Spielbericht Confederations Cup: Brasilien – Ägypten

In der Nachspielzeit rückte Brasilien doch noch die gewohnten Verhältnisse zurecht und erzielte den Siegtreffer beim 4:3 (3:1) gegen Ägypten. Doch der Sieg war nicht verdient, denn vor allem in der zweiten Halbzeit waren die Afrikaner mindestens gleichwertig.

Kaka, Hani Said, Brazil-Egypt (PA)
Von Daniel BUSE

Bloemfontein. Ende gut, alles gut? Wohl kaum. Brasilien gewann sein Auftaktspiel beim Confederations Cup zwar mit 4:3 (3:1) gegen Ägypten, doch überzeugend war das Ganze nicht. Erst ein Elfmeter in der Nachspielzeit sicherte der „Selecao“ die drei Punkte.

PERSONAL & TAKTIK

Brasiliens Trainer Dunga vertraute den Spielern, die in der WM-Qualifikation zuletzt zwei Siege eingefahren hatten. Für Maicon von Inter Mailand und Pato vom Stadtrivalen AC war kein Platz in der Startelf. Robinho wurde neben Luis Fabiano von Dunga als zweiter Stürmer aufgestellt. Bei den Ägyptern wurde Mohamed Zidan als Alleinunterhalter in der Offensive aufgeboten. Hinter und manchmal neben ihm wechselte Mohamed Aboutreika oft die Positionen.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Es ging gleich gut los in Bloemfontein: Bereits nach 12 Minuten waren 3 Tore gefallen. Den Anfang machte Brasiliens Superstar Kaka, der sich nach einer Flanke des starken Dani Alves gegen zwei Ägypter, die Luftlöcher schlugen, in der Mitte durchsetzte und flach zum 1:0 einschoss (5.). Doch auf der Gegenseite nutzten auch die „Pharaonen“ ihre erste Möglichkeit. Eine Flanke von der rechten Seite verwertete Mohamed Zidan per Kopf zum 1:1 (9.). Und nur drei Minuten später stellte Luis Fabiano mit einem Kopfballtor nach einem Freistoß von Elano den alten Abstand wieder her.

Danach verschwand das hohe Tempo aus der Begegnung. In gemächlicher Geschwindigkeit versuchten sich die Brasilianer bis zum Tor des Gegners durch zu spielen, was aber nicht gelang. Die Ägypter hatten einige gute Ansätze, doch wirklich gefährlich wurden sie erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Hosni aus 12 Metern knapp drüber köpfte. Zu diesem Zeitpunkt stand es allerdings schon 3:1 für den Rekordweltmeister, denn der ehemalige Leverkusener Juan hatte nach einer Ecke von Elano wieder per Kopf getroffen (37.). Zwei Unaufmerksamkeiten bei Standardsituationen warfen die Ägypter im ersten Durchgang zurück.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Nach der Pause spielten die Brasilianer noch langsamer und lässiger – und auf einmal stand es 3:3. Innerhalb von einer Minute machte Ägypten zwei Tore. Beim 2:3 setzten sich gleich zwei Ägypter auf der linken Seite durch und den Rückpass an die Strafraumkante verwandelte Mohamed Shawky mit einem Flachschuss (54.). Direkt vom Anpfiff weg legten dann die „Pharaonen“ wieder los und nach einem Pass von Aboutreika machte Zidan mit links den 3:3-Ausgleich. Danach passierte zunächst nicht mehr viel in den beiden Strafräumen.

Überraschenderweise war es allerdings Ägypten, das in der Schlussphase die Kontrolle über das Spiel übernahm und den besseren Eindruck machte. Brasilien konnte nur einen Schuss von Kaka, der knapp drüber ging, dagegen setzen (77.). Die Entscheidung fiel dann kurz vor Schluss: Wieder einmal nach einem Standard waren die Ägypter nicht auf der Höhe und Muhammadi parierte einen Schuss von Lucio auf der Torlinie mit dem Ellenbogen (88.). Schiedsrichter Webb wollte zunächst keinen Elfmeter geben, doch nach einer Minute entschied er doch auf Strafstoß, den Kaka zum 4:3 verwandelte (90.+1). Außerdem bekam Muhammadi noch die rote Karte.

SCHLÜSSELSPIELER

Von Sturmproblemen war bei den Ägyptern nicht viel zu sehen. Lucio und Juan hatten in der Abwehrmitte viel Mühe mit Zidan und Aboutreika. Auf der anderen Seite sah es allerdings ähnlich aus: Bei Standardsituationen herrschte bei den Ägyptern ein heilloses Durcheinander. Die gut getretenen Ecken und Freistöße von Elano waren vor allem in der ersten Hälfte gefährlich.

SCHLÜSSELSZENE

Für Diskussionen wird der Siegtreffer der Brasilianer sorgen. Erst wollte Schiedsrichter Howard Webb in der 88. Minute nach dem Handspiel von Muhammadi weiterspielen lassen, doch weil der Ägypter mit einer miserablen schauspielerischen Leistung sich den Kopf hielt und behandelt werden wollte, hatte der Schiri genug Zeit, um sich die ganze Szene noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Oder vielleicht auch, um der Anweisung zu folgen, die ihm über seinen Knopf im Ohr eingeflüstert wurde. Es gab jedenfalls Rot für den schlechten Schauspieler und Elfmeter für die „Selecao“. Kaka machte dann das 4:3.

SPIELER DES SPIELS: Mohamed Zidan

Zwei Tore gegen Brasilien – das darf sich der Dortmunder Stürmer jetzt auf seinen Lebenslauf schreiben. Er ist halt am Besten, wenn er ohne viel Zeit zum Überlegen aufs Tor köpfen oder schießen darf. Das bewies er am Nachmittag: Erst per Kopf nach schöner Flanke zum 1:1 (9.) und kurz nach der Pause mit seinem schnellen Abschluss zum 3:3-Ausgleich. Leider wurde die engagierte Leistung seiner Mannschaft nicht mit einem Unentschieden belohnt.

FAZIT

Ein glücklicher Sieg für Brasilien, das nicht wie gewohnt zauberte und wirbelte, sondern – ziemlich europäisch – vor allem nach Standards gefährlich war. Ägypten gab mit einer starken kämpferischen Leistung nie auf und hätte sich mit dem 3:3 fast den verdienten Lohn abgeholt. Am Ende entschied ein berechtigter Elfmeter das Spiel zugunsten des Rekordweltmeisters.

SPIELNOTE: 2 – Viel Einsatz und Wille von den Ägyptern, aber wenig Leistung von den Brasilianern, von denen man andere Auftritte gewohnt ist. Sieben Tore sind für die Zuschauer schön, doch was der Rekordweltmeister ablieferte, war wirklich nichts Besonderes.

SCHIEDSRICHTER: Howard Webb (England)

SPIELSTATISTIK:

Aufstellungen

Noten: Brasilien

Noten: Ägypten

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