien und Kolumbien war Lionel Messi jedoch nicht nur ineffektiv, sondern blass.



Tatsächlich fehlt bei den Argentinier derzeit das kreative Mittelfeld. Messi soll nicht nur als Stürmer, sondern auch als Spielmacher fungieren. Sergio Batista versucht das System der Katalanen zu imitieren, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt ist. Nach einer harten Saison und wenig gemeinsamer Spielpraxis in der Nationalmannschaft könnte der große Durchbruch jedoch noch folgen.

Die psychische Barriere

Natürlich wird den Akteuren beim FC Barcelona über Jahrzehnte hinweg das gleiche Spielsystem, die gleiche Spielpraxis antrainiert. Die Spieler verstehen sich blind, schon in der Jugend erlernen sie die für ihre Position wichtigen Aspekte. Bei Argentinien ist Lionel Messi eingeschränkt und wird in eine andere Taktik gezwängt. Auch in der „Seleccion“ hat er jedoch technisch starke Mitspieler im Sturm, welche ihn unterstützen können und müssen. Möglicherweise sollte er jedoch Trainer Batista helfen und ihm mehr von der Taktik der Katalanen lehren.



Das Wichtigste ist jedoch, dass der 24-Jährige die psychische Barriere hinter sich lässt. Auf seinen Schultern lastet das Erbe von Diego Armando Maradona. Er soll die Spiele entscheiden, er soll Argentinien zum dritten Weltmeister-Titel führen. Bei Barca ist die Last auf den Schultern mehrerer Weltklasse-Akteure verteilt, doch in Argentinien ragt er heraus. Umso länger er das jedoch nicht auch auf dem Feld im Trikot der „Albiceleste“ tut, umso größer wird der Druck. Bis zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien muss der Durchbruch gelingen, schon bei dieser Copa America ist es an der Zeit. Ansonsten könnte es zu spät sein für den zweimaligen Weltfußballer, der mit Argentinien enttäuscht.

Eure Meinung: Woher rührt die schwache Leistung von Lionel Messi bei der „Albiceleste“?


 
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