Spielbericht Confederations Cup: USA - Brasilien

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat die Sensation verpasst. Am Ende ging den US-Boys die Kraft aus. Trotz einer 2:0-Pausenführung verloren die USA noch das Endspiel im Confed-Cup in der regulären Spielzeit und mussten sich den Südamerikanern beugen.

28.06.2009 23:32:39

FIFA Confederations Cup: Charlie Davies - Gilberto Silva, USA - Brazil (PA)
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FIFA Confederations Cup: Charlie Davies - Gilberto Silva, USA - Brazil (PA)

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Von Nils RESCHKE

Johannesburg. Der fünffache Weltmeister Brasilien hat zum dritten Mal den Confederations Cup gewonnen. Möglich machte dies eine Energieleistung gegen die USA in der zweiten Hälfte, in der die Mannschaft von Carlos Dunga aus einem 0:2 noch ein 3:2 machten. Gefeierter Held war Innenverteidiger und Kapitän Lucio, der in der 84. Minute das Siegtor köpfte. Luis Fabiano hatte zuvor mit seinem Doppelschlag die Führung der US-Boys egalisiert.

PERSONAL & TAKTIK

„Never change a winning team“ dachte sich wohl Brasiliens Coach Carlos Dunga, der exakt die Dlf auflaufen ließ, die auch gegen Südafrika die Startaufstellung gebildet hatte. Dungas Gegenüber Bob Bradley indes war zu einer Änderung gezwungen und musste seinen Sohn Michael (Rotsperre) ersetzen. Wie auch schon gegen Spanien stand dafür aber Kapitän Carlos Bocanegra von Stade Rennes im Team, der die Vorrunde wegen einer Verletzung verpasst hatte.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Eine perfekte Taktik, ein nahezu perfektes Spiel der US-Amerikaner in Durchgang eins. Die Elf von Bob Bradley ließ Brasilien lange gewähren, störte dann aber energisch, um schnelle Konter aufzuziehen. Zudem gewann Team USA fast jeden Kopfball. Die erste Chance saß nach zehn Minuten: Nach Spectors langem Flankenball verlängerte Clint Dempsey genau ins lange Eck zum 1:0 (10.). Die Torausbeute bei den Amerikanern hätte besser nicht sein können, weil auch die nächste echte Großchance konsequent genutzt wurde. Einen Konter schloss Landon Donovan mit einem trockenen Linksschuss zum 2:0 ab (27.).

Andre Santos hatte noch die Gelegenheit zum Anschlusstor, doch Keeper Tim Howard parierte den Schuss aus spitzen Winkel prächtig (35.). Glück des tüchtigen Howard: In der Schlusssekunde der ersten Hälfte verpasste Luis Fabiano die Hereingabe von Maicon nur um eine Stiefelspitze (45.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Ein Auftakt wie ein Paukenschlag: Mit Luis Fabianos Anschluss-Kracher nach nur wenigen Sekunden blies Brasilien zur Aufholjagd, die zunächst tragisch zu enden schien, als Kakas Tor nicht anerkannt wurde (60.). Aber die Südamerikaner blieben am Drücker, verschärften das Tempo und wurden abermals durch den Stürmer vom FC Sevilla in der 74. Minute belohnt. Luis Fabiano drückte nach dem Lattentreffer von Robinho das Leder per Kopf über die Linie.

Jetzt war wieder alles offen. Doch die USA waren nicht mehr in der Lage, Paroli zu bieten. Vielmehr drängte Brasilien nun auf die Titelverteidigung noch in der regulären Spielzeit. Elanos Eckball schließlich verwandelte der Kapitän höchstpersönlich, Lucio von Bayern München. Er köpfte Brasilien zum Confed-Cup (84.).

SCHLÜSSELSPIELER

Torwart Tim Howard glänzte immer dann, wenn er gebraucht wurde und strahlte eine ungeheure Ruhe aus. Doch Brasiliens Druck wurde im zweiten Abschnitt zu groß, sodass die bisher glänzenden Verteidiger Onyewu und DeMerit die Übersicht verloren.

Zu Brasiliens Besten zählte Maicon, der unermüdliche Antreiber, der seine Mannschaft wachrüttelte. Auch Kaka wurde mit dem Druck der Südamerikaner von Minute zu Minute im zweiten Abschnitt besser. Lucio schließlich wurde zum Matchwinner, während Landon Donavan beim Team USA weiter Strecken lang überzeugte.

SCHLÜSSELSZENE

Das 2:0 war ein Konter für das Lehrbuch – und hätte zur Schlüsselszene taugen können. Während die Brasilianer noch nach der Chance von Maicon aus spitzem Winkel mit dem Schicksal haderten, ging hinten die Post ab. Nach der Balleroberung passte Donovan auf Charlie Davies, der von der linken Flanke wiederum den Ex-Münchner in Szene setzte. Landon Donovan blieb noch genug Zeit, sich das Leder auf den linken Fuß zu legen, um dann mit einem platzierten Schuss Julio Cesar keine Chance zu lassen. Der Underdog düpierte den fünffachen Weltmeister – allerdings nur 45 Minuten. Und so wurde das 2:0 doch zur Schlüsselszene, weil es nun wütende Brasilianer anstachelte, sich nicht so leicht geschlagen zu geben.

SPIELER DES SPIELS: Luis FABIANO

Steter Unruheherd, auch schon da, als es für Brasilien im ersten Abschnitt nicht lief. Mit zwei Treffern war er maßgeblich an der Titelverteidigung beteiligt. Zur Extra-Story...

FAZIT

Der Rekord-Weltmeister hätte gewarnt sein müssen. Team USA ließ nach dem Überraschungscoup gegen Weltmeister Italien und Europameister Spanien fast auch den dritten Favoriten stolpern. Doch dank einer Energieleistung verdiente sich Brasilien den Finalerfolg.

SCHIEDSRICHTER: Martin HANSSON (Schweden)

Hatte mit diesem fairen Finale leichtes Spiel. Gerechtfertigte Gelbe Karten, ohne unnötige theatralische Einlagen. Würdig, ein Endspiel des Confed-Cups zu leiten, wenn da nicht die Fehlentscheidung gewesen wäre, Kakas Treffer nicht anzuerkennen. Krasse Fehlentscheidung, die ohne Folgen blieb. Note: 5.

SPIELNOTE

Der fünffache Weltmeister aus Brasilien schien reichlich Kraft gelassen zu haben. Die Kreativität fehlte. Dafür lebte die Partie erst vom Überraschungselement, für das die USA sorgten, dann von der Spannung. Note: 7.

Anmerkung: die Noten reichen von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

STATISTIK

Das Match in der Goal.com-Statistik

Ort: 50.000 Zuschauer im Ellis Park in Johannesburg (ausverkauft)

Anstoß: 28. Juni 2009, 20.30 Uhr (MESZ)

Ecken: 5:10

Chancen: 4:12

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