Portrait: Mido

Stürmer Mido gehört zu den „Enfant Terribles“ im Fußballgeschäft. Der Ägypter wechselt ständig seine Vereine, legt sich mit dem Verband an und wollte sogar schon einmal seinen Trainer verprügeln. Wir widmen dem streitbaren Angreifer ein Porträt.

African Cup: Mido and egipcian coach, Shehata (AFP)
Von Falko BLÖDING

Berlin. Er zählt zu den größten Wandervögeln im Zirkus des Weltfußballs: Ahmed Hossam Hussein Abdelamid, genannt Mido. Gerade einmal 26 Jahre alt, bringt es der Ägypter in seiner Laufbahn bereits auf stolze acht Stationen. Zu seinen Ex-Klubs zählen illustre Namen wie Ajax Amsterdam, Celta Vigo, Olympique Marseille, AS Rom und Tottenham Hotspur. Aktuell geht Mido in der Premier League für Wigan Athletic auf Torejagd.

Erste Probleme mit Koeman


Mido machte im Jahr 1999 erstmals auf sich aufmerksam. Nach nur vier Spielen (drei Tore) für seinen ägyptischen Heimatverein Zamalek wechselte er mit 17 Jahren nach Belgien zum KAA Gent. Auch dort blieb er nur ein Jahr. Nach elf Toren in 21 Spielen verpflichtete ihn der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam im Sommer 2001. Bei Ajax gab es dann erstmals Probleme, denn es stellte sich heraus, dass Mido kein pflegeleichter Profi ist. Immer wieder geriet er mit Trainer Ronald Koeman aneinander. Der Coach warf seinem Angreifer mehrmals mangelndes Engagement vor. Mido entschuldigte dies mit kleineren Verletzungen oder verabschiedete sich kurzerhand zu einem kurzen Urlaub in seine Heimat.

Scherenwurf und Wechsel nach Marseille


Im März 2003 soll Mido nach einem Streit mit seinem Mannschaftskameraden Zlatan Ibrahimovic eine Schere nach dem Schweden geworfen haben. Kurz darauf erlaubte die FIFA eine Ausleihe zu Celta Vigo für die Schlussphase der Saison. In Spanien absolvierte Mido acht Spiele und war dabei vier Mal erfolgreich. Im Sommer kehrte er zu Ajax zurück, doch dort hatte er keine Zukunft mehr. Olympique Marseille verpflichtete ihn für eine Ablöse von zwölf Millionen €. Nach zehn Monaten bei den Südfranzosen erklärte Mido im Frühjahr 2004, dass er den Verein gerne verlassen wollte.

Über Rom in die Premier League


Zahlreiche spanische Klubs waren an ihm interessiert, doch das Rennen machte schließlich der AS Rom, der ihn schon im Sommer zuvor unter Vertrag nehmen wollte. Auch in Italien wurde er nicht glücklich, zwischendurch fiel er immer wieder mit Eskapaden um Ferraris und Fotomodelle auf. Nach acht Spielen ohne Tor ließ er sich zu Tottenham Hotspur verleihen. Mit zwei Teffern bei seinem Debüt für die Londoner gegen Portsmouth erwischte er einen Traumstart. Nach dem Ende der Leihe verpflichteten ihn die „Spurs“ 2006. Dies sei im Nachhinein ein Fehler gewesen, erklärte Mido später. Im Januar 2007 war dieses Kapitel bereits wieder beendet, denn Mido ging für sechs Millionen € zum FC Middlesborough.

Rassistische Beleidigungen in Newcastle


Nach einem Auswärtsspiel bei Newcastle United im Herbst 2008 geriet Mido unfreiwillig in die Schlagzeilen: Zwei Newcastle-Anhänger hatten ihn rassistisch beleidigt: „Sie skandierten abstoßende Verschmähungen und rassistische Beleidigungen des Islam. Es ist das zweite Mal, dass die gleichen Fans das tun. Es ist wieder passiert, weil die FA nach dem ersten Mal nichts unternommen hat. Ich bitte die FA, gegen diese Dinge hart vorzugehen“, sagte Mido damals. Ende Januar 2009 wechselte er auf Leihbasis zu Wigan Athletic, wo er mit seinem Landsmann Amr Zaki das Sturmduo bildet. Wie es nach dem Confed-Cup bei ihm weitergeht, steht noch nicht fest.

Erste Sperre des Verbands


Auch in der Nationalmannschaft machte Mido schnell von sich reden. 2001 feierte er sein Debüt gegen Saudi-Arabien und erzielte gleich ein Tor. 2004 sagte er dem damaligen Nationaltrainer Marco Tardelli aus Verletzungsgründen ab, um 24 Stunden später für die Roma aufzulaufen. Trainer und Verband schmissen ihn daraufhin aus der Nationaelf. Nachdem Tardelli 2005 allerdings gefeuert wurde, erhielt Mido vom neuen Coach Hassan Shehata eine neue Chance.

Zweite Sperre des Verbands


Der große Eklat folgte während des Afrika-Cups 2006: Im Halbfinale gegen den Senegal nahm Trainer Shehata Mido vom Feld. Mido war darüber außer sich und drohte Shehata sogar Prügel an. Zwei Mitspielern mussten ihn davon abhalten, handgreiflich zu werden. „Das ägyptische Team besteht nicht nur aus Mido“, sagte Co-Trainer Shawki Gharib damals. Der Torjäger wurde umgehend aus dem Kader geschmissen und vom Verband für sechs Monate gesperrt. Seitdem hat sich Mido bei der Nationalelf geläutert präsentiert. Anfang 2008 gewann er mit Ägypten den Afrika-Cup. Beim Confed-Cup wird er nicht für Schlagzeilen sorgen, aus taktischen Gründen wurde er überraschend aus dem Aufgebot gestrichen.

Eure Meinung: Was haltet Ihr von Mido?


 
Goal.com-Flutlicht
  1. Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine? Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine?

    KOLUMNE - Jede Woche gibt euch FCB-Reporter Maximilian Bensinger Einblick in sein Gefühlsleben. Was gibt es Neues an der Säbener Straße? Emotional und erschreckend subjektiv!

  2. Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten

    Die EM bietet den teilnehmenden Akteuren die Möglichkeit, sich ins Schaufenster zu stellen, um sich für neue Klubs zu empfehlen - wir bieten einen Überblick der Wechselkandidaten.

  3. „Beckers Borussia“ - die Mönchengladbach-Kolumne: „Ersatzdroge“ Europameisterschaft „Beckers Borussia“ - die Mönchengladbach-Kolumne: „Ersatzdroge“ Europameisterschaft

    Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde